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Freitag, 18. April 2014

Thurston Moore

Thurston Moore w/ Steve Shelley & Jason Sedwards

31.03.14 King Georg, Köln

Sonic Youth gibt es ja bekanntlich nicht mehr mit dem Effekt, dass die eh sehr aktiven einzelnen Mitglieder nun noch mehr Zeit für ihre persönlichen Vorlieben haben. Kim Gordon jammt als Body/Head rum, Lee Ranaldo solo als Lee Ranaldo And The Dust, Steve Shelley spielt in Disappears und saß erst neulich am Schlagzeug auf der Europatour von Howe Gelb (Giant Sand) und Thurston Moore hat eine neue Band namens Chelsea Light Moving.
Moore und Shelley spielten dann noch eine Handvoll Konzerte in Europa als Trio mit Jason Sedwards von Chrome Hoof an der Gitarre. Deutschland stand dabei immerhin gleich zweimal im Kalender, nämlich an zwei Abenden im King Georg in Köln, von denen ich mir den ersten ausgesucht hatte.

Thurston Moore

Wie zu erwarten war, herrschte im King Georg kuscheliges Gedrängel und kurz vor neun bahnten sich die drei Musiker ihren Weg zu ihren Instrumenten unter dem Kronleuchter (Bühne kann man das ja eigentlich nicht nennen).
Direkt im ersten Song riss Thurston Moore eine Gitarrensaite, also wuselte er erneut durch die Leute, um eine neue aufzuziehen. Währenddessen jammten Shelley und Sedwards entspannt vor sich hin, bis Moore nach ca. fünf Minuten wieder da war und das Set nun richtig beginnen konnte. Im Vorfeld konnte natürlich spekuliert werden, wie denn die Setlist des Abends aussehen würde, eventuell songs von Chelsea Light Moving, Moores Soloalben oder doch gar etwas von Sonic Youth? Nun, wenn ich auch nicht der intimste Kenner des Gesamtwerks bin, konnte ich doch mit Sicherheit kein einziges Stück identifizieren, nur ein Song wurde von ihm angesagt und das war ein vollkommen neuer mit dem Titel Germs Burn und ein ziemlicher Knaller. Überhaupt war es ein recht raues, indierockiges Set, das zwischendurch dann mal in wildes Gitarrengelärme ausuferte, aber dabei dennoch kompakt genug blieb und natürlich von dem Moore-typischen Gitarrensound lebte.

Thurston Moore w/ Steve Shelley & Jason Sedwards

Da Konzerte im King Georg eigentlich um 22 Uhr beendet sein müssen, ging das Trio denn auch nach nicht ganz einer Stunde von der "Bühne", kämpfte sich aber noch für eine Zugabe zurück. Thurston Moore wartete dabei geduldig, bis auch der letzte, der die Pause zum schnellen Gang aufs Klo oder an die Theke genutzt hatte, wieder auf seinem Platz war, da wegen die Leute wegen der Enge quasi über die Bühne gehen mussten. Die Zugabe selber endete dann in einer wilden Spielerei mit dem Interieur, Moore benutzte den Kronleuchter als Plektron.

Thurston Moore

Es war ein vielleicht auch wegen seiner Kürze ein sehr gelungener Auftritt. Augenzeugen des zweiten Abends berichteten mir, dass das Set identisch war, diesmal aber der Kronleuchter verschont blieb, Moore dafür etwas gesprächiger war, die Songs selber aber nicht ganz so harsch und roh dargeboten wurden.

Montag, 5. Dezember 2011

Thurston Moore

Thurston Moore / Tall Firs

04.12.11 UFA Filmpalast, Köln

Zum ersten Mal fand in Köln am ersten Dezember-Wochenende das Week-End Festival statt. An drei Tagen gab es im altehrwürdigen UFA Filmpalast auf dem Hohenzollernring Musik und Filme zu sehen und zu hören. Den sonntäglichen Abschluss bildete ein Auftritt der Sonic Youth-Legende Thurston Moore, der gerade durch Europa tourt, um sein Soloalbum.Demolished Thoughts vorzustellen.
Das Vorprogramm bestritt das New Yorker Duo Tall Firs, dessen eine Hälfte Aaron Mullan seit Jahren für den Livesound von Sonic Youth verantwortlich ist. Die Stücke erinnerten an ruhige Yo La Tengo-Songs, wobei das Zusammenspiel der zwei Gitarren beeindruckte, die sich ständig in Rhythmus- und Lead-Arbeit abwechselten und so wie im Dialog wirkten. Bei drei Stücken wurden sie von Thurston Moores Schlagzeuger unterstützt, was den Liedern leider nicht gut tat, da die Drums wie ein Fremdkörper in diesem intimen Gespräch der Saiteninstrumente wirkten.

Thurston Moore
Nach einer etwas längeren Dankesrede der Festival-Veranstalter begann Moore dann gegen 21:15. Als Begleitband hatte er eine Geigerin, eine Harfenistin, besagten Drummer und einen weiteren Gitarristen dabei, der wie er nur auf einer akustischen Klampfe spielte. Das Set bestand ausschließlich aus Stücken seiner drei Soloalben und wirkte so, wie man sich einen Unplugged-Auftritt von Sonic Youth vorstellen würde. Moore ließ seine Gitarre dank diverser Effektgeräte auch mal elektrifiziert klingen, so dass es zusammen mit den beeindruckenden Effekten, die Mary Lattimore aus ihrer Harfe hervorzauberte, bei Circulation und Orchard Street auch minutenlange Noise-Passagen gab.


Wie es ja eigentlich nicht anders zu erwarten ist, klingen Moores Lieder immer von der Melodieführung her nach Sonic Youth. Wirken sie auf Platte durch die akustische Instrumentierung manchmal für mich etwas arg zahm, so entfalteten sie live doch deutlich mehr Ecken und Kanten und es gab immer wieder spannende Momente zu bestaunen. Nach einer kleinen Lobrede auf die Riesenbratwurst vom Weihnachtsmarkt als Einleitung zu Psychic Hearts ging Thurston Moore samt Band nach gut 65 Minuten das erste Mal von der Bühne.


Doch es sollten noch zwei Zugaben folgen, ehe mit Staring Statues zum Abschluss noch einmal richtig gerockt wurde.
Es waren sehr kurzweilige 80 Minuten, die aber auch gerade in den lauteren Passagen den Wunsch weckten, dass die momentane Pause Sonic Youths nur eine vorübergehende ist, denn so großartig Thurston Moore mit seiner Band auch klang, das richtige Feedback elektrischer Gitarren konnte er nicht ersetzen.