Dienstag, 14. Januar 2020

Best Of 2019

Das erste Konzert des neuen Jahres 2020 habe ich schon gesehen, also ist es allerhöchste Eisenbahn, endlich meine Favoriten aus 2019 zu verkünden.

Letztes Jahr sorgten überraschend viele alte Helden wie Robert Forster (früher The Go-Betweens), Frankie Stubbs (Leatherface) oder Craig B (Aereogramme, The Unwinding Hours., zuletzt A Mote Of Dust), deren Musik und Liveauftritte mich zum Teil schon seit Jahrzehnten begleiten, für herausragende Erlebnisse, aber den Rang abgelaufen hat ihnen Zebra Katz, den ich vor dem Konzert überhaupt nicht kannte und der mich vielleicht gerade deshalb so begeistert hat.





Beste Konzerte




  • Zebra Katz (Bochum - Schauspielhaus)


  • Ich war an dem Abend im Schauspielhaus wegen Sophia Kennedy und Angel-Ho, aber der eher düstere, experimentelle Hip Hop.von Zebra Katz war die Show des Abends.




  • Frankie Stubbs (Düsseldorf - Stone)


  • Der Leatherface-Kopf schaute nach langer Bühnenpause mal wieder vorbei und spielte solo und akustisch seine alten Hits, ohne in bierselige Nostalgie abzudriften.




  • Anguish (Bonn - Kreuzung an St. Helena)


  • Wenn ich Zebra Katz' Musik als eher düsteren, experimentellen Hip Hop bezeichnet habe, dann ist das im Vergleich zu Anguish luftige Popmusik. Was u.a. dälek, der schwedische Jazz-Saxofonist Mats Gustafsson (hat schon mit Sonic Youth und Merzbow gearbeitet) und Faust-Keyboarder Hans Joachim Irmler in Bonn servierten, war sicher nicht leicht verdaulich, aber dennoch verdammt unterhaltsam.




  • Benjamin Clementine (Dortmund - Konzerthaus)


  • Benjamin Clementines Hang zur sympathischen Divenhaftigkeit machen ihn eh schon live sehr sehenswert, aber dazu noch mit einem Streichquartett im Rücken war es auch musikalisch  ganz ausgezeichnet.




  • Robert Forster (Münster - Gleis 22)


  • Der Mann ist live eine Bank und hat mich noch nie enttäuscht und hat auch mit seinen über 60 Jahren immer noch selber einen solchen Spaß auf der Bühne, dass es einfach ansteckend wirkt..




  • A Mote Of Dust (Düsseldorf - Kassette)
  • A Mote Of Dust (Glasgow - Mono)


  • Craig B zeiht sich aus dem Musikgeschäft zurück und ging noch einmal auf große Abschiedstour (drei Konzerte in Deutschland und zwei in Schottland). Vor allem das Konzert in Düsseldorf ging unter die Haut, weil man bei jedem Song spüren konnte, wie viel seine Lieder den Besuchern bedeuten.  Und beim allerletzten Auftritt in Glasgow war es das Duett mit der bezaubernden Kathryn Joseph, das für den vielleicht schönsten Konzertmoment des ganzen Jahres sorgte.





  • Massive Attack (Frankfurt - Jahrhunderthalle)


  • Das komplette Mezzanine-Album gespielt mit den Gästen Horace Andy und Elizabeth Fraser, auch optisch, wie man es von Massive Attack gewohnt ist, brillant in Szene gesetzt.




  • DBUK (Oberhausen - Druckluft)


  • Das Nebenprojekt zu Slim Cessna's Auto Club spielte yerqueren Folksongs ganz unspektakulär im Sitzen und schaffte es dennoch dabei, eine unglaubliche Energie auszustrahlen.




  • The Twilight Sad (Duisburg - Landschaftspark Nord)
  • The Twilight Sad (Hamburg - Mojo)


  • Wem James Grahams Stimme nicht packt, ist ein schlechter Mensch. Wenn Menschen, die The Twilight Sad vorher nicht kannten, von ihrer Version von Frightened Rabbits Keep Yourself Warm zu Tränen gerührt wurden, ohne die Geschichte dahinter zu kennen (eine Homage an Frightened Rabbit-Sänger Scott Hutchison, der sich 2018 das Leben nahm), dann sagt das genug über die Live-Qualitäten aus.




  • Amanda Palmer (Essen - Colosseum)


  • Amanda Palmer hatte an dem Abend keine Lust auf ihr normales Programm und spielte stattdessen ein Wunschkonzert und erzählte Anekdoten aus ihrem Leben, traurige und humorvoll zugleich.




    Was darüber hinaus sehr gut war von den insgesamt 73 Konzerten, aber knapp an den Top Ten vorbei schrammte: z. B. Envy (Oberhausen - Druckluft), Off With Their Heads (Köln - Helios 37), Ebony Bones! (Duisburg - Landschaftspark Nord), Moving Targets (Münster - Gleis 22), Grandbrothers (Bochum - Schauspielhaus), Stephen Malkmus & The Jicks (Duisburg - Landschaftspark Nord) oder PeterLicht  (Dortmund - Schauspielhaus).



    Beste Alben

    Ein Musikgeschmack sollte nicht in Stein gemeißelt sein, Horizonte erweitern sich, Vorlieben verschieben sich, manchmal in Entwicklungen über Jahre hinweg. Dieses Jahr spiegelt sich meine immer schon vorhandene Liebe zu abseitigen, schrägen und oft auch nervend-lärmigen Klängen auch in der Bestenliste für 2019 wieder. Gleich ein Quartett an Alben liegt vorne und ich möchte mich nicht festlegen, welches mir tatsächlich am besten gefällt, auch wenn die Reihenfolge schon eine gewisse Andeutung liefert.






  • Petula - Fuck This Shit


  • Sebastian Cleemann spielte früher bei den unterbewerteten Kate Mosh und macht seit fast zehn Jahren als Petula Musik, die ganz gut in die Schublade Indietronic passt. Mit Fuck This Shit ist ihm sein meiner Meinung nach Meisterwerk gelungen, intime Hymnen für den Club unter der eigenen Bettdecke, in der Tat A Life Well Spent.





  • Lingua Ignota - Caligula


  • Ein fast unerträglicher Brocken, der Katharsis schreit und bietet und an dem du dich als Hörer abarbeiten musst, dich dann aber erschöpft und bewegt zurück lässt.




  • Zonal - Wrecked


  • Justin Broadrick (Godflesh, Jesu) hat sich bei der Hälfte der Stücke Moor Mother mit ins Boot geholt und so ist ein dunkel wummerndes Biest entstanden.




  • A Winged Victory For The Sullen - The Undivided Five


  • Erhaben schwebende Schönheit.




  • Ben Lee – Quarter Century Classix


  • Ben Lee covert die Indieklassiker seiner Jugend (u.a. Fugazi, The Breeders, Sonic Youth, Pavement), alles aus dem Jahre 1994, alles bekannt aus der eigenen musikalischen Sozialisierung. Das (semi-)akustische Gewand steht den zeitlosen Songs.




  • Moor Mother - Analog Fluids of Sonic Black Holes


  • Neben ihrem Mitwirken bei Zonal veröffentlichte Moor Mother auch ein eigenes Album, mehr Poetry als Hip Hop, eine dunkle Schwester Kate Tempests.




  • Kim Gordon - No Home Record


  • Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an.. Kim Gordon, die Königin des Indie-Rock und ehemalige Sonic Youth-Ikone veröffentlicht ihr erstes Soloalbum, zum Teil sehr elektronisch und sehr abwechslungsreich und sehr gut.




  • Holly Herndon - Proto


  • Künstliche Intelligenz ist eines der Themen der Zukunft und Holly Herndon hat den Soundtrack dazu geschaffen, indem sie KI-Software für dieses Album entwickelte und einsetzte und das Ergebnis ist faszinierend.




  • Pharmakon - Devour


  • Lingua Ignota ohne Rock, akustisch mindestens so fordernd,, aber ein kontrolliertes Kunstwerk und daher emotional nicht so aufwühlend, aber dennoch natürlich nur mit Anstrengung konsumierbar.




  • Off With Their Heads - Be Good


  • (Emo-)Punk ist nicht tot, aber Off With Their Heads sind eine der wenigen Bands, die mich da noch begeistern können.




  • Angel-Ho - Death Becomes Her


  • Sie inszeniert sich als glamouröse Diva, aber die teils schrögen Beats führen immer zum Hintereingang als zum Roten Teppich der Stars.




  • Brandt Brauer Frick - Echo


  • Eine gelungene Mischung aus Jazz und Post-Rock und Elektronik.




  • Bersarin Quartett - Methoden und Maschinen


  • siehe Brandt Brauer Frick




  • The Düsseldorf Düsterboys - Nenn mich Musik


  • 2018 waren International Music in meiner Bestenliste, diesmal ist es das Nebenprojekt The Düsseldorf Düsterboys., skurril und spannend zugleich.




  • Lysistrata - Breathe In/Out


  • Noiserock aus Frankreich, sie haben letztes Jahr Die Nerven an die Wand gespielt.




  • Dis Fig - Purgec


  • Es ist das Jahr der interessanten Frauen, die düster-elektronische Musik machen.



  • FKA twigs - Magdalene


  • siehe Dis Fig, die etwas poppigere, massenkompatiblere Variante, ohne im geringsten glatt poliert zu klingen..







  • clipping - There Existed An Addiction To Blood


  • Hip Hop auf dem Sub Pop-Label, das verspricht abgefahrebne Beats und Rhymes gepaart mit Lärm und genau das ist es auch.




  • Meursault - Crow Hill


  • Schottland bleibt mein Andockpunkt für gepflegte Indiemusik, hier sehr opulent.




  • A Mote Of Dust - A Mote Of Dust II


  • Das Abschiedswerk, leider.



  • Sharon Van Etten - Remind Me Tomoroow


  • Schon wieder eine Frau, klassische Indiemusik, aber deutlich besser als die Alben von Angel Olsen oder Better Oblivion Community Center..



  • The Murder Capital - When I Have Fears


  • Irischer Postpunk, aber kantiger als Fontaines DC oder Girl Band und nicht so verkopft wie black midi..



  • Nick Cave & The Bad Seed - Ghosteen


  • Er ist der Großmeister und auch dieses sehr atmosphärische und ruhige Album ist wieder einmal toll, auch wenn es nicht an die Vorgängeralben herankommt.



  • Leitkegel - Wir sind für dich da


  • Wer Titel wie Tocotronic darf niemals siegen hat, macht vieles richtig..



  • Anna Meredith - Fibs


  • Zum Abschluss noch einmal eine Frau (10 von 25 Alben in dieser Liste!), Anna Merediths neues Album kommt zwar an den Vorgänger Varmints nicht ran, ist aber immer noch gut genug für meine Bestenliste.



    Statt eines Ausblicks auf 2020 warne ich euch kurz noch vor den Enttäuschungen von 2019, macht einen Bogen darum, auch wenn euch viele Jahreslisten etwas anderes erzählen: Fortuna Ehrenfeld und Thees Uhlmann, beides textlich und musikalisch leider ganz, ganz schlimm.

    Freitag, 12. Juli 2019

    Halbzeitbilanz - Die derzeit besten Alben 2019


    Welche Alben haben mich in den ersten sechs Monaten des Jahres 2019 begeistert, bewegt, herausgefordert? Hier sind meine 15 Favoriten bislang, ergänzt durch drei Nachzügler aus 2018, die definitiv unter den Top-Alben des letzten Jahres gelandet wären, hätte ich sie zu dem Zeitpunkt bereits gekannt.

    Die Reihenfolge entspricht keiner Rangliste, momentane Favoriten sind allerdings Petula und Meursault. Mal sehen, wer auch am Jahresende in meiner Gunst  ganz vorne dabei sein wird.



    Nachtrag 2018 


    • Amnesia Scanner - Another Life 
    Amnesia Scanner - Another Life

    • Anguish - Anguish
    Anguish - Anguish

    • Daughters - You Won't Get What You Want
    Daughters - You Won't Get What You Want


    Favoriten 1. Hälfte 2019 


    • A Mote Of Dust - A Mote of Dust II
    A Mote Of Dust - A Mote of Dust II

    • Angel-Ho - Death Becomes Her 
    Angel-Ho - Death Becomes Her

    • Brandt Brauer Frick - Echo
    Brandt Brauer Frick - Echo

    • Charly Bliss - Young Enough
    Charly Bliss - Young Enough

    • The Divine Comedy - Office Politics
    The Divine Comedy - Office Politics

    • Holly Herndon - Proto
    Holly Herndon - Proto

    • Laura Stevenson - The Big Freeze
    Laura Stevenson - The Big Freeze

    • Meursault - Crow Hill
    Meursault - Crow Hill

    • Pelican - Nighttime Stories
    Pelican - Nighttime Stories


    • Petula - Fuck This Shit
    Petula - Fuck This Shit


    • Sacred Paws - Run Around The Sun 
    Sacred Paws - Run Around The Sun


    • Sharon Van Etten - Remind Me Tomorrow
    Sharon Van Etten - Remind Me Tomorrow


    • Sunn O))) - Life Metal
    Sunn O))) - Life Metal


    • UNKLE - The Road: Part II / Lost Highway
    UNKLE - The Road: Part II / Lost Highway


    • Westkust - Westkust
    Westkust - Westkust

    Freitag, 8. März 2019

    Meine einflussreichsten Alben


    Bei Facebook läuft gerade wieder so eine Kettenreaktion: 
    Zehn Platten, die meinen Musikgeschmack zu dem gemacht haben, der er heute ist. Eine Platte pro Tag, zehn Tage in Folge. Keine Erklärungen, keine Rezensionen, nur die Cover.

    Ich habe mich entschlossen, daran teilzunehmen, aber auf meine Art, kompakter, ohne Nominierungen und somit nicht auf zehn beschränkt, es sind dann doch ein Dutzend geworden.

    In chronologischer Reihenfolge:


    • Red Guitars - Slow To Fade (1984)
    Red Guitars - Slow To Fade (1984)

    • Thomas Wilbrandt - The Electric V. (1984)
    Thomas Wilbrandt - The Electric V. (1984)

    • The Jesus & Mary Chain - Psychocandy (1985)
    The Jesus & Mary Chain - Psychocandy (1985)

    • Hüsker Dü - Candy Apple Grey (1986)
    Hüsker Dü - Candy Apple Grey (1986)

    • Phillip Boa & The Voodooclub - Aristocracie (1986)
    Phillip Boa & The Voodooclub - Aristocracie (1986)

    • The Triffids - Born Sandy Devotional (1986)
    The Triffids - Born Sandy Devotional (1986)

    • The Go-Betweens - 16 Lovers Lane (1988)
    The Go-Betweens - 16 Lovers Lane (1988)

    • Pixies - Doolittle (1989)
    Pixies - Doolittle (1989)

    • Therapy? - Babyteeth (1991)
    Therapy? - Babyteeth (1991)

    • The Disposable Heroes of Hiphoprisy - Hypocrisy Is the Greatest Luxury (1992)
    The Disposable Heroes of Hiphoprisy - Hypocrisy Is the Greatest Luxury (1992)

    • Tortoise - Millions Now Living Will Never Die (1996)
    Tortoise - Millions Now Living Will Never Die (1996)

    • Aereogramme - A Story In White (2001)
    Aereogramme - A Story In White (2001)


    Sonntag, 13. Januar 2019

    Best Of 2018

    Hier ist der alljährliche Rückblick auf meine besten Konzerte  und Alben des vergangenen Jahres.

    Doch beginnen möchte ich mit dem beeindruckendsten Augenblick, der sich ansonsten in den Top Ten nicht wiederfindet. Peter Murphy und David J waren 2018 auf Europa-Tour und spielten das erste Bauhaus-Album und weitere Klassiker. Der Auftritt in der Bochumer Christuskirche war schon gut, aber nichts gegen die Show gut zwei Wochen später in London.  Fast 5000 Besucher sangen in der Brixton Academy Bela Lugosi's Dead und sorgten im wahrsten Sinnes des Wortes für Gänsehaut.





    Beste Konzerte

    David Byrne




  • David Byrne (Berlin - Tempodrom)


  • Eine perfekte Show, über ein Dutzend Musiker frei beweglich auf einer leeren Bühne, dazu alte Talking Heads-Klassiker und Songs des aktuellen, sehr guten Soloalbums von David Byrne.





  • Low (Duisburg - Landschaftspark Nord)


  • Ein Festivalset zur Hälfte mit Songs des neuen, zu dem Zeitpunkt erst in drei Monaten erscheinenden Platte zu bestreiten, schien gewagt. Aber Low gelang es, die schöne Gebläsehalle im Landschaftspark Nord in eine Kathedrale zu verwandeln.





  • Idles (Düsseldorf - Zakk)


  • Diese Band ist live ein Erlebnis, eine unglaubliche, positive Energie gepaart mit einer gehörigen Portion Wahnsinn, the shape of punk to come.





  • Anna von Hauswolff (Köln - Gebäude 9)


  • Anna von Hauswolff war zuletzt im Vorprogramm der Swans unterwegs und das hört man den neuen Songs an. Veredelt wurde das Konzert vom besten und glasklarsten Sound, den ich je im Gebäude 9 gehört habe.





  • Superchunk (Berlin - Quasimodo)


  • Ihr erstes Deutschland-Konzert seit fast 20 Jahren war eine Schweiß treibende Party und schlug den Londoner Auftritt einige Tage zuvor um Längen..





  • Jamie Stewart (Duisburg - Djäzz)


  • Ob mit seiner Band Xiu Xiu oder solo, Jamie Stewart ist live ein Erlebnis. Auch solo, nur mit Gitarre und dazu sitzend, strahlte er eine manchmal fast schon beängstigende Intensität aus.





  • Out Lines (London - The Islington)


  • Es gab nicht viele Gelegenheiten, das Projekt von The Twilight Sad-Sänger James Graham und Kathryn Joseph mit meinem Lieblingsalbum von 2017 live zu erleben und es war die Reise nach London wert.





  • Grandbrothers (Münster - Petrikirche)


  • Klaviermusik mit Elektronik zu verfremden, darauf stehe ich ja (siehe auch Hauschka oder Martin Kohlstedt), die Grandbrothers haben dabei den elegantesten Flow, der live in einer Kirche besonders gut zur Geltung kam.





  • Jeff Rosenstock / Chris Farren (Köln - Bumann & Sohn)


  • Wer bei Jeff Rosenstock-Konzerten, zumal bestens aufgewärmt durch seinen Antarctigo Vespucci-Kumpel Chris Farren, nicht gute Laune bekommt und tanzt und mitsingt, ist ein schlechter Mensch





  • Young Fathers (London - Brixton Academy)


  • Sie sind gut und sie wissen es und ließen sich für ihre Mischung aus selbstinszenierter Coolness und überschäumenden Spielfreude von der ausverkauften Brixton Academy zu Recht feiern.


    Knapp an den Top Ten vorbei, aber dennoch toll waren z. B. Suuns (Köln - Gebäude 9), Turbostaat (Bonn - Bla), Giant Sand (Oberhausen- Druckluft), Moving Targets (Münster - Gleis 22), Big Sexy Noise (Duisburg - Grammatikoff) oder Lysistrata (Düsseldorf - Bachsaal).



    Beste Alben

    2018 gab es so viele tolle Alben, dass ich in meine Top 20 gleich 25 Platten gepackt habe.
    Einleiten möchte ich die Liste aber mit meinem Video des Jahres und da ging im letzten Jahr nichts über This Is America von Childish Gambino.








  • Low - Double Negative

  • Ich kann mich nicht erinnern, dass eine Band in ihrem 25. Jahr schon einmal so ein Meisterwerk hingelegt hat, das ihrem Stil einerseits treu bleibt, aber dennoch so radikal ihren Sound erweitert.
    Das mit weitem Abstand beste Album des Jahres 2018!





  • Young Fathers - Cocoa Sugar


  • Ein tolles Indie-HipHop-Dance-Techno-Soul-Album, fast so gut wie der Vorgänger White Men Are Black Men Too.





  • Idles - Joy As An Act Of Resistance


  • Ein Colossus von einem Album.





  • Ezra Furman - Transangelic Exodus


  • Leichtfüßiger Indierock, wie er heutzutage kaum noch gemacht wird.





  • Fucked Up – Dose Your Dreams

  • Wieder ein Doppelalbum, wieder ein Konzeptalbum, knüpfen Fucked Up an ihr Meisterwerk David Comes To Life von 2011 an..





  • Suuns - Felt


  • Hypnotisch wie immer.





  • Superchunk - What A Time To Be Alive


  • Ihr politischstes Album bislangund dennoch oder gerade deshalb voller Hits.





  • Karies - Alice


  • Das ist Krautrock 2018, beste deutsche Platte des Jahres.





  • International Music - Die besten Jahre


  • Während musikalisch verwandte Bands wie Die Heiterkeit zu verkopft wirken, zeichnet International Music aus Essen eine Schrulligkeit aus, die sie so viel angenehmer und erträglicher macht.





  • Aidan Moffat & RM Hubbert - Here Lies The Body
  • Aidan Moffat & RM Hubbert - Ghost Stories For Christmas

  • Aidan Moffat sanfte, aber markante Stimme und dazu RM Hubberts virtuoses Gitarrenspiel waren letztes Jahr auf gleich zwei Alben zu genießen..





  • David Byrne - American Utopia


  • Das sehr gute Album zur Tour des Jahres.





  • Tom Adams - Yes, Sleep Well Death


  • Wunderschöne, leicht elektronisch angehauchte Kammermusik.





  • The Body - I Have Fought Against It, But I Can’t Any Longer


  • Der perfekte Soundtrack für deine Albträume





  • Jeff Rosenstock - Post
  • Antarctigo Vespucci – Love In The Time Of E-Mail


  • Ob unter seinem Namen oder mit Chris Farren als Antarctigo Vespucci, Jeff Rosenstock liefert Hits am laufenden Band und verhindert, dass Pop-Punk ein Schimpfwort ist.





  • Miles Kane - Coup De Grace


  • Bekannt wurde Miles Kane mit The Last Shadow Puppets, seinem Projekt mit Alex Turner von den Arctic Monkeys. Doch während die Arctic Monkeys so richtig schlecht und langweilig sind, ist Miles Kanes neues Soloalbum überraschend abwechlungsreich und unterhaltsam.





  • Anna Von Hauswolff - Dead Magic


  • Der Einfluss der Tour mit den Swans ist unüberhörbar.





  • Upper Wilds - Mars


  • Zweites Album des Parts & Labor-Nachfolgers und erneut ein Brett.





  • Gas - Rausch


  • Minimal Ambnient-Techno, nicht tanzbar genug, aber auch nicht atmosphärisch genug, aber gerade deshalb gefällt es mir.





  • Bliss Signal - Bliss Signal

  • Ambient Black Metal Techno, klingt komisch, ist aber so.





  • Kathryn Joseph - From When I Wake The Want Is
  • Speedy Ortiz - Twerp Verse
  • Sam Vance-Law - Homotopia

  • Sam Vance-Law ist ein Crooner, Kathryn Joseph hat eine quäkige Stimme, Speedy Ortiz machen gewöhnlichen Indierock, klingt alles nicht besonders aufregend, aber die drei Alben erfinden alle das jeweilige Genre-Rad nicht neu, machen dennoch Spaß und das durchgehend auf Albumlänge, weshalb sie die top 20-Liste abschließen.


    Was bringt 2019? A Mote Of Dust bringen ihr zweites Album raus, aber gleichzeitig hat Craig B. damit leider seinen Abschied von der Musik angekündigt. Die Tour (bislang steht nur ein Termin in Münster Anfang April fest) wird natürlich ein Pflichttermin.



    Freitag, 2. Februar 2018

    Best Of 2017

    Es ist mal wieder Zeit für einen Rückblick auf meine musikalischen Höhepunkte des vergangenen Jahres 2017. Es ist sogar höchste Zeit, schließlich haben wir bereits Februar 2018. Aber da mein Konzertjahr 2018 noch nicht begonnen hat, iste noch nicht zu spät.

    Letztes Jahr wurde eine Schallmauer durchbrochen, ich besuchte 100 Konzerte, dementsprechend schwierig war es mal wieder, daraus meine Top Ten zusammenzustellen.

    Paisley - Paisley Abbey


    Beste Konzerte

    Max Richter



  • Max Richter (Amsterdam - Het Concertgebouw)


  • Ein fast schon surreales Erlebnis, wenn du nachts um drei Uhr durchs das ehrwürdige Konzerthaus schlenderst und dir Menschen im Schlafanzug begegnen, aber auch musikalisch ein wunderschöner achtstündiger Traum.





  • Nick Cave & The Bad Seeds (Düsseldorf - Mitsubishi Electric Halle)


  • Selbst in einer so großen und hässlichen Halle zieht dich Nick Cave in seinen Bann, so unglaublich intensiv ist er immer noch.





  • Perfume Genius (Köln - Kulturkirche)


  • Wen du wissen willst, was Bühnenpräsenz ist, dann schau dir Perfume Genius an.





  • Frightened Rabbit w/ RSNO (Paisley - Paisley Abbey)


  • Eine 800 Jahre alte Abtei, dazu das Royal Scottish National Orchestra, da konnte nichts schief gehen.





  • Xiu Xiu (Köln - Gewölbe)


  • Jamie Stewart aka Xiu Xiu ist eine Mischung aus Performance-Künstler und "normaler" Musiker, dementsprechend intensiv und kühl zugleich war dieses hervorragende Konzert.





  • Ben Frost (Essen - Maschinenhaus Zeche Carl)


  • Die perfekte Mischung aus Licht und Ton.





  • Wolf Parade (Berlin - Bi Nuu)


  • Auch wenn mich klassischer Indie-Rock auf Platte längst nicht mehr so begeistert wie früher, war dies das Indierock-Konzert des Jahres, mitreißend, Schweiß treibend, sowohl vor als auch auf der Bühne.





  • Amanda Palmer & Edward Ka-Spel (Duisburg - Landschaftspark Nord)


  • Amanda scheibt man mit A wie Ausstrahlung.






  • Kraftwerk (Düsseldorf - Ehrenhof)


  • Mein erstes Kraftwerk-Konzert und ich war mehr als positiv überrascht, vor allem der für ein Open Air unglaublich fette, aber dennoch klare Sound war toll.





  • Friends Of Gas (Bonn - Bla)


  • Eine der besten neuen, deutschen Postpunk-Bands, die live fast so gut klangen wie auf Platte, wobei das "fast" ausnahmsweise kein Makel ist, denn dafür ist die Musik der Münchner einfach viel zu gut.


    Das sind nur die obersten 10%, darüber hinaus gab es noch einige Shows, die es in anderen Jahren locker in meine Top Ten geschafft hätten, z. B. Sophia (London - The Islington & Düsseldorf - Bachsaal), Turbostaat (Dusiburg - Djäzz & Oberhausen - Druckluft), Algiers (Münster - Gleis 22 & Bielefeld - Nr. z.P.), Astronautalis (Münster - Gleis 22 & Dortmund - FZW), Dÿse (Duisburg - Grammatikoff & Osnabrück - Bastard Club) oder Mirrors For Psychic Warfare (Oberhausen - Druckluft).



    Beste Alben

    Auch bei den Alben war 2017 ein unglaublich dichtes Jahr, daher hab ich lieber meine Top 20 aufgeführt und dafür die Kategorie "Beste Songs" ausgelassen, die besten Lieder finden sich eh auf den besten Platten wieder.





  • Out Lines - Conflats


  • James Graham, die Gänsehautstimme von The Twilight Sad, und die Folk-Sängerin Kathryn Joseph ergänzen sich kongenial





  • Aereogramme - My Heart Has A Wish That You Would Not Go-10th Anniversary Edition


  • Zehn Jahre ist es nun schon her, dass sich meine Lieblingsband aufgelöst hat und zum Jubiläum hat Iain Cook das finale Album remastered und es hört sich noch besser an. Als quasi Wiederveröffentlichung läuft es außer Konkurrenz, ist aber auch konkurrenzlos gut.





  • EMA - Exile In The Outer Ring


  • Eine düstere Bestandsaufnahme mit dem heutigen Amerika.





  • Perfume Genius - No Shape


  • Sein vielleicht bislang bestes Album, Theatralik und Drama galore.





  • Upper Wilds - Guitar Module 2017


  • Parts & Labor gibt es schon länger nicht mehr, aber nun macht Dan Friel genau da weiter, wo seine alte Band vor sechs Jahren aufhörte.





  • Xiu Xiu - Forget


  • Mal wieder ein "normales" Album, keine Homage wie Plays The Music Of Twin Peaks, kein experimenteller Krach, sondern richtige Songs, aber natürlich schräg und dennoch schön.





  • Laibach - Also Sprach Zarathustra


  • Nietzsche vertont in einem düsteren, teils brachialen Industrial-Gewand, so gut klangen Laibach schon lange nicht mehr.





  • Algiers - The Underside Of Power


  • Algiers halten das sehr hohe Niveau ihres Debütalbums auch auf ihrem Zweitling..





  • Grandbrothers - Open


  • Klaviermusik mit elektronischen Effekten aufgepeppt, das klingt spannender und interessanter und abwechslungsreicher, als es sich liest.





  • Ben Frost - The Centre Cannot Hold


  • Zwar nicht so überragend wie Aurora, aber das klingt immer noch verstörend und dabei schön genug, wäre eigentlich der ideale Soundtrack für Blade Runner 20149 gewesen.




  • Mogwai - Every Country's Sun


  • Die Glasgower verfeinern und perfektionieren ihren Sound immer weiter, zwar mit weniger Gitarrenwänden als früher, aber dafür mit Landschafts-Lautmalerei in Cinemascope.





  • Kettcar - Ich vs. Wir


  • Das vielleicht nicht beste, aber wichtigste deutschsprachige Album des Jahres mit dem definitiv besten und wichtigsten deutschsprachigen Song der letzten Jahre: Sommer '89 (Er schnitt Löcher in den Zaun).




  • Hauschka - What If


  • siehe Grandbrothers





  • Wolf Parade - Cry Cry Cry


  • Nach sieben Jahren ein neues Album, klassischer Indierock mit mehr Energie als die ganzen Jungspunde.




  • Call Me Mary - Spat Out, Still Hungry


  • Support your local.scene, aber Call Me Mary stehen in dieser Liste nicht, weil sie aus Dortmund kommen, sondern weil sie einfach gut sind.





  • Idles - Brutalism


  • Der Titel ist Programm, eine Dampfwalze von einem Album.




  • EA 80 - Definitiv: Ja!


  • Nach gut sechs Jahren endlich der Nachfolger zu Definitiv: Nein! und auch nach über 35 Jahren Bandgeschichte schaffen sie es immer noch, dass ich mich auf neue Musik von ihnen freue.





  • Blanck Mass - World Eater


  • Ein fettes Album im Stile von Health, zu rockig, um es Big Beat zu nennen, zu elektronisch, um es Rock zu nennen.




  • Do Make Say Think - Stubborn Persistent Illusions


  • Das beste Post-Rock-Album des Jahres





  • Lemuria - Recreational Hate


  • Gute-Laune-Musik, nicht mehr, nicht weniger.



    Als wäre eine top 20 nicht umfangreich genug, gibt es aber noch mehr Alben aus dem letzten Jahr, die eine Erwähnung und ein Anhören verdienen, z. B. Max Richter - Three Worlds: Music from Woolf Works, Vagabon - Infinite Worlds, Post War Glamour Girls - Swan Songs, The Afghan Whigs - In Spades, Amanda Palmer & Edward Ka-Spel – I Can Spin A Rainbow, Roger Waters - Is This The Life We Really Want, Dale Cooper Quartet & The Dictaphones - Astrild Astrild, LCD Soundsystem - American Dream, Lea Porcelain - Hymns To The Night, Waxahatchee - Out In The Storm, Dälek - Endangered Philosophies, Belgrad - Belgrad, Phoebe Bridgers - Stranger In The Alps, Arcane Roots - Melancholia Hymns, Fjort - Couleur und Bdy_Prts - Fly Invisible Hero

    Worauf freue ich mich 2018? An Neujahr erschien bereits ein neues, wieder sehr gutes Album von Jeff Rosenstock, ich erwarte außerdem viel von Listener, Suuns und Superchunk.
    Konzerttechnisch freue ich mich jetzt schon auf Out Lines (Mitte Februar in London) und Superchunk (endlich mal wieder in Deutschland, Anfang Juni in Berlin).