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Sonntag, 28. April 2013

Paws

Paws / This April Scenery

22.04.13 Zakk, Düsseldorf

Erinnert sich jemand an die Band Cable? Ihr grandioses Debütalbum Down-Lift The Up-Trodden lebte von dem treibenden Schlagzeugspiel Neil Coopers (jetzt bei Therapy?) und kam mir wieder bei manchen Stücken auf Cokefloat, der aktuellen CD der Glasgower Band Paws, in den Sinn. Bevor das Album erschien, waren die drei Schotten letztes Jahr im September im Vorprogramm der Japandroids zum ersten Mal in Deutschland unterwegs gewesen und hatten mich überzeugt, vor allem durch ihr Tier am Schlagzeug. Nun waren sie das erste Mal als Headliner unterwegs und spielten im kleinen Club des Zakk.

Preisliste Paws (kein politisches Statement, sondern ein Versehen)

Scheinbar rechnete man nicht mit sehr vielen Besuchern, denn nicht einmal die Theke war besetzt und so musste man sich für Getränke auf den Weg durch die leere, große Halle in die Kneipe machen. So hatte man allerdings eine gute Ausrede, nicht zu viel vom Set der Düsseldorfer Vorgruppe This April Scenery mitzubekommen. Deren klassischer Emo-Rock mit rhythmischen Bloc Party-Bröckchen klang nicht schlecht, allerdings passte die Stimme des Sängers für meinen Geschmack nicht so recht da rein und hatte einen auf Dauer nervenden Klang.


Da gefiel der leicht scheppernde Sound der Paws deutlich besser, auch wenn sie auf dem Album im Vergleich zu den EPs davor deutlich ruhiger, Sixties-poppiger klingen. Doch das wurde durch den rauen Live-Auftritt wett gemacht, denn da schimmerten immer wieder die punkigen Wurzeln durch. Und vor allem dem Drummer war eine Schau für sich, denn er spielte mit vollem Körpereinsatz, schien immer wieder von seinem Hocker abzuheben, um mit voller Wucht auf die Felle einzudreschen. Kein Wunder, dass vor der Bassdrum ein dicker Backstein lag, sonst hätte er sein Instrument wohl quer durch den Raum geprügelt.

Paws

Das nicht besonders volle Zakk brauchte auch etwas um aufzutauen, bekam aber gerade noch rechtzeitig zur Zugabe noch einen kleinen Moshpit hin, was dann die Schotten sogar dazu bewegte, sogar noch ein zweites Mal auf die Bühne zurückzukehren, ehe dann nach einer guten Stunde endgültig Schluss war.
Cable kamen übrigens mit ihren späteren Alben nie wieder an ihren Erstling heran, auch weil Neil Cooper da schon nicht mehr in der Band war. Paws sollten ihren Schlagzeuger daher unbedingt behalten.


Dienstag, 25. September 2012

Japandroids

Japandroids / Paws

22.09.12 Gleis 22, Münster

Muss eine Band, die bislang eines der besten Alben des Jahres veröffentlicht hat und die einen zudem live schon begeistert hat, nicht zwangsläufig das Konzert des Jahres spielen? Nur, wenn zwangsläufig im Pokal die unterklassigen Vereine immer gegen Erstligisten ausscheiden.
Dennoch hatte ich sehr hohe Erwartungen an den Auftritt der Japandroids im Gleis 22, denn Celebration Rock ist für mich das perfekte Rock-Album des Jahres, deutlich kompakter und auf den Punkt als der Vorgänger Post-Nothing.
Dementsprechend war das Gleis auch ausverkauft und wartete mit einer Premiere für mich auf. Vor der Bühne stand auf einmal ein Absperrgitter, wie man es sonst nur von größeren Hallen kennt.Befürchtete man so eine wilde Party, dass die Leute auf die Bühne purzeln könnten? Derartige Konzerte gab es im Gleis schon öfter, ich erinnere mich hier gerne an wilde Shows der New Bomb Turks oder von Gluecifer, wo aber letztlich auch ohne Barriere die Bühne halbwegs für die Musiker begehbar blieb.

Paws
Bei der Vorgruppe Paws aus Glasgow war die Absperrung jedenfalls noch nicht nötig, damit machten die drei Schotten ordentlich Dampf. Bislang haben sie erst ein paar EPs veröffentlicht. doch das erste Album wird nächsten Monat erscheinen. Bei ihrem allerersten Deutschland-Konzert stellten sie bereits ein paar Songs daraus vor. Musikalisch klangen deutlich amerikanische Bands aus den Anfängen der 90er durch, Pixies, auch Guided By Voices, wie es ansatzweise durch die Cloud Nothings wieder in Mode gekommen ist, alles aber gerne auch mal mit Turbo eingespielt. Hierbei tat sich vor allem der Schlagzeuger hervor, der vor allem bei den schnellen Songs wie Misled Youth geradezu explodierte, um danach kurz vor dem Kollaps über seinem Drumkit zusammenzubrechen, dies einer Erkältung geschuldet. Vor allem die punkigen Momente überzeugten und machten Lust auf mehr.


Danach wurde es dann vor der Bühne immer voller, alles erwartete den Auftritt des kanadischen Duos Japandroids. Der Vorhang öffnete sich und Gitarrist kündigte das erste Lied The Boys Are Leaving Town als Aufwärmnummer an, da die Band erst recht spät am Gleis angekommen sei, da sie im Stau auf dem Weg von Hamburg nach Münster aufgehalten worden sei und daher noch ein wenig am Live-Sound feilen müsse.
Mit Adrenaline Nightshift folgte gleich der erste Kracher von Celebration Rock und ins Publikum kam Bewegung. Parallel dazu meldete meine Kamera vollen Speicher, da ich meine Speicherkarte zu Hause gelassen hatte und der interne Speicher bereits gefüllt war mit dem Paws-Video.
Einen gröberen Patzer fast in Guttenberg-Tradition leistete sich aber Sänger Brian, als er das älteste Stück des Abends von No Singles ansagte, als sei es ihr eigener Song, handelte es sich aber dabei jedoch um das Cover To Hell With Good Intentions von Mclusky. Zur Strafe kam die Version auch nicht an das Original ran. In der Folge wechselten sich Stücke von Post-Nothing mit den neuen Songs munter ab, immer nur unterbrochen von Stimm-Einlagen, wozu Brian meinte, dass man eine gute Rockshow daran erkennen könne, wie oft nachgestimmt werden muss, denn daran könnte man erkennen, wie hart der Musiker arbeite.
Dadurch wirkte das Set leider etwas zerfasert und erst zum Ende hin kam deutlich mehr Stringenz rein, da hier auch die Übergänge von neu zu alt mit The House That Heaven Built und Crazy/Forever und Sovereignty besser passten. Doch wie auf Platte war live der Höhepunkt das langsamste Stück Continuous Thunder, vor dem Brian auch noch einmal extra darauf hinwies, dass dies auch sein Liebling sei. Trotz des geringeren Tempos wurde hier deutlich, über welche Energie dieses Duo verfügt und ähnliche Acts wie die auch sehr guten Two Gallants jederzeit an die Wand spielen kann.
Das Gun Club-Cover For The Love Of Ivy mit ausuferndem Finale beendete dann nach gut 80 Minuten den zugabenlosen Auftritt.

Japandroids

Die Japandroids spielten somit zwar ein richtig gutes Konzert, aber eben nicht das Highlight des Jahres. Dafür war die Show für meinen Geschmack zu lang, so komisch es auch klingen mag. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau wie bei den Bayern, wenn sie ihrer Favoritenrolle nicht gerecht und mal wieder nur Zweiter werden.

Setlist:
The Boys Are Leaving Town
Adrenaline Nightshift
Fire's Highway
To Hell With Good Intentions
Heart Sweats
Younger Us
Rockers East Vancouver
The Night Of Wine And Roses
Evil's Sway
Wet Hair
The House That Heaven Built
Crazy/Forever
Sovereignty
Continuous Thunder
Young Hearts Spark Fire
For The Love Of Ivy