Freitag, 17. Mai 2013

Astronautalis

Astronautalis / Conquering Animal Sound

15.05.13 Druckluft, Oberhausen

Ich war auf einem Hip Hop Konzert und es hat gerockt. Bislang konnte ich dieses nur in Zusammenhang mit den Beastie Boys behaupten, doch seit Mittwoch wurde mein Horizont erweitert.

Die Spielwiese von Conquering Animal Sound

Jahrelang war Astronautalis irgendwie an mir vorbei gegangen, auch wenn Bekannte immer wieder von dem weißen Amerikaner Andy Bothwell geschwärmt haben. Sein aktuelles Album This Is Our Science ist nun schon zwei Jahre alt und zum ersten Mal ist er mit Band damit in Europa unterwegs (sonst war er alleine mit seinem Laptop auf Tour). Ein kurzer Click durch diverse YouTube-Videos und ich wusste, dass der Auftritt im Druckluft nicht ohne mich stattfinden würde, zumal mit Conquering Animal Sound auch noch ein interessantes schottisches Elektronik-Duo mit auf der Bühne stand.

Conquering Animal Sound
Conquering Animal Sound kommen aus Glasgow und bestehen aus James Scott und Anneke Kampmann (welch typisch schottischer Name). Ihr gerade erschienenes zweites Album On Floating Bodies erschien bei Chemikal Underground, was schon Kaufempfehlung genug sein sollte.
Die Bühne bestand aus einem Keyboard-Regal und einem Tisch voller Spielzeug, Laptops und auch nicht-elektronischem Gerät. Hier tobte sich hauptsächlich James, auch optisch ein typischer Schotte, aus, während Anneke hauptsächlich für den Gesang zuständig war. Ihre Stimme erinnert auf Platte manchmal sehr an Björk und auch Lena Meyer-Landrut, doch live relativierte sich dieser Eindruck zum Glück. Vor allem Annekes Bühnenpräsenz ist beeindruckend. Nur selten wirkte sie so introvertiert wie ihre Musik und hatte die Augen geschlossen, meistens suchte sie den direkten Blickkontakt mit dem Publikum.


Nach vierzig Minuten war der gelungene Auftritt vorbei und man konnte am Merch-Stand sehen, dass das Duo an diesem Abend neue Freunde gewonnen hatte.
Anschließend wurde das Spielzeug abgeräumt, der Tisch blieb aber auf der Bühne, denn darauf platzierte Andy Bothwell aka Astronautalis sein Equipment, ein Tablet, das für die elektronischen Sounds verantwortlich war, während Schlagzeug und Gitarre live gespielt wurden.

Astronautalis

Da live die Gitarre natürlich viel prominenter als auf den Alben von Astronaulis war, entwickelte sich von Anfang an ein Indierock-Konzert mit einem mehr rappenden als singendem Frontmann. Und die ca. 100 Besucher im gut gefüllten Druckluft groovten sofort mit. Bothwell versprühte eine so positive, mitreißende Energie, die einfach ansteckte und als Rapper ist er ein erfahrener Wortakrobat, der einfach weiß, wie man mit kleinen Geschichten das Publikum unterhält.


So erzählte er Anekdoten von seinem letzten Aufenthalt in Oberhausen, wie er sich ein Tattoo stechen ließ und nahm auch die Geschichte von Conquering Animal Sound auf, die zwischen Soundcheck und Auftritt ins Hotel eincheckten und auf dem Weg dahin von der Polizei angehalten wurden, um seine Erfahrungen mit der deutschen Obrigkeit zum Besten zu geben. Überhaupt fand er sehr lobende Worte für Conquering Animal Sound, die den zweiten von nur drei Auftritten im Vorprogramm von Astronautalis spielten. Tags zuvor in Gleis 22 hatte er sie nur durch die geschlossene Tür zum Backstage-Raum gehört und heute hatte er ihr Set neben der Bühne verfolgt und war nach eigener Aussage total beeindruckt.


Diese freundlichen Worte passten zu seinem ganzen Bühnenverhalten. Hier kombinierte er die Energie eines Rock-Sängers mit den Gesten eines Hip Hoppers, alles immer mit einem erfreuten Lächeln im Gesicht, wenn das Publikum mitsang oder sonst irgendwie positiv reagierte und das tat es ständig.
Musikalisch gab es alle Hits aus den beiden Alben Pomegrante und This Is Our Science, aber auch einen neuen Song mit dem vorläufigen Arbeitstitel Force Fire. Ein Höhepunkt war aber das bei Astronautalis live zum festen Repertoire gehörende Freestyle-Segment, bei dem Bothwell sich wahllose Begriffe aus dem Publikum zurufen ließ, um darüber zu rappen. Oberhausen zeigte sich hierbei kreativ und schlug ihm u. a. Heisenberg, "cod liver oil" und Detlef Schrempf vor, die er auch alle mühelos unterbrachte.
Nach gut siebzig Minuten war zunächst Schluss, doch natürlich gab es eine Zugabe und hier drehten Astronautalis noch einmal so richtig auf und brachten vor allem mit Trouble Hunters auch die Anwesenden zum Mitgröhlen oder wie Andy sagte: "If you know the words, sing along; if you don't, just yell".


Kurz vor Mitternacht war dann eines der bisherigen Konzerte des Jahres vorüber und ich wusste, warum meine Bekannte so von ihm schwärmte.

1 Kommentar:

  1. Roy der Zerstörer17. Mai 2013 um 16:05

    Die Beschreibung trifft das Konzert recht gut. Bei der Geschichte mit dem Tattoo hat er sich selbst vertan. Das muss bei seinem VORletzen Aufenthalt in Oberhausen gewesen sein, da er die gleiche Anekdote bereits auf dem Konzert im letzten Jahr erzählt hat. ;)

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