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Sonntag, 20. Mai 2012

Nothington

Nothington / All Aboard / Stand Fast

16.05.12 MTC, Köln

Es gibt Bands, die scheinen ständig auf Tour zu sein. Nothington waren erst letztes jahr in Europa, pünktlich zur Veröffentlichung ihres Albums Borrowed Time. Und nur neun Monate später reisen sie schon wieder über einen Monat kreuz und quer über den Kontinent. Im August 2011 hatte ich sie im winzigen Waldmeister in Solingen gesehen und es war schön, dass sie diesmal das ungleich größere MTC in Köln scheinbar mühelos füllten.
Doch zunächst galt es, zwei Vorbands zu überstehen. Nein, dieser sonst so übliche Satz passte diesmal nicht, denn Stand Fast aus Münster und All Aboard aus Mönchengladbach kannte ich bereits, sind sie doch regelmäßig im Vorprogramm diverser Ami-Punk-Bands und freute mich auf sie.
Pünktlich um halb neun begannen Stand Fast und fegten wie ein Wirbelwind über die kleine Bühne. Ihre Mischung aus hyperaktiven Hardcore-Songs und Midtempo-Mitgröhlstücken war erneut ansteckend und der Spaß, den die fünf auf der Bühne zu haben schienen, übertrug sich mühelos auf das anfangs noch recht scheue und Sicherheitsabstand wahrende Publikum.

Stand Fast
Nach exakt 30 Minuten war Schluss, der strenge Zeitplan musste scheinbar eingehalten werden. Als nächstes dann All Aboard, die mich bislang live nicht immer überzeugt hatten. Gestern gab es musikalisch nichts zu meckern, sie rockten fett, das Bühnen-Outfit war gut gewählt (na gut, wer ein Off With Their Heads Shirt trägt, hat bei mir immer einen Stein im Brett) und auch der Raum vor der Bühne war nun sehr gut gefüllt und bereit zur Party. Nur Sänger David wirkte nicht so gut drauf, nöhlte mal hier mal da etwas rum und schien nicht so richtig bei der Sache zu sein. Vielleicht wirds beim nächsten Mal ein rundum gelungener Auftritt.

All Aboard
Nothington wechseln ja live häufiger die Musiker. Letztes Jahr half der Bassist von Spanish Gamble aus, dieses Mal Tim Browne, der Sänger von Elway, am Schlagzeug. Eigentlich sollte er auch noch solo ein paar Songs spielen, doch auf Grund des engen Zeitrahmens fiel sein Auftritt leider aus, da um 23 Uhr Schicht sein musste.

Nothington
Inzwischen war es richtig voll im MTC und die Luft zum Schneiden. Die ersten beiden Stücke war das Publikum noch etwas zurückhaltend, doch bei A Mistake wurden dann die Fäuste in die Luft gereckt, mitgegröhlt und dem Bewegungsdrang hemmungslos gefröhnt. Ab da war auch der Band der Spaß am Konzert nicht mehr aus dem Gesicht zu bekommen und sie rockten sich mit Hochgeschwindigkeit durch ihr Set. Dabei mischten sie die Songs ihrer bislang drei Alben bunt durcheinander, wobei der Auftritt wie aus einem Guss wirkte und auch von der Reaktion des Publikums kein Unterschied zwischen alten und neuen Liedern zu spüren war.

Nothington
Nach für ihre Verhältnisse langen 40 Minuten Spielzeit gingen sie das erste Mal von der Bühne, doch natürlich war noch Zeit für Zugaben. Dabei wurde dann kurzer Hand die Bühne von den Musikern von All Aboard und Stand Fast geentert, nachdem sie zuvor teilweise dezent im Hintergrund gestanden und vor allem Sänger Jay Northington immer wieder mit Getränken versorgt hatten. Mit Territorial Pissings von Nirvana schien es einen würdigen Schlusspunkt gegeben zu haben, aber es waren ja noch gut fünf Minuten Spielzeit über. Also setzte sich Jay die Brille auf, schnappte sich noch einmal die Gitarre und spielte fast solo This Time Last Year als erprobten Rausschmeißer.


Nothington bestätigten mühelos ihren Spitzenplatz in der Reihe der amerikanischen sogenannten Fest-Bands mit u. a. Dear Landlord und Banner Pilot, die ja als nächstes im August/September mal wieder vorbeischauen und nicht verpasst werden sollten.

Sonntag, 4. September 2011

The Riot Before

The Riot Before / Stand Fast / All Aboard! / Erik Ponti / Grim Goat

02.09.11 Café Lorenz, Münster

Eine Erinnerung an die alten Zeiten vor Fall des Ladenschlussgesetzes: warum stehen Studenten um sechs Uhr auf? Weil Aldi um halb sieben schließt. Aber diese Zeiten sind vorbei und vor allem in der vorlesungsfreien Zeit kann diese faule Pack daher erst recht ausschlafen und abends dann bis in die Puppen feiern. Und auch die Jugendzentren heutzutage sind nicht mehr das, was sie einmal waren. Zwar ist das Café Lorenz in Münster Teil des Stadtteilhauses Lorenz-Süd, einem "Ort der Begegnung und Kommunikation für Kinder, Jugendliche und Familien", aber da gehen auch nicht mehr abends um zehn oder spätestens elf Uhr die Lichter aus, da darf scheinbar bis in die Nacht Remmidemmi gemacht werden.
Warum diese (neiderfüllte) Tirade? The Riot Before spielten mit vier weiteren mehr oder weniger lokalen Bands im Café Lorenz und nach eher magerer Schlafausbeute aus den Nächten zuvor hatte ich etwas auf ein frühes Ende gehofft. Doch dem war nicht so. Direkt von der Arbeit nach Münster gekachelt, kam ich gegen 20 Uhr an in der Erwartung, die erste, vielleicht sogar die ersten zwei Bands verpasst zu haben.
Doch erst kurz nach acht eröffneten Grim Goat mit ihrem ersten Live-Auftritt überhaupt den Abend. Kehliger, moshiger Hardcore mit gelegentlichen Verspielern und Einsatzaussetzern war noch nie so mein Ding, also lieber mit einem Bierchen in der Hand nach draußen und die Abendsonne eines der seltenen schönen Sommertage dieses Jahr genießen. Erik Ponti hörte ich so nur teilweise von draußen, aber ihre Musik erinnerte mich an alte Noiserock-Bands vom Amphetamine Reptile-Label und klang somit interessant. Aber ich war zu faul und müde, um mich in die Halle aufzuraffen, ebenso erging es mir bei All Aboard!, denen ich nach ihrem meiner Meinung nach schwachen Auftritt im Mai im Vorprogramm von Dead To Me eigentlich eine neue Chance geben wollte. Und was nach draußen gelangte, klang auch deutlich besser, aber mein Hintern klebte geradezu auf einer Holzbank fest.
Doch danach überwand ich den inneren Schweinehund und schaute mir Stand Fast an. Letztes Jahr konnten sie neben Title Fight und den Shook Ones in Essen überzeugen und auch an diesem Abend machten sie einen mehr als guten Eindruck. Gute Songs und eine gute, lockere Bühnenpräsenz, da konnte zudem bei einem Heimspiel nichts schief gehen und so rockten sie das volle Haus entsprechend und mussten auch eine Zugabe geben. So war es mittlerweile schon halb zwölf, als endlich The Riot Before anfingen. Erst Anfang Juni waren mit dem Schlagzeuger und dem Bassisten zwei Gründungsmitglieder kurzfristig ausgestiegen und so gab es im Vergleich zum Auftritt in Köln vor zwei Jahren zwei neue Gesichter zu sehen, wobei der Drummer sogar erst frisch zur Europa-Tour zur Band gestoßen war. Wie damals begannen sie mit dem Doppelpack Fists Buried In Pockets / Threat Level Midnight. Und schon war Sänger Brett die erste Gitarrensaite gerissen (eine zweite sollte wenig später noch folgen). Aber All Aboard! halfen jedes Mal mit einem kostenlosen Roadie-Service aus und er konnte schnell weiterspielen.
Erstaunlicherweise stand nicht das aktuelle Album Rebellion im Mittelpunkt, auch wenn natürlich die Gassenhauer Back Stage Room oder The Oregon Trail gespielt wurden, sondern der Vorgänger Fists Buried In Pockets, der fast komplett gespielt wurde. Und bei Mitgröhl-Hits wie You Can't Sexy Dance To Punk Rock sang der zunächst noch gut gefüllte Saal lauthals mit. Aber dennoch dünnte die Menge leider nach und nach aus, was aber keinesfalls an der Band lag, die alles gab. Zwischendurch nahm Brett mal etwas den Fuß vom Gaspedal und erzeugte bei I Have The Books kurz Gänsehaut-Atmosphäre, die sich dann beim direkt anschließenden They Rode On In The Friscalating Dusklight wieder im Schweiße des Punkrocks legte. Nach nicht ganz einer Stunde und einer geleerten Whiskey-Flasche verabschiedeten sich The Riot Before mit Capillaries. Aber eine Zugabe wurde natürlich verlangt und gegeben und so setzte Tinnitus dann kurz nach halb eins den Schlusspunkt unter einen langen Abend.

The Riot Before
Einen Tinnitus bekam man übrigens nicht, denn der Sound im geräumigen Café Lorenz war sehr gut, so dass ich den Laden definitiv nicht das letzte mal aufgesucht haben werde, zumal im Oktober dort die unglaublich guten RVIVR zu Gast sein werden.

Montag, 16. Mai 2011

Dead To Me

Dead To Me / All Aboard! / Insert Coin

13.05.11 Café Nova, Essen

Fast auf den Tag genau vor sieben Monaten spielten Dead To Me bereits im gemütlichen Café Nova und weil es ihnen scheinbar damals so gut gefiel, schauten sie einfach noch einmal vorbei.
Zunächst jedoch eröfneten Insert Coin den Abend mit einem "Hallo Essen Rock City". Nun, diese Anrede gebührt zwar eigentlich nur Solingen, aber woher soll man das in der musikalischen Provinz Recklinghausen schon wissen? Doch so provinziell waren zum Glück Insert Coin nicht. Musikalisch haute mich ihr doch sehr traditioneller Emorock - The Artist In The Ambulance kennen sie bestimmt in- und auswendig - zwar nicht besonders vom Hocker, aber der Sänger gab sich alle Mühe, das Publikum anzuwärmen und gute Laune zu verbreiten, was ihm auch gelang. Da gab es schon viel schlechtere lokale Vorbands.
Als Beispiel seien All Aboard! aus Mönchengladbach genannt, die danach spielten. Hier konnte man The Gaslight Anthem deutlich als Haupteinfluss raushören, für meinen Geschmack sicherlich keine schlechte Wahl und auch der raue, schnodderige Gesang klang recht gut, doch ellenlange Stimmpausen, überbrückt mit schlechten Humoreinlagen des Schlagzeugers, sorgten dafür, dass der Auftritt doch recht langweilig war. Die Band selber schien auch nicht besonders zufrieden zu sein, daher will ich das mal mit schlechter Tagesform entschuldigen.
Dead To Me hatte ich ja bereits letztes Jahr an gleicher Stelle und zuletzt vor zweieinhalb Wochen im Vorprogramm der Descendents gesehen und beide Male hatten sie mich überzeugt. Ihr Punkrock ist abwechslungsreich, mal kann man die Pixies, mal die leider komplett vergessenen Flop heraushören, verfügt aber immer über genügend Biss, um auch das Publikum in Bewegung zu halten. Und so war es auch an diesem Abend, nach kurzer Aufwärmphase ging es im sehr gut gefüllten Café Nova wieder ordentlich ab und das, obwohl Gitarrist Sam ständig mit Mikrofon-Problemen zu kämpfen hatte. Die Band ließ sich davon aber nicht aus der Ruhe bringen und rockte gut 45 Minuten kräftig ab, wobei die älteren, straighten Songs im Vordergrund standen.
Neue Veröffentlichungen hatten sie zwar seit der Single Wait For It!, die sie letztes Jahr frisch zur Tour dabei hatten und von der sie Paystub spielten, nicht, aber immerhin gab es schon mal einen neuen Song zu hören, laut Setlist No Lullabyes betitelt und erst zum vierten Mal live gespielt. Ansonsten regierten die Klassiker von Cuban Ballerina, bei denen sich die Essener textsicher zeigten. By The Throat beendete den Auftritt mit einem Ausflug des Bassisten quer durchs Publikum.
Also von mir aus können sie in ein paar Monaten gerne wieder nach Essen kommen, denn diese Band kann man nicht oft genug sehen.

Dead To Me
Setlist:
True Intentions
Modern Muse
Splendid Isolation
Cause Of My Anger
Paystub
Arrythmic Palpitations
Ran That Scam
A Day Without A War
No Lullabyes
X
Don't Lie
Visiting Day
Something New
Little Brother
By The Throat