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Freitag, 13. Juni 2014

Small Beast w/ Les Colettes & Joseph Keckler

Small Beast

w/ Les Colettes / Joseph Keckler / Paul Wallfisch

31.05.14 Schauspielhaus, Dortmund

Das letzte Small Beast vor der Sommerpause war namentlich eines der schwächeren in dieser Spielzeit, denn Les Colettes hatte ich bereits bei meinem allerersten Small Beast gehört und Joseph Keckler, ein Bariton aus New York, sagte mir überhaupt nichts. Aber als Gewohnheitstiere waren wir natürlich da, diesmal im Studio und nicht im kleineren Institut.

Paul Wallfisch

Das Motto der heutigen Einleitung von Paul Wallfisch schienen Wiederholungen zu sein. Wie im letzten Monat kroch er auf allen Vieren ins Studio und erklärte noch einmal die Geschichte seines Freundes Robbie Leaver und seines Projekts, den Broadway entlang zu kriechen, ehe er dessen Song spielte, den er bereits letztes Mal vorgestellt hatte.
Dabei gab Paul dann einen kurzen einblick in seine Herangehensweise. Er müsse Sachen immer mindestens zweimal spielen, beim dritten Mal werde er dann bereits gelangweilt. Als er danach dann ein weiteres Lied von Robbie Leaver spielte, dieses zum ersten Mal, kündete er bereits die Wiederholung dieses Stücks für das erste Small Beast der neuen Spielzeit im September an. Er blieb dieser Aussage im weiteren Verlauf treu und wiederholte auch sein neues Lied, das er beim letzten Mal mit dem Gitarristen von Elysian Fields präsentiert hatte, diesmal allein.

Joseph Keckler

Nach Pauls Set kam dann Joseph Keckler und ich erwartete ein normales Konzert, aber es wurde eine spektakuläre Performance, die zum Besten gehörte, was ich bislang beim Small Beast gesehen hatte.
Er begann mit einer abstrusen Geschichte, dass er heute und das bei seinem allerersten Besuch in Deutschland in der Dortmunder Fußgängerzone einen alten Bekannten aus New York getroffen hätte. Schnell wurde klar, dass dies nur eine Einleitung war, die überging in eine abstruse Geschichte über den Genuss halluzinogener Pilze, vorgetragen im Stile einer italienischen Oper und auch auf Italienisch gesungen (zum besseren Verständnis lief eine Übersetzung des Textes auf einer Leinwand mit.


Auf dieser Leinwand wurde dann ein Clip von Keckler namens I Was A Teenage Goth gezeigt, der Name war Programm. Musikalisch ging es klassisch weiter, indem er Paul Wallfisch ans Piano rief und dazu Schuberts Der Tod und das Mädchen sang. Seine Opernstimme konnte er aber auch mühelos ablegen und mit einer angenehm normalen Singstimme eigene Songs vortragen, dazu selber Klavier spielend. Mal ließ er die Musik vom Band kommen und trug dazu David Bowies You've Been Around vor.All dies wurde immer von herrlich humoristischen Monologen unterbrochen. Zwischendurch gesellte sich noch Paul Wallfischs Nachbar Wim Wollner am Saxofon zu den beiden für zwei Lieder und so verging fast eine Stunde wie im Fluge. Das Publikum war begeistert und natürlich wurde eine Zugabe erklatscht. Zu der wickelte sich Keckler in Toilettenpapier ein und trug dazu eine wunderbare Version von Tim Buckleys Klassiker Song To The Siren vor. Danach entpackte er sich wieder bis auf einen kleinen Pferdeschwanz aus Klopapier an der Hose und spielte noch einen Song am Klavier, ehe es in die obligatorische Pause ging.


Les Colettes hatten danach einen schweren Stand bei mir. Die Französinnen sind inzwischen vom Quartett zum Trio geschrumpft. Die Schlagzeugerin hat die Band verlassen, die Rhythmusarbeit übernahm gelegentlich die Sängerin mit einer einfachen Tom, ansonsten wurde reduzierter nur mit Gitarre (abwechselnd auch Geige) und Bass musiziert. Das erinnerte an Minimalrock und klang grundsätzlich gut, zumal die Geige nicht fiedelte, sondern auch fast wie eine Gitarre klang, und hat die Band auch schon ins Vorprogramm von Nick Cave gebracht, konnte mich aber nicht so recht überzeugen.

Les Colettes

Zum einen wurde die Stimme der Sängerin sehr schnell quäkig, wenn sie lauter wurde, zum Anderen war vor allem ihr Schlagzeugspiel manchmal etwas arg holprig und ließ die Songs in meinen Ohren unrund klingen. Auch fand ich ihr Cover von In Heaven aus Eraserhead nicht so toll, bin da aber einfach zu sehr Fan der Pixies-Version. Aber mit meiner mangelnden Begeisterung war ich wohl der einzige im Studio, auch wenn meine Freundin bemerkte, dass Joseph Keckler, der den Auftritt von Les Colettes am Rand verfolgte, auch nicht besonders beeindruckt zu wirken schien. Doch zur Zugabe versöhnten mich Les Colettes dann mit einer sehr gelungenen Version von Bei mir bist du schön von den Andrews Sisters.


Nachdem mich die Tage zuvor Son Lux umgehauen und auch Die Nerven wieder überzeugt hatten, hatte das Small Beast eigentlich einen schweren stand im Vorfeld gehabt, aber Joseph Keckler sorgte für einen dieser magischen Momente, wo man nichts erwartet und am Ende mit leuchtenden Augen da sitzt und vollkommen hin und weg ist und die mich immer wieder darin bestätigen, dass ich nicht zu viele Konzerte besuche.
Zur Verabschiedung kündigte Paul Wallfisch dann noch an, dass beim nächsten Small Beast im September Howe Gelb von Giant Sand zu Gast sein wird, was die Vorfreude auf die neue Spielzeit noch erhöhte.

Mittwoch, 7. Mai 2014

Small Beast w/ Elysian Fields

Small Beast

w/ aniYo kore / Elysian Fields / Paul Wallfisch

25.05.14 Schauspielhaus, Dortmund

Nach den beiden großartigen Small Beats mit Thalia Zedek und Ken Stringfellow standen diesmal für mich weniger spektakuläre Namen auf der Gästeliste, nämlich das New Yorker Duo Elysian Fields und den Dortmunder Lokalmatadoren aniYo kore.
Gastgeber Paul Wallfisch eröffnete den Abend diesmal auf seinen Knien, auf allen Vieren kroch er durchs Institut, ehe er an seinem Klavier Platz nahm. Er spielte damit auf seinen New Yorker Freund Robert Leaver an, der seit Ende letzten Jahres als Aktionskunst den Broadway entlang kriecht, darüber bloggt und auch ein Lied darüber geschrieben hat, das Paul dann natürlich auch spielte.

Paul Wallfisch

Anschließend lieferte er auch noch die Erklärung für den neuen Teppich. Der alte und auch die sonst ausliegenden Kissen fielen nämlich einer Brandschutz-Inspektion zum Opfer, so dass Wallfisch noch schnell aus seiner Wohnung einen alten Läufer holen fuhr. Bei der Gelegenheit brachte er auch noch direkt einen Nachbarn mit, der ihn bei einem Stück an der Klarinette unterstützte. Auch Oren Bloedow von Elysian Fields begleitete ihn bei einem Song an der Gitarre, nach Pauls Worten ein brandneues Lied, dass er auf der kurzen Tour mit dem New Yorker Duo geschrieben hatte und erst zum zweiten Mal überhaupt öffentlich darbot nach der Premiere in Hamburg am Abend zuvor.



Nach Paul Wallfischs wieder einmal gelungener Einleitung kamen überraschenderweise nicht aniYo kore, sondern der eigentliche Headliner des Abends, Elysian Fields. Owen Bloedow setzte sich ans Klavier und Sängerin Jennifer Charles nutzte Wallfischs Teppich als Spielwiese für ihren Auftritt im Glitzerkleidchen. Ich kannte von ihnen bislang nur ihr neuestes Album For House Cats And Sea Fans und war nicht durchweg begeistert. Das Album plätschert mit deinem angejazzten Grundton etwas belanglos vor sich hin und auch der Gesang ist mir etwas zu gehaucht und spannungslos. Und auch live konnten mich die neuen Stücke nicht wirklich überzeugen. Doch zum Glück wechselte Bloedow zwischendurch öfter an die Gitarre und dann wurde es gleich besser mit einem minimalistischen Indieblues, der mich teilweise an The Kills erinnerte.

Elysian Fields

Auch bei diesen Songs war zwar der Gesang die Schwachstelle, wurde jedoch durch das fast manische Gitarrenspiel mehr als wett gemacht. Und natürlich durfte auch Paul Wallfisch zwischendurch wieder an sein Klavier und das Duo zum Trio erweitern.
Nach der obligatorischen Pause wurde es elektronisch mit aniYo kore, Dortmunds Antwort auf Portishead.
Ein Mann sorgte am Laptop für die Beats und Samples und eine Frau sang dazu mit einer wirklich hervorragenden Stimme, die durchaus an Beth Gibbons erinnerte, allerdings ohne ihre manchmal etwas zu weinerliche Phrasierung. Das gefiel nicht nur mir, so dass es bei diesem Small Beast zu später Stunde das Institut gefüllter blieb als sonst.

aniYo kore

Zum Abschluss kündigte Paul Wallfisch an, dass das nächste Small Beast im Mai zwar das letzte sei, aber nur für die aktuelle Spielzeit und dass es im Herbst weiter gehen werde, eine hervorragende Nachricht am Ende eines langen und zwar im Vergleich zu den Monaten zuvor nicht so überragenden, aber dennoch natürlich sehr unterhaltsamen Abends.

Freitag, 18. April 2014

Small Beast w/ Ken Stringfellow & Mick Harvey

Small Beast

w/ Ken Stringfellow / Mick Harvey / Paul Wallfisch

28.03.14 Schauspielhaus, Dortmund

Wenn zwei tolle Konzerte in einer Stadt am gleichen Abend stattfinden, ärgert man sich normalerweise, denn man hat nur die Qual der Wahl. Freitags in Dortmund ist das zum Glück anders, denn als Dÿse um 22:30 im FZW aufhörten, begann das monatliche Small Beast im Institut des Schauspielhauses gerade erst. Also schnell die knapp zehn Minuten zu Fuß zurückgelegt und an der Theke noch ein Bier geholt und dann mal direkt neben Paul Wallfisch am Klavier reingeplatzt.

Paul Wallfisch
 Zwar hatte Paul zu Beginn wohl angekündigt, sich diesmal kurz zu fassen, aber wie üblich schaffte er es nicht, so dass ich noch drei Songs von ihm mitbekam. Danach kam dann, für mich überraschend, Ken Stringfellow an die Reihe. Ich hatte ihn als Hauptact am Schluss erwartet.
Der Posies-Sänger und langjährige Tour-Gitarrist von R.E.M. wechselte zwischen Klavier und Gitarre, ignorierte fast ständig die Mikrofone, sondern sang direkt dem Publikum ins Gesicht, zunächst Solo-Stücke, insbesondere von seinem aktuellen Album Danzig In The Moonlight. Während mir das Album nicht besonders gut gefällt, da es einfach zu überproduziert ist, klangen die Songs solo toll, wobei es auch ein Duett zu Doesn't It Remind You Of Something gab mit Nicole Bianchet, einer Künstlerin, deren neues Album Stringfellow gerade produziert. Mit seinem Auftritt bewies Ken, dass er ein mindestens genauso intensiver Interpret ist wie Platzhirsch Paul Wallfisch.


Nach einer guten halben Stunde war Stringfellows Set vorüber und die obligatorische Pause stand an. Das sollte es gewesen sein? Nach der Pause jedenfalls kam Mick Harvey an die Reihe. Der Weggefährte von Nick Cave, mit dem er The Boys Next Door/The Birthday Party und die Bad Seeds gründete, gehört seit dieser Spielzeit quasi zum Dortmunder Ensemble, ist er doch Teil von The Ministry Of Wolves, der Band zur Inszenierung von Republik der Wölfe.

Mick Harvey

Neben eigenen Songs spielte er natürlich daher auch, verstärkt von Paul Wallfisch am Piano, Stücke daraus. Nebenbei offenbarte er eine gewisse Kurzsichtigkeit, denn immer wieder setzte er eine Brille auf, um seine Setlist lesen zu können. Einmal ließ er sogar einen Zettel mit Stichworten eines Songtextes von einem Gast während des Stücks hochhalten, um den Text nicht zu versemmeln. Nach ein Uhr war sein Auftritt dann beendet, doch anstelle der sonst üblichen Schlussworte kündigte Paul Wallfisch eine weitere Pause gefolgt von einem zweiten Auftritt von Ken Stringfellow an, quasi die Kür nach der Pflicht.

Ken Stringfellow

Diese Kür brachte dann endlich auch Material von den Posies, einen Solo-Song von Nicole Bianchet und lange Improvisationen mit Mick Harvey und Paul Wallfisch, wobei vor allem Harvey herrlich knurrig dreinschaute, wenn man ihm nicht die Akkorde richtig ansagte.
Es war fast drei Uhr morgens, als eines der besten Small Beasts dann doch noch zu Ende ging. Dieser lange Abend war ein Musterbeispiel dafür, was diese Veranstaltungsreihe so besonders macht.


Dienstag, 18. März 2014

Small Beast w/ Thalia Zedek

Small Beast

w/ Thalia Zedek / Greta Gertler / Paul Wallfisch

28.02.14 Schauspielhaus, Dortmund

Über 80 Tage ohne Alkohol, dazu noch den Jetlag von einem interkontinentalen Flug in den Knochen, auf dem er Robert Redfords letzten Film All Is Lost gesehen hatte, allerdings wegen der bevorstehenden Landung ohne die letzten fünf Minuten. Diese Voraussetzungen ließen Paul Wallfischs einleitenden Auftritt beim Small Beast unter keinem guten Stern stehen.

Paul Wallfisch
Und der Anfang wirkte auch etwas fahrig und müde. Zentraler Einfluss war diesmal Leonard Cohen, dessen Biografie Wallfisch gerade gelesen hatte und den er mit Chelsea Hotel würdigte. Nach einer viel zu schnellen Ragtime-Version von Because You're Gone konnte ihn erst seine Version von Waterloo Sunset bremsen, immerhin nach seinen Worten bei einem früheren Small Beast eines seiner absoluten Lieblingslieder aller Zeiten. Nun stimmte seine Form und zum Abschluss holte er sich Greta Gertlers Schlagzeuger Adam Gold auf die Bühne, um dem verstorbenen Philip Seymour Hoffman das in dessen Film Almost Famous vorkommende Led Zeppelin Stück That's The Way ungeprobt zu covern.

Greta Gertler

Adam Gold blieb dann gleich sitzen, während Greta Gertler den Platz am Klavier einnahm und es sich mit grünen Tüchern auch noch etwas verschönerte. Die Australierin hat zusammen mit Gold und diversen Gastmusikern unter dem Namen The Universal Thump ein Album eingespielt und weilte im Rahmen ihrer kurzen Europa-Tournee in den Londoner Abbey Road Studios, wo sei gleich fünf neue Stücke eingespielt hat, von denen sie eine Handvoll an diesem Abend präsentierte. Das klang alles sehr nett und Gertler präsentierte sich auch gut gelaunt und sehr unterhaltsam, doch so richtig wollte bei mir der Funke nicht überspringen.

Thalia Zedek

Nach Mitternacht begann dann der Höhepunkt des Abends mit Thalia Zedek und ihrer Band. Die ehemalige Come-Sängerin hat letztes Jahr mit Via ein tolles Soloalbum vor- und rechtzeitig zum Tour-Auftakt mit Six noch eine brandneue EP nachgelegt. Auch wegen des neuen Drummers in der Band bildeten die beiden Veröffentlichungen das Kernstück des Sets, aber Thalia hatte bereits in einem sehr lesenswerten Interview im Vorfeld der Tour auf gaesteliste.de angekündigt, dass auch Perlen aus ihrem umfangreichen Backkatalog auf dem Programm stehen würden.
Eine dieser Perlen war das V-Cover 1926, dass sich immer weiter hin zu einem großen Finale steigerte und die Zuhörer andächtig mitschwingen ließ. Diese Stilmittel tauchte häufiger auf, so auch bei Afloat, eigentlich für Six solo aufgenommen, aber in obigem Interview hatte Thalia verraten, dass sie für das Stück immer eine Band-Version vor Augen hatte und so wurde es denn auch an diesem Abend perfekt umgesetzt.


Überhaupt war das Zusammenspiel der Musiker exzellent (nur der neue Schlagzeuger brauchte manchmal kleine Anweisungen vom Bassisten); Bass, Schlagzeug, Geige und Piano unterstützten die staubtrockene Gitarre und Stimme Thalia Zedeks, die beide deutlich und zu Recht im Vordergrund standen.
Mit Afloat hatte das reguläre Set geendet, doch auch zu so fortgeschrittener Stunde war es nicht zu spät für eine Zugabe und in Anlehnung an Paul Wallfischs Einleitung, beendete Leonard Cohens Dance Me To The End Of Love nach gut 75 Minuten dann den Abend.

Paul Wallfisch

Nach diesem ausgezeichneten Auftritt, einem der besten überhaupt, die ich bislang im Rahmen des Small Beast gesehen habe, war für mich klar, dass ich mir die Band auch in der Woche drauf noch einmal in Köln ansehen würde.

Setlist Thalia Zedek:
Fell So Hard
Walk Away
Dreamalie
Since Then
Winning Hand
Greean And Blue
Bus Stop
Julie Said
1926
Stars
Afloat
------------------------------
Dance Me To The End Of Love

Montag, 10. Februar 2014

Small Beast w/ Scott McCloud

Small Beast

w/ Scott McCloud / Andreas Kaling / Paul Wallfisch

31.01.14 Schauspielhaus, Dortmund

Das erste Small Beast im Jahre 2014 im ausverkauften Institut des Schauspielhauses Dortmund legte direkt wieder die Messlatte sehr hoch für die kommenden Veranstaltungen dieser Reihe. Mit Andreas Kaling hatte Paul Wallfisch wie letztes Jahr Sebastian Gramms einen Jazz-Musiker zu Gast und mit Scott McCloud den Sänger der legendären amerikanischen Band Girls Against Boys, die ich letztes Jahr im Vorprogramm von Superchunk gesehen hatte.

Paul Wallfisch

Wie immer begann Paul Wallfisch mit seinem Set und neben fast schon traditionellen Small Beast-Klassikern wie The Things We Do To Grow stellte er auch einen Song seiner neuen Band The Ministry Of Wolves vor, die neben ihm aus Mick Harvey, Alexander Hacke und dessen Frau Danielle De Picciotto besteht und ab Februar im Schauspielhaus das Stück Republik der Wölfe vertonen wird. Das Thema seines Vortrags war jedoch Lou Reed, allerdings weniger direkt seine Songs, auch wenn er Pale Blue Eyes von The Velvet Underground coverte, als Lieder von Leuten, die mit Reed zusammen arbeiteten. Hierzu holte er sich direkt Andreas Kaling und Scott McCloud auf die Bühne, die ihn am Saxofon, bzw. der Gitarre unterstützten.


Nebenbei erwähnte Wallfisch, dass er seit 53 Tagen keinen Alkohol mehr trinke, ein in der Theater- und Musikszene sicherlich außergewöhnlicher Vorsatz. Es schien ihm aber gut zu bekommen, denn er wirkte sehr gelöst und voller Energie.
Danach kam dann etwas mehr westfälische Trockenheit ins Programm, denn der in Münster geborene und in Bielefeld lebende Andreas Kaling bestritt mit seinem riesigen Bass Saxofon seinen Solo-Teil. Seinem acht Kilogramm schweren Monster entlockte er dabei ungewöhnliche Klänge, zudem elektronisch unterstützt von einem Kehlkopf-Mikrofon. Selbst die Bedienung der Ventile war klanglich verstärkt und wirkte wie zusätzliche Percussion.

Andreas Kaling

Die Tiefe des Sounds hätte wunderbar zu Bohren & Der Club Of Gore gepasst. Es war aber kein reiner Jazz-Vortrag, denn Kaling hat auch ein Projekt namens Deep Schrott, bei dem bekannte Rocksongs verarbeitet werden, wie an diesem Abend War Pigs von Black Sabbath.
Danach kam dann die obligatorische Pause und weit nach Mitternacht spielte dann der inzwischen in Wien lebende Scott McCloud auf, hauptsächlich Songs seiner Band Paramount Styles. Die klingen auf Platte in Band-Besetzung nicht besonders aufregend, doch solo gefiel das deutlich besser, zumal McCloud immer wieder Anekdoten aus seinen über zwanzig Jahren auf Tour erzählte. Zwischendurch holte er sich dann Paul Wallfisch als Verstärkung hinzu und verzauberte vor allem beim Instrumental One Last Surprise.


McCloud stammt aus Minneapolis und würdigte auch die vielleicht beste Band, die je aus dieser Stadt kam, indem er Books About UFOs von Hüsker Dü coverte. Und weil er gerade in Partylaune war, spielte er auch noch Last Caress von den Misfits hinterher.


Nach einer Zugabe war dann nach zwei Uhr morgens Schluss und die Besucher wurden in die Nacht entlassen. Vor dem Schauspielhaus unterhielt McCloud sich noch eine ganze Weile mit einem extra aus London angereisten Fan, um dann entsetzt festzustellen, dass der Eingang zum Theater bereits verschlossen war.Durch eine Nebentür kam er dann doch noch wieder ins Innere, während wir sehr gut unterhalten den Heimweg antraten.

Scott McCloud

Gerade durch das Zusammenspiel der drei Protagonisten war es wieder ein sehr gutes Small Beast, das Vorfreude auf die kommenden Events machte. Denn hochkarätig geht es die nächsten Monate weiter. Ende Februar wird Thalia Zedek mit ihrer Band im bereits ausverkauften Institut spielen und Ende März werden The Ministry Of Wolves für das Small Beast kurz ihre Tour unterbrechen und Mick Harvey wird spielen neben Ken Stringfellow von den Posies, beides natürlich Pflichttermine für mich.

Samstag, 9. November 2013

Small Beast w/ Little Annie & Paul Wallfisch

Small Beast w/ Little Annie & Paul Wallfisch

02.11.13 Schauspielhaus, Dortmund

Zur Zeit läuft im Dortmunder Schauspielhaus die Welturaufführung eines Stücks namens Das Goldene Zeitalter, diese Revue über Wiederholungen und den Sinn des Lebens schauten wir uns an Allerheiligen an, ich kam dabei direkt von der Arbeit ins Theater. Das Stück war so beeindruckend, dass ich keine 24 Stunden später direkt meine eigene Zeitschleife kreierte. Erneut ging es von der Arbeit direkt zum Schauspielhaus, diesmal zu einer Sonderausgabe des Small Beast.

Little Annie & Paul Wallfisch

Little Annie und Paul Wallfisch beendeten ihre kurze Tour mit einem Heimspiel, ziemlich genau ein Jahr, nachdem die Grande Dame des Small Beast zuletzt hier gastierte, damals mit Baby Dee. Dabei war alles anders als bei einem normalen Small Beast. Es fand an einem Samstag statt, begann bereits um 20 Uhr und es fehlte das ausufernde Entrée durch den Gastgeber. Paul Wallfisch kam auf die Bühne des Studio im Schauspielhaus und setzte sich ans Piano, Paul Watson von And The Wiremen packte gegenüber seine Trompete aus und gemeinsam spielten sie ein kleines instrumentales Intro, bis Little Annie zu den beiden stieß und mit Because You're Gone ihr Set eröffnete.

Little Annie
Im folgenden wechselten eigene Stücke mit ausgewählten Coversongs, wobei hier besonders Private Dancer herausragte und nach dieser bewegenden Version Tina Turner eigentlich in Rente gehen kann (wenn sie es nicht schon getan hat). Vor allem Litttle Annies Bühnenpräsenz war wieder einmal sagenhaft, wie sie z. B. fast minutenlang regungslos und in sich versunken auf ihrem Hocker saß, während Paul ein kleines Solo spielte und danach die Situation mit bittersüßem Humor auflockerte, indem sie eine Anekdote aus New York erzählte, als eine Schauspiellehrerin sie einmal um diese Ruhe beneidete und sie lakonisch antwortete, dass es daran liege, dass sie auf Heroin sei. woraufhin ihre Lehrerin noch lakonischer antwortete, dass es egal sei, was sie nehme, so lange es sie so ruhig mache. Nach einer wunderbaren Version des Klassikers Smile aus Charlie Chaplins Moderne Zeiten verließ sie die Bühne, kehrte aber noch einmal für ein Stück zurück, einer Art Beatnik-Blues-Poem, das sie a cappella vortrug.


Es war wieder einmal eine große Freude, Little Annie live zusehen und ich bin mir ziemlich sicher, dass es nicht das letzte Mal in Dortmund war, solange es noch das Small Beast gibt.

Mittwoch, 30. Oktober 2013

Small Beast w/ Mélanie Pain

Small Beast

w/ Mélanie Pain / Kitty Solaris / Paul Wallfisch

18.10.13 Schauspielhaus, Dortmund

Die Sommerpause ist vorbei, die neue Spielzeit am Dortmunder Schauspielhaus läuft bereits seit über einem Monat, Zeit also für ein neues Small Beast. Und zum Auftakt hat Paul Wallfisch mit Mélanie Pain, der Sängerin von Nouvelle Vague, einen richtigen Hochkaräter aus dem Ärmel gezogen, so dass das kleine Institut natürlich bereits Wochen zuvor ausverkauft war.
Wie immer eröffnete der Gastgeber den Abend, wobei er diesmal besonders entspannt und gut gelaunt wirkte. Sein zuletzt recht vorhersehbares Set war aufgeräumt und enthielt natürlich das inzwischen fast schon traditionelle The Things We Do To Grow, aber auch einige bislang noch nicht gehörte Songs wie Mystery Dance von Elvis Costello oder Into My Arms von Nick Cave.

Kitty Solaris

Danach kam dann die junge Sängerin Kitty Solaris aus Berlin. Wie sie da in ihrem schicken roten Kleidchen mit der Gitarre auf der Theke stand, weckte das Assoziationen an PJ Harvey. Manchmal versuchte sie auch mit fast überschlagender Stimme so zu klingen, doch ging das leider in die Hose, weil sie sowohl musikalisch, stimmlich als auch an Bühnenpräsenz nicht annähernd an sie heranreichen konnte. Zudem wirkten ihre mit Berliner Schnauze vorgetragenen Ansagen ziemlich verstrahlt, dazu machte sie einen etwas wackligen Eindruck, dass ich mehrmals befürchtete, sie könne von der Theke fallen. Als sie bei einem Song um gesangliche Unterstützung dort oben bat, wollte sich niemand so recht erbarmen. Als sie aber geradezu quengelig wurde, opferte sich schließlich Ensemble-Mitglied Peer Oscar Musinowski, aber man merkte ihm durchaus an, dass auch er sich dabei nicht sonderlich wohl fühlte.
Da aber Kittys Auftritt in den ruhigeren Momenten zu gefallen wusste, wenn sie sich selber zu Gunsten ihrer Songs zurücknahm, gab es am Ende doch mehr als höflichen Applaus.

Mélanie Pain

Mélanie Pain hatte sich vor Ihrem Auftritt Peer Oscar Musinowski bereits im großen Saal in Peer Gynt angesehen, einer fantastischen Adaption von Ibsens Stück mit der Musik von Thomas Truax, der sich auch unter die Gäste des Small Beast mischte. Frau Brot, so signierte sie später im Foyer ihre CDs kam mit zwei männlichen Begleitern auf die "Bühne" zu ebener Erde vor der Theke, einem Keyboarder/Gitarristen und einem Schlagzeuger. Sie wirkte trotz der späten Stunde, es war inzwischen kurz vor ein Uhr, aufgekratzt und sprühte vor Energie und Spielfreudw. Nicht umsonst tourte sie unter eigenem Namen, denn im Gegensatz zu den Coverversionen von Nouvelle Vague standen die eigenen Songs aus inzwischen zwei Soloalben auf dem Programm. Dabei wechselte sie musikalisch zwischen fröhlichem Pop (Bye Bye Manchester) und geradezu klassischen Chansons (La Cigarette).


Zwischendurch plauderte sie auch noch etwas, z. B. über ihr altes Casio-Keyboard, oder rezitierte den Text von Eisbär, dem NDW-Klassiker von Grauzone. Dabei verzauberte ihr Lächeln und ihre positive Ausstrahlung hielt das Publikum bei Laune und bei der Stange. Während der ersten Zugabe gab es dann die einzige Coverversion in ihrem Set mit Panic von The Smiths. Danach bat sie Paul Wallfisch ans Piano und mit einer ausufernden Version von Miami schien der Abend beendet, doch das Trio kehrte noch ein zweites Mal zurück, um mit Ça Grandit nach gut 85 Minuten einen ruhigen, aber auch wunderschönen Schlusspunkt zu setzen.


Es war ein mehr als gelungenes Small Beast mit Paul Wallfisch in Top-Form und einer bezaubernden Mélanie Pain und einem kleinen Wermutstropfen in Form einer mehr als lästigen, angetrunkenen jungen Göre. die Dame fiel den ganzen Abend durch ihr störendes Geplapper auf, wobei sie vor allem Paul Wallfisch als Zuhörer auserkoren hatte, obwohl er mehrmals zu entkommen versuchte und sie auch um mehr Respekt für die Künstlerinnen gebeten hatte. Das schien sie jedoch einfach auszublenden, weshalb ihr mehrere Besucher nach dem Ende deutlicher sagten, was sie von ihr hielten. Daraufhin rannte sie wie ein beleidigtes Blag zu Wallfisch, um sich Trost zu holen. Doch der teilte ihr elegant mit, dass er selber ihr so etwas zwar nicht ins Gesicht sagen würde, aber die Leute hätten Recht.
Hoffentlich war der Dame das eine Lehre und sie besitzt in Zukunft die Höflichkeit, den Künstlern den angemessenen Respekt zollen. ansonsten hat die Theater-Toilette einen Spiegel, in den man nur schauen muss, wenn man einen interessierten Zuhörer finden will, ohne dabei die Künstler und das an Musik interessierte restliche Publikum zu stören.

Setlist Mélanie Pain

Setlist Mélanie Pain:
Intro
Je Laisse Tomber
Bye Bye Manchester
Ailleurs
Just A Girl
Fluo
Good Enough
How Bad Can I Be
La Cigarette
La Couleur
Black widow
7 Ou 8 Fois
Redis Moi
Ignore Moi
-------------------------
Bruises
Panic
Miami
--------------------------
Ça Grandit

Montag, 27. Mai 2013

Small Beast w/ And The Wiremen

Small Beast

w/ And The Wiremen / Valerie Kuehne And The PPL / Sebastian Gramss / Paul Wallfisch

24.05.13 Schauspielhaus, Dortmund

Nicht nur die Fußballsaison 2012/13 endet, auch die aktuelle Spielzeit am Dortmunder Theater. Zum Finale hatte Paul Wallfisch mal wieder ins gemütliche Institut geladen und mit And The Wiremen, Valerie Kuehne And The PPL und Sebastian Gramss ein volles Programm aufgeboten,
Zum Anpfiff nahm Wallfisch wie gewohnt am Klavier Platz und begann verhaltend, da seine Stimme angeschlagen war. Gegenüber den letzten Spielen hatte er seine Aufstellung verändert und wich von der Stammformation der letzten Small Beasts ab, indem er bislang wenig zum Einsatz gekommenen Stücken eine Chance gab. Mit The Things We Do To Grow (besser bekannt unter dem Spitznamen Coincidence) war nur ein erfahrener Spieler in der Startelf. Stattdessen durfte anlässlich seines Geburtstags ein Akteur aus der Mannschaft von Bob Dylan auflaufen. In der zweiten Halbzeit wechselte er dann die drei Gastspieler von And The Wiremen für seine Version von Lou Reeds Coney Island Baby ein, ein absoluter Glücksgriff, denn die Nordkurve feierte den Angriffswirbel mit Schlachtgesängen.


Danach wurde das Spiel zu einer virtuosen One Man Show. Sebastian Gramss zeigte, was man alles mit einem Kontrabass machen kann. Der Kölner war quasi auf Durchreise, musste am nächsten Morgen weiter nach Zürich und kam direkt aus Hamburg, wo er den Abend zuvor den Jazz-Echo 2013 verliehen bekommen hatte. Als erstes kündigte er ein Stück an, zu dem er in Irland inspiriert worden sei. Diesen Einfluss hörte ich in keinster Weise raus und überhaupt wirkte es so, wie man sich als ungeübter Hörer Jazz vorstellte. doch scheinbar war das nur eine Fingerübung zum Aufwärmen, denn danach ging es richtig ab und ich bekam den Mund vor lauter Staunen nicht mehr zu.

Sebastian Gramss

Gramss' Bass war eine Augenweide, denn er war nicht lackiert, sondern abgeschliffen, wirkte daher zwar leicht schäbig, aber man konnte dennoch die Qualität des Instruments erkennen. Und das Ganze war kein optischer Gag, sondern diente der Klangerzeugung, denn Gramss bearbeitet das Instrument teilweise mit zwei Bögen und strich damit nicht nur über die Saiten, sondern über den ganzen Klangkörper und entlockte ihm so die merkwürdigsten Töne. Melodien konnte man keine raushören, das war schließlich Jazz, aber immer wieder gab es rhythmische Muster, die sich zerstreuten, um dann wieder aufgenommen zu werden, unterbrochen von Soundcollagen, in denen das Instrument mal wie eine elektrische Gitarre, mal wie ein Bienenschwarm klang und das alles ohne irgendwelchen elektronischen Hilfsmittel. Wie spektakulär das Ganze war, konnte man an den Reaktionen der anderen anwesenden Künstler erkennen.

Sebastian Gramss, im Hintergrund Paul Wallfisch und
Lynn Wright, Simon Goff (And The Wiremen)

Die neben uns unter den Zuschauern sitzende Valerie Kuehne, selber Cellistin und übrigens Kuratorin des New Yorker Small Beast, starrte fassungslos auf das Geschehen und Simon Goff, der Geiger bei And The Wiremen schaute zunächst mal interessiert um die Ecke, stutzte, schaute genauer hin und verfolgte dann ebenso wie sein Band-Kollege Lynn Wright und auch Paul Wallfisch den Auftritt. Nur ein Passant fand das ganze wohl nicht so toll, ließ er doch die Hose vor dem Fenster herunter und ließ seinen Mond ins Institut leuchten, was allerdings fast unbemerkt blieb, da die meisten Augen gebannt auf Sebastian Gramss gerichtet waren.
Danach war dann Pause und frisch gestärkt ging es um Mitternacht in die zweite Halbzeit. Das Geschehen verlagerte sich nun  vom zentralen Mittelfeld vor der Theke des Instituts in die Westkurve. Zunächst waren die Fans irritiert, denn obwohl Wallfisch das Spiel wieder angepfiffen hatte, schien nichts zu passieren. Ein Mann saß erhöht neben einem Haufen elektronischen Equipments und drückte hier und da mal eine Taste, doch man hörte nichts. Vor ihm saß eine junge Frau und kaute an etwas, das wie ein Teil eines Tier-Skeletts aussah. Es wurde ruhiger, gespannte Erwartung füllte den Raum und ganz leise konnte man Töne hören, die offensichtlich von der Frau mit diesem Knochen erzeugt wurden.

Valerie Kuehne And The PPL

Zu den Tönen kam dann eine weitere Frau in den Raum und durchschritt ihn mit einem blinkenden Teller, auf dem ein Doughnut lag. Am Ende erklomm sie die Theke, stellte den Doughnut ab und begann mit einem Monolog über Psychoanalyse. Spätestens hier war klar, dass dies kein normales Konzert, sondern eine Performance war. Ihre Mitstreiterin unterbrach kurz die Klangerzeugung aus Werkzeugen und Alltagsgegenständen und packte stattdessen Scheibletten aus ihren Folien und klebte sie den Zuschauern auf die Hand oder warf sie einmal quer durch den Raum. Es folgten abstruse Geschichten über ein Gravitron, ein amerikanisches Kirmes-Fahrgeschäft und darüber, wie es Menschen in eine andere Welt zieht, um sie am Ende als Untote in Pittsburgh wieder erscheinen zu lassen. Sofort kam mir der Gedanke, dass Pittsburgh das US-Pendant zu Gelsenkirchen sein müsse. Das ganze war so over the top, dass man es als Parodie auf ernst gemeintes Avantgarde-Theater auffassen musste.
Danach gesellte sich Valerie Kuehne zu ihren beiden Ensemble-Kollegen und griff zum Cello, das sie wild bearbeitete und weiterhin Geschichten dazu ins Mikro brüllte, während dazu u. a. eine Kokosnuss zerlegt wurde. Auch die Umwelt trug zu dem Klangspektakel bei, denn auf dem Dortmunder Wall wurden wohl wieder Rennen gefahren und ein besonders lautes Motorenheulen fügte sich nahtlos in den Sound ein.

Valerie Kuehne And The PPL

Dabei headbangte sie wie die Herren von Apocalyptica, so dass ihr sogar die Brille von der Nase flog und ein Bügel sich löste. Die Skurrilität des Projekts wurde auch am Ende noch einmal deutlich, als sie auf ihre CDs hinwies, die man im Foyer erwerben konnte und von deren Erlösen sie versuchen würde, ihre tote Katze zu reanimieren. Während für manch Anwesenden das Ganze zu abgedreht war, gefiel mir diese bizarre und höchst unterhaltsame Performance ausgezeichnet.
Gastgeber Paul Wallfisch unterbrach noch einmal das Spiel für eine kleine Erfrischungspause, inzwischen herrschten fast tropische Temperaturen im Institut und hätte ich die Käsescheibe in meiner Hand nicht gegessen, wäre sie wohl zwischen meinen Fingern zerschmolzen.

And The Wiremen

And The Wiremen sind eine kleine All Star Truppe aus New York. Sänger/Gitarrist Lynn Wright spielt auch bei Bee And Flower, die letztes Jahr bereits beim Small Beast in Dortmund zu Gast waren, Trompeter Paul Watson blies bei Sparklehorse und am Bass ist normalerweise Tony Maimone von Pere Ubu. An diesen Abend war er allerdings nicht dabei, stattdessen wurden Wright und Watson von Simon Goff an der Geige unterstützt, sonst auch bei Bee And Flower.
Die Band spielte auf höchstem Niveau, nämlich auf der Theke stehend. Musikalisch erinnerte das an Calexico oder Giant Sand, der durchaus auf Platte (übrigens gratis bei Bandcamp erhältlich) vorhandene Jazzfaktor wurde diesmal fast komplett ausgeblendet.


Bei einem Song revanchierte sich Paul Wallfisch für die musikalische Unterstützung von And The Wiremen bei seinem Set und begleitet sie am Klavier. Nach einer Dreiviertelstunde, inzwischen war halb zwei bereits durch, kletterten die drei Herren von der Theke. Die Begegnung war entschieden, eine Verlängerung war aber nötig, um den Sieger zu ermitteln. Doch auch die Zugabe brachte keine Entscheidung und so ging es mit einem Unentschieden zwischen allen Beteiligten in die Sommerpause.


Dieses Small Beast zum Saisonabschluss war eines Champions League Finales würdig und wenn auch nicht so große Namen auf dem Platz standen wie auf dem Rasen von Wembley, war es mindestens so großer Sport, der im Institut geboten wurde.
Am 18. Oktober beginnt übrigens die neue Saison und wie immer werden die Höhepunkte auf diesem Sender zusammengefasst werden.

Montag, 29. April 2013

Small Beast w/ Manorexia

Small Beast

w/ Manorexia / Paul Wallfisch

26.04.13 Schauspielhaus, Dortmund

Der letzte Freitag im Monat, d. h. Zeit fürs Small Beast. Und diesmal war Gastgeber Paul Wallfisch ein besonderer Coup gelungen, konnte er doch das allererste Deutschland-Konzert von Manorexia präsentieren, einem der zahlreichen Projekte von Industrial-Legende J. G. Thirlwell aka Foetus. Und weil der Maestro mit einem Streichquartett anreiste, fand der natürlich ausverkaufte Auftritt nicht im beengten Institut, sondern wieder eine Etage höher im Studio statt.


Doch zunächst war etwas Geduld angesagt, denn das Ensemble hatte zehn Stunden Fahrt von Kopenhagen nach Dortmund hinter sich und daher verzögerte sich der Einlass etwas, ehe Paul Wallfisch dann wie gewohnt am Klavier das Vorspiel bestritt.
Er kündigte sein Programm als The Best Of Theater Dortmund On Tour an, da er die meisten Songs bereits die Woche zuvor im Vorprogramm von John Parish (u. a. Produzent für PJ Harvey) gespielt hatte.  Und daher bestand das Set aus Liedern aus Der Meister und Margarita, Small Beast-Klassikern wie Coincidence und ausgewählten Cover-Versionen von Jacques Brel (Next, an Alex Harveys Version angelehnt) bis The Kinks.


Dabei wirkte Wallfisch weniger redselig als sonst, sang dafür umso noch inbrünstiger. Und schlug auch einen Bogen zum nachfolgenden Ereignis, indem er zwei instrumentale, geradezu experimentelle Stücke spielte, einmal vom typischen Klang einer New Yorker U-Bahn-Linie inspiriert, sowie etwas Glenn Gould. Zum Schluss setzte er sich dann noch für ein Stück eine Maske auf, schließlich war man ja im Theater.

Paul Wallfisch

In der obligatorischen Pause lief Mr. Bungle vom Band, die perfekte Überleitung zu der Musik von Manorexia, die streckenweise wie ein Soundtrack klingt, bei dem man geradezu auf den abstrakten Gesang Mike Pattons wartet.
Manorexia traten als Septett auf: ein Pianist, ein Percussionist, vier Streicherinnen und J. G. Thirlwell als Impresario am Laptop. Dabei war es geradezu skurril, dass man auf dem Weg zurück aus der Pause ins Studio im engen Gang sich an den Geigerinnen vorbeiquetschen musste, die sich dort einspielten.

Manorexia

Dabei klang der Einstieg in das einstündige Set so, als ob sie dies umsonst getan hätten. Mit bewusst schrägen Streichpassagen ging es los, alle MusikerInnen spielten dabei vom Blatt, was insbesondere beim Schlagwerker spektakulär aussah, denn er hatte im wahrsten Sinne des Wortes oft alle Hände voll zu tun, wirbelte zwischen den unterschiedlichsten Instrumenten hin und her und hatte dabei nicht selten einen dritten Drumstick zwischen den Zähnen. doch sorgte gerade seine Rhythmus-Arbeit für eine Auflockerung der sonst durchaus anstrengenden Töne. Und wenn es auch für einige Besucher wohl dennoch zu harter Tobak zu vorgerückter Stunde nach Mitternacht war und sie während des Sets bereits den Saal verließen, blieb der Großteil doch gebannt sitzen und wartete gespannt, bis auch wirklich der letzte Ton verklungen war und z. B. der Geigenbogen entspannt zur Seite gelegt wurde, ehe lauter Applaus aufbrandete.


Nach einer Stunde erhoben sich die Musiker und Thirlwell trat nach vorne, um in bester Leonard-Bernstein-Pose die Ovationen entgegen zu nehmen, das Ende eines beeindruckenden Auftritts, der auch ohne Zugabe im Gedächtnis haften blieb.

Manorexia

Paul Wallfisch ließ übrigens während seines Sets durchblicken, dass er bereits an Musik für die kommende Spielzeit arbeite, was hoffentlich auch bedeutet, dass das Small Beast über diese Spielzeit hinaus, die übrigens Ende Mai mit dem Auftritt von And The Wiremen (u. a. mit Mitgliedern von Sparklehorse und Pere Ubu) enden wird, ein fester Bestandteil am Dortmunder Schauspielhaus bleiben wird.

Sonntag, 17. Februar 2013

Small Beast w/ The Almost Has Beens

Small Beast w/ The Almost Has Beens

feat. The Jazz Butcher / Paul Wallfisch / Markus Maria Jansen / Thomas Truax

15.02.13 Schauspielhaus, Dortmund

Der Februar ist nun mal der kürzeste Monat des Jahres, aber so kurz auch wieder nicht, dass am 15. bereits der letzte Freitag des Monats wäre. Das Small Beast brach aus seinem üblichen Zeitplan aus und fand diesmal bereits mitten im Februar statt. Und das außergewöhnliche Datum verdiente außergewöhnliche Gäste, nämlich The Almost Has Beens. The Almost Who? Nie gehört von denen? Kein Wunder, wurde diese Band doch nur für die zwei Small Beast-Konzerte in Hamburg und Dortmund gegründet.
Mitglieder sind Paul Wallfisch, Markus Maria Jansen von M. Walking On The Water, Thomas Truax und Pat fish aka The Jazz Butcher. Und als wäre das nicht verlockend genug, bestritt jeder Musiker vor dem gemeinsamen Auftritt ein kurzes Solo-Set. Kein wunder, dass das Konzert vom Institut ins größere Studio des Schauspielhauses verlegt werden musste.

The Almost Has Beens

Der Abend wurde von Paul Wallfisch ungewöhnlich eröffnet. Mit einer akustischen Gitarre bewaffnet, begab er sich in die Ränge, setzte sich einfach zwischen die Leute und spielte ein erstes Lied somit vollkommen unplugged. Danach ging er zu seinem Klavier, wo bereits eine Kanne Tee auf ihn wartete und erklärte die Aktion damit, dass er sich so etwas einsingen wollte, weil seine Stimme doch etwas ramponiert sei. Es folgten die von den letzten Small Beasts bekannten Stücke Coincidence und das Kinks-Cover Waterloo Sunset. Für Harley Davidson von Serge Gainsbourg holte er sich jemanden aus dem Publikum nach vorne ans Megaphon, damit er quasi als Anheizer den Rest des Publikums zum Brummen des Motorrads animierte.


Danach übernahm dann Markus Maria Jansen den Stab und spielte einige seiner Lieder. Auch hier holte er sich Unterstützung aus dem Publikum  Zufällig war nämlich Philip Lethen, sein ehemaliger Bassist, anwesend und unterstütze ihn bei dem Lied Die kleinen Matrosen. Und auch hier durfte das Publikum wieder lautstark seine Stimme leihen.


Nahtlos ging es weiter mit Pat Fish. Als The Jazz Butcher macht er seit nunmehr 30 Jahren gepflegten Indie-Pop und veröffentlichte früher auf dem Nonplusultra-Label für diese Art Musik, Creation Records. Gerne erinnere ich mich an seine Auftritte in der Dortmunder Live Station Ende der 80er / Anfang der 90er zurück. Musik macht er immer noch, erst letztes Jahr hat er sein aktuelles Album Last Of The Gentleman Adventurers veröffentlicht und ist dabei seinem feinen Gitarren- und auch Gesangsstil treu geblieben.


Danach kam dann der sicherlich spektakulärste Auftritt des Abends. Thomas Truax ist ein Sänger/Komponist, der z. B. gerade an der musikalischen Umsetzung von Ibsens Peer Gynt  für eine für den September geplante Aufführung am Dortmunder Theater arbeitet. Nebenbei baut er skurrile Instrumente, mit denen er seine eigenen Lieder kongenial untermalt. So hatte ich ihn vor Jahren schon einmal im Vorprogramm der Dresden Dolls in der Bochumer Zeche gesehen und dieser Auftritt war so beeindruckend und daher unvergesslich gewesen.

Thomas Truax

Diesmal kamen u.a. der Hornicator, ein umgebauter Grammophon-Lautsprecher und Mother Superior, eine aus einem Ventilator entstandene Drum Machine, zum Einsatz. Bei der wunderbaren Geschichte The Butterfly And The Etymologist spielte er seine Gitarre mit einem kleinen Ventilator und untermalte so das Umherfliegen des Schmetterlings. Und bei Full Moon Over Wowtown begab er sich auf eine Reise durch das Schauspielhaus, verfolgte dabei einen von einem kleinen Licht an seinem Gitarrenhals an die Wände geworfenen Mond und jagte ihn kreuz und quer durch das Studio und auch die umliegenden Gänge, so dass er verschwand, man ihn immer entfernter spielen und singen hörte, bis er durch eine andere Tür zurück ins Studio kam.


Nach so viel körperlichem Einsatz war eine kleine Pause angebracht, ehe bereits nach Mitternacht dann der gemeinsame Auftritt der Musiker als The Almost Has Beens folgte. Wie würde nach nur einigen Tagen gemeinsamen Probens die Setlist dieser Band aussehen? Nun, man spielte einfach Songs aus dem Repertoire der beteiligten Künstler und baute auch zwei, drei schnell geschriebene eigene Nummern ein.
Als passendes Motto des Abends eröffneten sie ihr Set sehr entspannt mit Partytime aus dem allerersten Jazz Butcher-Album Bath Of Bacon von 1983.


Danach machte dann ein Keyboard aus Pauls Equipment Ärger und er wurde kurz sehr ungehalten, weil er die Störung sofort behoben haben wollte, was Pat Fish dazu brachte, Let It Be in seine Richtung zu singen, nach eigenen Angaben sein erstes Beatles-Cover überhaupt und das in über 30 Jahren als Musiker. Nach erfolgreichem Rumstöpseln ging es dann weiter, u.a. mit Beauty vom ersten Botanica-Album Malediction von 1999 und dem vielleicht schönsten M. Walking On The Water-Song Holy Night Of Rosemarie vom 89er Album Pluto. Manches wirkze etwas holprig, was auf Grund der kurzen Vorbereitung sicher verzeihlich war, manches klang aber auch einfach großartig, z. B. das Thomas Truax-Stück March Winds, bei dem Paul Wallfisch ein Theremin bediente.


Es war schon Viertel vor zwei, als sie mit der Zugabe Roadrunner, dem Klassiker von Jonathan Richman & The Modern Lovers, ihren zweiten und vielleicht auch letzten Auftritt beendeten. Und auch wenn sie als Band nicht ganz an die einfach grandiosen Solo-Auftritte herankamen, hier also ausnahmsweise das Ganze nicht mehr als die Summe seiner Teile war, war es dennoch ein herausragendes Small Beast, bislang mein bestes und sicherlich schwer zu übertreffen.

Sonntag, 3. Februar 2013

Small Beast w/ Josa Peit

Small Beast

w/ Josa Peit / Nikko Weidemann / Paul Wallfisch

25.01.13 Schauspielhaus, Dortmund

Neues Jahr, altes Biest. Zur ersten Veranstaltung 2013 kehrte das Small Beast nach zwei Ausflügen unters Dach ins Studio des Schauspielhauses zurück in das gemütlichere Ambiente des Instituts im Foyer.
Dies schien Gastgeber Paul Wallfisch zu inspirieren, denn so gut war sein Eröffnungsset schon lange nicht mehr. Neben bekannten Stücken der letzten Monate wie Coincidence oder Waterloo Sunset spielte er mit True Crimes eines der ältesten Botanica-Lieder überhaupt. außerdem verbreitete er wieder diese zerstreut-chaotische Atmosphäre, indem er in seinen Notenblättern kramte und auch ankündigte, immer mal wieder zwischendrin quasi live an einem neuen Song arbeiten zu wollen und das Ergebnis unbemerkt in die anderen Songs mit einfließen zu lassen. Den Posaunisten des Dortmunder Ensembles holte er sich für ein Lied zur Unterstützung, aber da er vorher nicht genau absehen konnte, wann dies sein würde, rief er ihn mehrmals herbei, um ihn dann doch noch wieder zu vertrösten, weil erst noch etwas anderes gespielt wurde.

Josa Peit

Die gute Laune, die Wallfischs Auftritt bereitet hatte, konnte Nikko Weidemann leider nicht so ganz halten. Der Lehrbeauftragte für Songwriting an der Berliner Hochschule der populären Künste hat zwar schon mit vielen bekannten Musikern zusammen gearbeitet, so nahm er z. B. mit Guy Chambers, bevor dieser Lieferant zahlreicher Welthits für Robbie Williams wurde, unter dem Namen Nikko & The Passion Fruit ein Album auf, konnte aber nie eine eigene erfolgreiche Karriere starten. Fast schon symptomatisch dafür war die kleine Anekdote, dass er auf der Fahrt von Berlin nach Dortmund seine Fahrkarte im Zug liegen gelassen hatte und mangels Geld darauf angewiesen war, dass ihm das Theater Dortmund noch einmal die Rückfahrt bezahlte. Diesen Eindruck eines Gescheiterten vermochte auch sein Auftritt nicht zu entkräften, konnte seinen Lieder doch nicht wirklich überzeugen. Handwerklich kann man ihm sicherlich nichts vormachen, Gitarre und Klavier spielte er exzellent, aber die Songs fesselten nicht, die Texte wirkten kitschig, so dass nicht wenige die nach seinem Set geplante Unterbrechung bereits etwas vorzogen.


Nach der Pause kam dann Josa Peit, eine Berliner Sängerin, von der bislang noch keine Veröffentlichung unter eigenem Namen.erschienen ist, an der sie aber arbeite. Zu hören ist sie aber auf dem Album The Sleepwalking Society von Nostalgia 77, einer Mischung aus Jazz und Electronica.
Bei ihrem Auftritt wurde sie von einem Gitarristen begleitet und auch Paul Wallfisch setzte sich mal ans Klavier. Ihre Stimme war toll, auch wenn die leicht jazzig-soulige Stimmlage nicht ganz mein Geschmack ist. Besonders gut gefielen mir daher die Stücke, in denen die Elektronik für einen ausgefallenen Klangteppich sorgte. Den übrigen Zuschauern gefiel es auch, so dass Frau Peit bei einem Stück den kleinen Saal sogar zum Mitsingen animieren konnte.
Dieses Small Beast war eine Rückkehr zu den Wurzeln, nicht nur örtlich, sondern weil man mal wieder nicht genau wusste, was einen erwartet und so positiv überrascht werden konnte.