Montag, 30. April 2012

Chixdiggit / Nimrods

Chixdiggit / Nimrods / Feebles

27.04.12 Joe's, Oer-Erkenschwick

Was zum Teufel verschlägt eine kanadische Punkband wie Chixdiggit nach Oer-Erkensachwick? Solange ich denken kann, war in Erkenschwick immer tote Hose. Früher gab es zwar zu Pfingsten das Bullshit Festival auf einer Grillwiese am Rande der Haard, aber das war es auch mit Rockmusik. Abgehalfterte Schlagerfuzzis hingegen fielen regelmäßig in Scharen in die Stimberg-Stadt ein. Den Mangel an guter Live-Musik haben wohl auch noch andere empfunden, denn der örtliche Jugendverein JOE e.V. bemüht sich nun schon seit einiger Zeit, Bands in sein Vereinsheim zu locken und schaffte es diesmal, dass die Kanadier den Auftakt ihrer kurzen Europa-Tour dort begingen.
Gegen halb zehn gehörte die Bühne aber zunächst der Marler Band Feebles. In Bambi heißt es, wenn man nichts nettes sagen kann, soll man lieber schweigen. Nun, sie coverten nicht ohne Grund Saufen, Saufen, Saufen von den Schröders.

Nimrods
Nach einer halben Stunde war der Spuk vorbei und die Vorbereitungen für die Glamour-Show der Oberhausener Nimrods begannen. Vor gut einem Jahr hatten sie mich schon im Düsseldorfer Stone als Vorgruppe für Snuff überzeugt.und dieser Auftritt war sogar noch eine Steigerung.


We're Still The Nimrods als Opener machte gleich klar, was die gut 50 Zuschauer zu erwarten hatten: reichlich coole Posen, Sonnenbrillen und natürlich jede Menge Songs im Geiste Johnny Ramones. Die Bühne war groß genug, so dass so breitbeinig gerockt werden konnte, dass die Nähte der engen Jeans ächzten. Wunderkerzen und Konfetti-Kanonen kamen wieder zum Einsatz und eine geradezu Heavy Metal-taugliche Lichtanlage, die elegant die Faltenansätze des Trios weg leuchtete. Gecovert wurde auch, doch im Gegensatz zu den Feebles sehr geschmackvoll, mit Rock'n'Roll Is King vom Electric Light Orchestra und dem Klassiker Johnny B. Goode, der von Chixdiggit-Bassist Kepi Ghoulie gesungen wurde.


Auch die bekannten Stunteinlagen wie Gitarre hinterm Kopf spielen oder mal eben das Schlagzeug auseinander bauen und am Bühnenrand spielen, wurden unfallfrei vorgeführt und sorgten für Begeisterung.
Die Nimrods bewiesen auf jeden Fall, dass sie sich vor den Heerscharen amerikanischer Poppunk-Bands keineswegs verstecken müssen, ganz im Gegenteil.

Nimrods
Diesen furiosen Auftritt konnten danach zwar Chixdiggit nicht toppen, aber auch sie rockten das Haus und konnten sogar den an sich eher etwas trägen Erkenschwicker zum Pogo und sogar Stagediven bringen.
Wie schon vor einem Jahr in Düsseldorf fegten sie dabei quer durch ihre Diskografie. Der Soundcheck ging nahtlos in den Opener Welcome To The Daiso über und das Tempo hielten sie die kommende Stunde konstant hoch.
Sänger KJ war die gewohnte Rampensau, animierte die Zuschauer zum Mitsingen, zeigte sich auch so gut vorbereitet, dass er wusste, dass Leonardo Di Caprios Großmutter aus Erkenschwick stammte und schaffte es sogar fast, den Ortsnamen richtig auszusprechen.

Chixdiggit
Inklusive Zugaben spielten die Kanadier dabei gut 70 Minuten, in denen sie bestimmt an die 30 Lieder spielten. Der Auftritt jedenfalls machte soviel Spaß, dass man sich dieses Doppelpack der guten Laune nicht entgehen lassen sollte, wenn sie nächste Woche zusammen in Düsseldorf spielen werden.
Und den Betreibern vom Joe's wünsche ich, dass sie weiterhin internationale Bands ins kleine Oer-Erkenschwick locken können, denn der Sound und das Licht in dem ansonsten zwar etwas steril wirkenden Raum brauchen sich vor den Clubs der großen Städte nicht zu verstecken, ganz im Gegenteil.


Off With Their Heads

Off With Their Heads / Serbischer Männerpuff / Subwaste

25.04.12 Bla, Bonn

Im September 2010 war In Desolation, das zweite Album von Off With Their Heads gerade erst erschienen und die Band spielte rockte das Bla bei ihrem damals einzigen Deutschland-Konzert. Vor einem halben Jahr waren sie dann wieder auf Tour, diesmal als Special Guest von Samiam, die sie an die Wand spielten, zumindest meiner Meinung nach im FZW. Bevor sie im August auf deutschen Bühnen als Vorgruppe Boysetsfire das Fürchten lehren werden, schauten sie nun für eine kurze Tour vorbei und machten erneut im Bonner Bla Station und da es der einzige Gig in NRW war, musste ich auch unter der Woche den Weg in die ehemalige Hauptstadt auf mich nehmen.

Subwaste
Der Abend wurde eröffnet von den schwedischen Subwaste, die straighten 77er Punkrock in der Tradition von Bands wie den U.S. Bombs spielten und dies richtig gut machten. Die vier klangen fett und konnten so überzeugen, auch wenn sie natürlich das Rad dabei nicht neu erfanden..

Serbischer Männerpuff
Danach kam dann eine Bonner Band mit einem Namen, der hohe Erwartungen weckte. Doch der Serbische Männerpuff war leider so zahnlos wie die Damen vom Bukarester Straßenstrich. Mal wurde in bester HC-Punk-Manier gebollert, mal wurden aber auch Reggae-Elemente verwurstet und das Ganze leider mit einer bewegungsarmen, fast schon teilnahmslos und gelangweilt wirkenden Bühnenpräsenz vorgetragen, dass es nicht überzeugend oder gar mitreißend war. Schade, bei dem Bandnamen hatte ich mir einen Haufen böse aussehender Rampensäue erhofft, die alles in Grund und Boden rocken, aber dem war nicht so.


Off With Their Heads erschienen im Vergleich zur Tour mit Samiam personell verändert und zwar als Quartett. Neben einem zweiten Gitarristen saß diesmal Mikey Erg am Schlagzeug, den ich Ende November letzten Jahres noch solo ebenfalls im Bla gesehen hatte.

Mikey Erg / Off With Their Heads
Die bisherigen vier Male, die ich Off With Their Heads live gesehen habe, spielten sie ihr Set fast ohne Unterbrechungen durch und rissen einen dabei durch ihre Energie und natürlich ihre eingängigen, aber dennoch rotzigen Songs mit. An diesem Abend aber waren sie zum Scherzen aufgelegt, so dass etwas der Drive verloren ging, was dennoch den Unterhaltungswert des Konzerts nicht beeinträchtigte. So forderte Sänger Ryan Mikey auf, doch mal einen Ergs!-Song zu spielen, woraufhin er meinte, dass er aber nur die Drum-Parts spielen würde und zu Upstairs, Downstairs ansetzte, dem viertelstündigen Monster, dass er aber nach 20 Sekunden abbrach. Später "spielte" er noch die ersten Sekunden von Books About Miles Davis an, allerdings erneut nur die Drum-Parts (wer das Lied kennt, weiß, was er da tat, nämlich nichts). Zum Ende des regulären Sets kam dann mit den Hits wie Falling Down, Die Today und Clear The Air wieder gewohnte OWTH-Atmosphäre auf und das Publikum konnte seine Textsicherheit unter Beweis stellen.
Gastgeber Marc Gärtner, dessen jüngst erschienenes Foto-Fanzine Punxelated übrigens jedem nur wärmstens ans Herz gelegt werden kann, wurde dann bei der ersten Zugabe genötigt, ein Lied mit der Band zu singen, woraufhin er sich für das kurze Idiot entschied, um im gut zur Hälfte gefüllten Bla keine Massenpanik zu verursachen.


Nach gut 50 Minuten war dann endgültig Schluss und auch wenn der Auftritt nicht an das Schweiß treibende Konzert von vor gut anderthalb Jahren herankam, war es nichtsdestotrotz ein mehr als unterhaltsamer Abend.

Setlist Off With Their Heads

Sonntag, 22. April 2012

Dan Mangan

Dan Mangan / Zeus

19.04.12 Gebäude 9, Köln

Vor gut viereinhalb Monaten begeisterte Dan Mangan im ausverkauften Gleis 22 so sehr, dass eine Fahrt ins Gebäude 9 zum Pflichttermin wurde, auch wenn es das dritte Konzert dort innerhalb von sechs Tagen war und man den Weg vom Deutzer Bahnhof zum Club schon wie in Trance gehen konnte.
Das Gebäude 9 schien sehr voll zu werden (kurz vor ausverkauft), also gingen wir wegen guter Plätze so früh rein, dass wir den kompletten Auftritt der Vorgruppe Zeus ansehen mussten.

Zeus
Die Kanadier spielen normalerweise als Backing Band von Jason Collett, machen aber auch ihre eigene, um nicht zu sagen, eigenartige Musik. Und die klang, als würde eine Pavement-Coverband eine Zeitreise in die 70er Jahre machen, eine merkwürdige Mischung aus Hippie-Indie-Musik. Der eindruck wurde noch verstärkt durch das exaltierte Verhalten der Musiker auf der Bühne. Der Bassist und Keyboarder war offensichtlich ein Freund großer Posen, während der Gitarrist und ebenfalls Keyboarder manchmal ganz verzückt ob seines eigenen Spiels vor sich hin strahlte. Der zweite Gitarrist hingegen hielt sich offenbar wirklich für eine Inkarnation von Stephen Malkmus, denn er hatte seine Gesten und Mimik wohl genauestens studiert. Bezeichnenderweise war das überzeugendste Lied eine Coverversion, ausgerechnet That's All von Genesis.
Letztes Jahr in Münster bestritt Dan Mangans Begleitband The Crackling das Vorprogramm und konnte sich so schon vorab ein wenig austoben. Dies fehlte diesmal und vielleicht klangen sie deshalb so viel lauter und heftiger, dass in den ersten Stücken Dans Stimme kaum gegen sie ankam. Der Gitarrist bewegte sich wie ein Raubtier auf der Lauer über die Bühne, während der Bassist ständig in seinen Verstärker kriechen wollte. Bei Rows Of Houses wurde sogar eine Saite zerfetzt und unbeeindruckt weitergespielt.

Dan Mangan
Die Setlist bestand wieder fast ausschließlich aus Songs der letzten beiden Alben, wobei Oh Fortune bis auf Daffodil komplett gespielt wurde. Es schien mir aber, dass es Absicht war, lauter zu spielen, da es im regulären Set mit Basket auch nur ein kurzes akustisches Intermezzo mit Dan solo auf der Bühne gab, was im Gleis häufiger vorkam. Dennoch litt darunter die intime Atmosphäre nicht, zumal sich selbst die sonst so gesprächigen Kölner während der ruhigen Passagen zurück hielten. Das Publikum wurde auch wieder eingebunden bei Robots und der ersten, ebenfalls solo vorgetragenen Zugabe The Indie Queens Are Waiting und überraschte bei letzterem Mangan durch seinen punktgenauen Einsatz.
Zum Abschluss wurde dann ein Stuhl hervorgeholt, auf dem sich Dan dann mitten im Publikum platzierte und auch wieder mit gesanglicher Unterstützung vor allem der anwesenden Indie Queens nach fast 100 Minuten als allerletzte Zugabe So Much For Everyone spielte, übrigens das einzige Lied aus seinem ersten Album Postcards And Daydreaming im Set.

Dan Mangan
Es war erneut ein toller Auftritt, auch wenn das Gebäude 9 atmosphärisch nicht ans Gleis 22 heranreichen konnte.

Setlist (wieder einmal schamlos geklaut von Christoph):
About As Helpful As You Can Be Without Being Any Help At All
Oh Fortune
Leaves, Tree, Forest
Sold
If I Am Dead
Post-War Blues
Basket
Starts With Them, Ends With Us
How Darwinian
Robots
Rows Of Houses
Regarding Death And Dying
Jeopardy
-----------------------------------------------------------------------
The Indie Queens Are Waiting
Pine For Cedars
Fair Verona
So Much For Everyone

Hanson Brothers

Hanson Brothers / Billy Goat Heaven

18.04.12 Bahnhof Langendreer, Bochum

Was machen Kanadier, wenn sie Langeweile haben? Bier trinken und Eishockey schauen. Wenn Nomeansno daher mal eine kleine Pause einlegen, holen sie ihre Trikots aus dem Schrank und gehen als Hanson Brothers auf Tour und singen über ihren Lieblingssport zur Musik im Stile der Ramones.

Hanson Brothers
Und da es sich mit Freunden angenehmer reist, luden sich die Hanson Brothers ihre Nachbarn Invasives ein, die bereits 2007 eine Europa-Tour von Nomeansno als Support eröffneten. Und auch die Invasives führen ein Doppelleben. Für diese letzte Woche der gemeinsamen Tour traten sie nur zu zweit unter dem Namen Billy Goat Heaven auf, laut ihrer Webseite sogar eine Live-Premiere.

Billy Goat Heaven
Musikalisch gefielen mir die Invasives damals nicht so toll, vor allem nervte die hohe Stimme in Verbindung mit den zum Teil vertrackteren Melodien. Billy Goat Heaven hingegen zündeten sofort, erinnerten mit ihrer Kombination aus Bass und Schlagzeug an die jüngst reformierten fIREHOSE, so dass hier auch der Gesang passte. Den Anwesenden schien es ähnlich zu ergehen, rückten sie doch Stück für Stück näher an die Bühne und spendeten mehr und mehr Applaus. Das Set bestand aus Invasives-Songs, eigenen Stücken und der ein oder anderen Coverversion, u. a. Let Me Roll It von den Wings.

Zaungäste bei Billy Goat Heaven
Zwischendurch schauten die Hanson Brothers mal vom Rande der Bühne zu und brachen direkt in ein wildes Squaredance-Gehüpfe rund um den Merchstand aus. Am Ende durften Billy Goat Heaven sogar eine Zugabe geben, so gut hatte es allen gefallen.


Wer Nomeansno schon einmal live gesehen hat und wer hat das eigentlich nicht, sind sie doch in der Regel zweimal im Jahr in Europa unterwegs, kennt ihren Humor auf der Bühne. Bei den Hanson Brothers wird dies alles noch getoppt, es herrscht konstantes Chaos.

Hanson Brothers
Neben den vier Musikern, Rob Wright und Tom Holliston von Nomeansno wie gewohnt an Gitarre und Bass und Schlagzeuger John Wright als Rampensau sowie der obligatorischen Vertretung an den Drums, diesmal durch Mike Branum von den befreundeten The Freak Accident, alle stilecht mit Eishockey-Trikots bekleidet, wurde die Bühne noch von Schiedsrichtern flankiert, den Invasives, die aufpassten, dass sich die Hanson Brothers auch ja benahmen. Diese taten ihnen natürlich nicht den Gefallen und so mussten sie ständig einschreiten.


Manchmal wusste man gar nicht, wohin man zuerst schauen sollte. Tom zog die Rolle des tumben Freaks durch mit einem Gesichtsausdruck, dessen Einfältigkeit einfach grandios war. Rob mit Torwartmaske, auf der "Dumb" stand,  verlangte immer mal wieder nach Drogen, während Schlagzeuger Mike Grimassen zog und sich mit den Drumsticks in der Nase bohrte. Dazu poste John vor sich hin, raunzte seine Bandkollegen an und scheute auch nicht davor zurück, einen Zuschauer, der sich auf den Bühnenrand setzen wollte, mal quer durch den Saal zu jagen. Mangels neuen Materials gab es natürlich nur die Gassenhauer der drei Platten, die dennoch immer mal wieder als ein Stück von einem neuen imaginären Album angekündigt wurden.

Hanson Brothers
Als erste Zugabe gab es dann auch noch eine Tanzeinlage zu übler Discomucke, ehe als letzter Song die Verbeugung vor einem der größten deutschen Entertainer mit You Can't Hide The Heino den feucht-fröhlichen Abend beendete.




Mittwoch, 18. April 2012

A Place To Bury Strangers

A Place To Bury Strangers

16.04.12 Gebäude 9, Köln

Es soll Leute geben, die empfanden den Auftritt von The Twilight Sad im Gebäude 9 zwei Tage zuvor als laut.  Ihr Unwissenden, nicht umsonst verkauft die Band bei ihrem Merchandise auch Ohrstöpsel.
In froher Erwartung des Hörsturzes, der noch kommen sollte, wurde die Vorgruppe The Sun And The Wolf einfach ignoriert. Kurz nach zehn ging es dann mit Ego Death los. Diverse Projektoren und reichlich Nebel sorgten für die passende Atmosphäre des gut einstündigen Gewitters, das über Köln hereinbrach.


Im Gepäck hatten die drei New Yorker ihre neue EP Onwards To The Wall, auf der sie ihrem Sound in der Tradition der frühen The Jesus & Mary Chain treu bleiben. Live war es nach dem brachialen Auftakt zunächst fast ungewohnt sanft. Zwar schredderte die Gitarre ständig vor sich hin, aber zwei, drei Stücke in einem sehr erträglichen, fast poppigen Rahmen. Doch merklich steigerte sich die Lautstärke, das Feedback nahm zu und da die Band fast komplett auf Ansagen verzichtete, verdichtete sich das Set mal wieder zu einem gigantischen Stück.

A Place To Bury Strangers
Einem Schrei eines Tyrannosaurus Rex gleich heulte manchmal die Gitarre dabei aus den Nebelwänden auf. Wie schon letztes Jahr in Münster kulminierte das Ganze dann bei I Lived My Life To Stand In The Shadow Of Your Heart, das nahtlos in Ocean überging und ein viertelstündiges Finale furioso bildete, nachdem die Band dann nach einer Spielzeit von gut 50 Minuten die Bühne verließ.

A Place To Bury Strangers
Hartnäckig erklatschte sich das Publikum aber sogar noch eine Zugabe, bei der noch einmal die Nebelmaschine alle zu Nothing Will Surprise Me einhüllte. Nach über einer Stunde wankten dann alle erschlagen aber zufrieden in die Nacht.