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Sonntag, 1. Juni 2014

Iron Chic

Iron Chic / No Weather Talks

15.05.14 Sputnihalle, Münster

Auf Yo-Yo Records, dem deutschen Plattenlabel von Iron Chic, kann man sich verlassen. Auf einen Tourstopp im Aetherblissement in Köln folgt meistens ein Konzert in Münster, so dass nicht nur die Band keine lange Fahrtzeit von Auftritt zu auftritt hat, sondern auch jemand aus Dortmund, die Band gleich zweimal sehen kann und zudem noch diesmal an einem Ort mit richtiger Bühne.

No Weather Talks

Das Café Sputnik ist zwar etwas kleiner als die Sputnikhalle, aber immer noch bedeutend geräumiger als das Aetherblissement und verfügt über eine normale Bühne, die nicht nur eine Treppenstufe höher liegt als der Rest des Raumes. Diese luftigen Höhen erklommen zunächst No Weather Talks und machten ihre Sache richtig gut. Druckvoller Punkrock mit kräftigem weiblichem Gesang und auch genug Energie auf der Bühne und nicht nur schüchternes Bodenbetrachten. Einziges Manko, die Songs waren fast alle im gleichen Tempo, so dass eine gewisse Abwechslung fehlte. aber der Auftritt war kurz und knackig genug, um keine Langeweile aufkommen zu lassen.

Iron Chic

Bei Iron Chic war der Laden dann auch gut gefüllt, ohne dass schwitzige Enge entstand, letztlich sicherlich mehr Zuschauer als im winzigen Aetherblissement den Abend zuvor. Dadurch blieb genug Platz für jeden, aber es fehlte etwas diese konzentrierte Energie, die einfach jeden mitreißt und die auch die Band durchaus zu mögen scheint, denn auch wenn man bei den Auftritten in Köln manchmal den Eindruck bekommen konnte, dass Sänger Jason sich fast etwas erdrückt fühlte von der Nähe des Publikums, so suchte er doch immer wieder auch dessen Nähe.


Das soll aber nicht heißen, dass die Münsteraner reserviert waren, auch sie sangen mit und tanzen, es war nur nicht der ganze Laden wie in Köln.
Die Setlist blieb unverändert, genauso wie die Nachfrage nach verdampfenden Rauschmitteln durch Gitarrist Robert. Zudem wirkten sie fast etwas wacher, möglicherweise die Folgen eines Zuckerschocks, denn auf dem Weg von Köln nach Münster hatten sie einen Zwischenhalt bei Haribo in Solingen gemacht.


Letztlich war das Kölner Konzert eine Spur besser als dieses, denn die Qualität der Goldbären auf der Bühne hängt eindeutig auch von der Begeisterung davor ab und da war Köln nicht zu toppen, was natürlich zu erwarten war. Nichtsdestotrotz war aber auch Münster ein gutes Konzert, so dass ich es natürlich nicht bereute Iron Chic zweimal innerhalb von 24 Stunden gesehen zu haben.

Iron Chic

Iron Chic / Sleep Kit / And Now Run

14.05.14 Aetherblissement, Köln

Zum dritten Mal waren Iron Chic in Deutschland auf Tour, zum dritten Mal in Folge spielten sie im kleinen Aetherblissement um die Ecke vom Sonic Ballroom und zum dritten Mal war es ausverkauft. Doch zunächst galt es, zwei Vorgruppen zu überstehen.
Erst prügelten sich And Now Run durch ihr Hardcore-Set, danach schrammelten Sleep Kit jeweils eine gute knappe halbe Stunde vor sich hin, ohne wirklich zu überzeugen, aber auch ohne richtig zu nerven.

Iron Chic

Dann wurde es langsam kuschelig eng vor der kleinen Bühne, denn Iron Chic waren an der Reihe. Im letzten Jahr waren sie ja noch vor Erscheinen des neuen aktuellen Albums The Constant One hier gewesen, da sollten nun ja mal mehr Songs davon auf der Setlist auftauchen. Doch los legten sie mit DEM Mitgröhlhit Cutesy Monster Man von der Not Like This, einem dieser berühmten Lieder für die einsame Insel. Dabei hätte es gar nicht eines solchen Knallers zum Auftakt bedurft, denn das Kölner Publikum erwies sich in der folgenden Dreiviertelstunde eh als vollkommen textsicher und bewegungshungrig und ging wieder bei jedem Song, egal ob alt oder neu, mit vollem Einsatz und zum Teil richtig akrobatisch mit.

Iron Chic

Wie immer wirkte Sänger Jason Lubrano, als ob er jeden Moment zusammenbrechen würde. Das konnte aber auch andere Ursachen als Erschöpfung haben, denn Gitarrist Robert fragte bestimmt nicht umsonst nach etwas zu rauchen.
Im Set regierte zwar immer noch das Material von Not Like This, aber immerhin fünf Stücke von The Constant One wurden auch gespielt, die Setlist dabei gut durchgemischt, wobei sie erneut Spooky Action From A Distance, die Vorabsingle und meinen Liebling, außen vor ließen. Und so wie sie den Abend mit einer Mitgröhlhymne eröffnet hatten, beendeten sie ihn auch, nämlich mit Time Keeps On Slipping Into The (Cosmic) Future. Eine Zugabe gab es danach dann auch noch, so dass der Auftritt erst nach Rekord verdächtigen 51 Minuten beendet war.

Iron Chic

Auch wenn The Constant One sicher nicht die Hitdichte wie der Vorgänger hat, war es dennoch schön, einige Songs daraus endlich mal live hören zu dürfen und Iron Chic im Aetherblissement war das erwartet gute Heimspiel.


Setlist:
Cutesy Monster Man
Wolf Dix Rd.
Timecop
Prototypes
I Always Never Said That
Know What I Mean, Jellybean?
(Castle) Numbskull
Every Town Has An Elm Street
A Serious House On Serious Earth
Don't Drive Angry
In One Ear
Steel Wall Method
Time Keeps On Slipping Into The (Cosmic) Future
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Black Friday

Montag, 6. Mai 2013

Iron Chic

Iron Chic / Ghost Mice / underparts

04.05.13 Café Lorenz, Münster

Kann man unvergessliche Abende wiederholen? Es war ein sonniger Mai-Abend vor zwei Jahren in Köln,, als Iron Chic das kleine Aetherblissement in einem Schweiß getränkte Sauna der guten Laune verwandelten. Zwei Jahre später haben sie eine neue Single namens Spooky Action veröffentlicht (wie alles von ihnen digital zum Preis deiner Wahl über ihre Bandcamp-Seite zu beziehen) und waren wieder auf Tour.
Sie spielten erneut im Aetherblissement, aber das Konzert war Wochen im voraus bereits ausverkauft und ich war zudem fußballtechnisch verhindert, so dass diesmal die Reise ins Café Lorenz nach Münster führte, übrigens ebenfalls im Vorfeld schon ausverkauft.
Die Sonne lud uns zum Verweilen auf den Holzbänken vor dem Jugendzentrum ein, so dass von den Vorgruppen underparts und Ghost Mice nur kurze Fragmente beim Bier holen vernommen wurden, die uns nicht so recht vor die Bühne locken wollten.

Iron Chic

Um kurz vor halb elf hatten sich dann alle vor der Bühne versammelt und ihre Stimmbänder gut geölt, um von Anfang bis zum Ende alles, aber auch wirklich alles voller Inbrunst mitzusingen. Mit dem Opener Every Town Has An Elm Street gings los und das Energieniveau wurde mühelos hoch gehalten, die einzige Verschnaufpause bot Climate Is What We Expect, Weather Is What We Get.



Immer wieder bildeten sich kleine Menschentrauben um Sänger Jason Lubrano, sobald er etwas zu nahe an Bühnenrand kam, einmal wurde er in den Strudel vor der Bühne hinab gezogen, konnte aber wieder auftauchen.
Auf der Bühne stand ein kleines Mädchen namens Lily mit großem Gehörschutz und schaute sichtbar interessiert dem Treiben zu, keine Ahnung, zu wem sie gehörte, es wurde aber nach dem Konzert noch schnell ein Erinnerungsfoto mit der ganzen Band gemacht.

Iron Chic

Mach gut 35 Minuten war Schluss, doch die Band ließ sich noch zu einer Zugabe überreden und spielte Cry-Baby, ein Lied von ihrem ersten Demo. Die Menge hätte zwar gerne noch mehr gehört, doch es war Schluss, da die Band schon mittags in Trier beim Ex-Fest einen Gig gespielt hatte und direkt danach nach Münster gefahren war, also auch zu Recht vollkommen platt war.


War es also ein ebenso unvergesslicher Abend wie in Köln? Nun, etwas zu meckern findet man immer. Ich hätte gerne Spooky Action At A Distance von der neuen EP gehört, für mich eines der besten Lieder, die sie je geschrieben haben. Aber das war ein Luxusproblem, das auch den anderen großartigen Songs, die auf der Setlist waren, nicht  gerecht würde. Und auch wenn das Café Lorenz nicht diese intime Enge des Aetherblissements hat, war es dennoch wieder ein großartiges Konzert. Dem dürften auch selbst die Handvoll Landeier, die geradezu penetrant eine zweite Zugabe forderten und sich über die ihrer Meinung zu kurze Spielzeit meckerten, zustimmen.


Iron Chic verströmen einfach eine so unglaublich positive Energie und das allein mit ihrer Musik. Die Bühnenpräsenz ist nichts Besonderes und vor allem Sänger Jason wirkt so introvertiert, dass er manchmal auf der Bühne fehl am Platze zu sein scheint. Vor dem Auftritt striff er mehrmals draußen herum , rauchte sich eine Zigarette und wirkte dabei verloren, als ob er nicht wüsste, wo er ist und was er hier macht. aber mit dem Mikrofon am Mund scheint er sein Ausdrucksmittel gefunden zu haben, wird zum Cutesy Monster Man:

I sold my soul
Now I age but don't get old
And to this day it's the best deal I ever made
All the things I could never say
Will come spraying out of my face
Through my broken teeth
The best and worst of me

Iron Chic und Lily

Daher war es wieder ein unvergesslicher Abend, denn diese Band schaffte es wieder einmal mühelos, mit ihrer Musik direkt ins Herz zu treffen, klingt kitschig, ist aber so.

Sonntag, 22. Mai 2011

Iron Chic

Iron Chic / Bangers / underparts / PhDecontrol

20.05.11 Aetherblissement, Köln

Dieser Abend lässt sich mit drei Worten zusammenfassen...Hot Water Music.
Letztes Jahr begeisterten RVIVR im Aetherblissement und ich dachte damals schon, hier sollten mal Iron Chic spielen, denn die ebenfalls aus der Asche der großartigen Latterman entstandene Band hatte gerade ihr hervorragendes Debütalbum Not Like This veröffentlicht und sich sofort in meinen Gehörgängen festgesetzt.
Nun war es soweit und das Aetherblissement seit Wochen bereits ausverkauft. Da ich doch noch von dem 93-Minuten-Krimi im Borussia-Park am Abend zuvor leicht angemüdet war, wurden PhDecontrol, die kurz nach neun als erstes spielten, nur kurz optisch, anschließend rein akustisch vor der Tür verfolgt, denn in der angenehmen Abendsonne ließ es sich beim Bierchen und einer Zigarette einfach besser aushalten, zumal diesmal im Konzertraum angesichts der zu erwartenden dicken Luft vernünftigerweise Nichtrauchgebot herrschte. Die netten Leute vom Aetherblissement sind einfach zu freundlich, um Verbote auszusprechen, sondern haben nur drum gebeten und die ebenfalls sehr netten Freunde guter Punkmusik hielten sich auch dran.
Zu den Kölnern underparts ging es dann doch vor die Bühne. Der Deny Everything-Ableger überzeugte, wenn auch oder gerade weil ihre Songs nicht ganz so hardcore-punkig daher polterten, sondern zwar im Uptempo-Bereich, aber angenehm schrammelig daherkamen und zudem ein Sänger sich die Seele aus dem Leib sang, so dass er sich nach dem Auftritt erst einmal erschöpft auf der Bühne hinlegte.

underparts
Danach stieg dann auch meine Vorfreude, denn die Bangers aus dem verschlafenen Städtchen Falmouth in Cornwall machen typischen britischen Punkrock, wie ihn eigentlich nur Leatherface perfekter hinkriegen. Ihr erstes richtiges Album Small Pleasures ist gerade erschienen, wirkt manchmal etwas zu zahm, doch live legte das Trio eine Schippe drauf und erinnerte mich oft an die mittlerweile leider ziemlich auf Eis liegenden Milloy. Den Leuten gefiel es, mir auch und auch die Band hatte offenbar Spaß an ihrem Auftritt.

Bangers
Inzwischen war es schon nach elf und die Temperaturen im Aetherblissement ließen mich innerlich bereits nach einem frischen Aufguss verlangen. Ich war gespannt, ob Iron Chic den sehr hohen Erwartungen, nicht nur von meiner Seite, würden gerecht werden können, hier mal eben ein Konzert des Jahres zu spielen, doch nach nur wenigen Akkorden waren alle Befürchtungen weggeblasen, denn sofort brach im proppevollen Club die Hölle los.Die ersten Reihen drängten immer wieder zu Sänger Jason Lubrano, gröhlten die aber auch einfach zum Mitsingen animierenden Texte mit. Der wirkte zwischendurch zwar manchmal etwas irritiert und auch leicht verstört wie ein Rottweiler-Welpen, als er zum Beispiel einfach mal geschultert und durchs Publikum getragen wurde, aber die anderen jungen Hunde wollten halt einfach mit ihm spielen und er ließ es stoisch über sich ergehen. Nur nach Cutesy Monster Man konnte er sich einen Kommentar nicht verkneifen: "This is fuckin' officially the most bad shit crazy show..." Und da hatte er vollkommen Recht: Sombreros flogen durch den Raum, Leute hingen singend kopfüber von der Decke, mussten immer wieder bei all dem Gewusel auf die kleine Bühne ausweichen, wo der Rest der Band auch offensichtlich Spaß hatte und einfach nur versuchte, nicht zu sehr im Weg zu stehen. Die Boxen drohten mehr als einmal einfach umzukippen und der Mann am Mischpult an der Treppe zum Backstageraum war mehrmals einem Herzinfarkt nahe, aber dies alles geschah in so ausgelassener und positiver Atmosphäre, dass man vor Begeisterung nicht wusste, wohin mit dem zufriedenen Grinsen im Gesicht und einfach mitmachen musste.
Dementsprechend war die Luft sehr schnell endgültig zum Schneiden und der Schweiß floss in Strömen, so dass man wirklich von Hot Water Music als Motto des Abends sprechen konnte, zumal ja auch musikalisch da eine große Nähe besteht, wenn man Songs wie Black Friday nimmt. Da erinnerte wirklich vieles an die frühen Touren der Großmeister aus Gainesville.
Musikalisch wurden natürlich hauptsächlich die Songs von Not Like This geboten, das eine oder andere ältere  Stück wie (I Never Get) Winded von der Shitty Rambo EP kam auch dran. Nach knapp vierzig Minuten und Time Keeps On Slipping Into The (Cosmic) Future war eigentlich Schluss, aber für eine Zugabe in Form von Cry-Baby vom ersten Demo reichte es dann noch und zum Anwärter auf den Titel "Konzert des Jahres" natürlich auch.

Iron Chic
Wer sich mal anschauen möchte, ob ich nicht maßlos übertreibe und verstehen will, warum ich seit Freitag einfach immer wieder mal laut "I want to smash my face into that goddamn radio..." ausrufen möchte, dem seien die Videos empfohlen, die Marc gemacht hat.