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Dienstag, 25. September 2012

Japandroids

Japandroids / Paws

22.09.12 Gleis 22, Münster

Muss eine Band, die bislang eines der besten Alben des Jahres veröffentlicht hat und die einen zudem live schon begeistert hat, nicht zwangsläufig das Konzert des Jahres spielen? Nur, wenn zwangsläufig im Pokal die unterklassigen Vereine immer gegen Erstligisten ausscheiden.
Dennoch hatte ich sehr hohe Erwartungen an den Auftritt der Japandroids im Gleis 22, denn Celebration Rock ist für mich das perfekte Rock-Album des Jahres, deutlich kompakter und auf den Punkt als der Vorgänger Post-Nothing.
Dementsprechend war das Gleis auch ausverkauft und wartete mit einer Premiere für mich auf. Vor der Bühne stand auf einmal ein Absperrgitter, wie man es sonst nur von größeren Hallen kennt.Befürchtete man so eine wilde Party, dass die Leute auf die Bühne purzeln könnten? Derartige Konzerte gab es im Gleis schon öfter, ich erinnere mich hier gerne an wilde Shows der New Bomb Turks oder von Gluecifer, wo aber letztlich auch ohne Barriere die Bühne halbwegs für die Musiker begehbar blieb.

Paws
Bei der Vorgruppe Paws aus Glasgow war die Absperrung jedenfalls noch nicht nötig, damit machten die drei Schotten ordentlich Dampf. Bislang haben sie erst ein paar EPs veröffentlicht. doch das erste Album wird nächsten Monat erscheinen. Bei ihrem allerersten Deutschland-Konzert stellten sie bereits ein paar Songs daraus vor. Musikalisch klangen deutlich amerikanische Bands aus den Anfängen der 90er durch, Pixies, auch Guided By Voices, wie es ansatzweise durch die Cloud Nothings wieder in Mode gekommen ist, alles aber gerne auch mal mit Turbo eingespielt. Hierbei tat sich vor allem der Schlagzeuger hervor, der vor allem bei den schnellen Songs wie Misled Youth geradezu explodierte, um danach kurz vor dem Kollaps über seinem Drumkit zusammenzubrechen, dies einer Erkältung geschuldet. Vor allem die punkigen Momente überzeugten und machten Lust auf mehr.


Danach wurde es dann vor der Bühne immer voller, alles erwartete den Auftritt des kanadischen Duos Japandroids. Der Vorhang öffnete sich und Gitarrist kündigte das erste Lied The Boys Are Leaving Town als Aufwärmnummer an, da die Band erst recht spät am Gleis angekommen sei, da sie im Stau auf dem Weg von Hamburg nach Münster aufgehalten worden sei und daher noch ein wenig am Live-Sound feilen müsse.
Mit Adrenaline Nightshift folgte gleich der erste Kracher von Celebration Rock und ins Publikum kam Bewegung. Parallel dazu meldete meine Kamera vollen Speicher, da ich meine Speicherkarte zu Hause gelassen hatte und der interne Speicher bereits gefüllt war mit dem Paws-Video.
Einen gröberen Patzer fast in Guttenberg-Tradition leistete sich aber Sänger Brian, als er das älteste Stück des Abends von No Singles ansagte, als sei es ihr eigener Song, handelte es sich aber dabei jedoch um das Cover To Hell With Good Intentions von Mclusky. Zur Strafe kam die Version auch nicht an das Original ran. In der Folge wechselten sich Stücke von Post-Nothing mit den neuen Songs munter ab, immer nur unterbrochen von Stimm-Einlagen, wozu Brian meinte, dass man eine gute Rockshow daran erkennen könne, wie oft nachgestimmt werden muss, denn daran könnte man erkennen, wie hart der Musiker arbeite.
Dadurch wirkte das Set leider etwas zerfasert und erst zum Ende hin kam deutlich mehr Stringenz rein, da hier auch die Übergänge von neu zu alt mit The House That Heaven Built und Crazy/Forever und Sovereignty besser passten. Doch wie auf Platte war live der Höhepunkt das langsamste Stück Continuous Thunder, vor dem Brian auch noch einmal extra darauf hinwies, dass dies auch sein Liebling sei. Trotz des geringeren Tempos wurde hier deutlich, über welche Energie dieses Duo verfügt und ähnliche Acts wie die auch sehr guten Two Gallants jederzeit an die Wand spielen kann.
Das Gun Club-Cover For The Love Of Ivy mit ausuferndem Finale beendete dann nach gut 80 Minuten den zugabenlosen Auftritt.

Japandroids

Die Japandroids spielten somit zwar ein richtig gutes Konzert, aber eben nicht das Highlight des Jahres. Dafür war die Show für meinen Geschmack zu lang, so komisch es auch klingen mag. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau wie bei den Bayern, wenn sie ihrer Favoritenrolle nicht gerecht und mal wieder nur Zweiter werden.

Setlist:
The Boys Are Leaving Town
Adrenaline Nightshift
Fire's Highway
To Hell With Good Intentions
Heart Sweats
Younger Us
Rockers East Vancouver
The Night Of Wine And Roses
Evil's Sway
Wet Hair
The House That Heaven Built
Crazy/Forever
Sovereignty
Continuous Thunder
Young Hearts Spark Fire
For The Love Of Ivy

Montag, 13. September 2010

Phono Pop Festival

5. Phono Pop Festival

w/ Get Well Soon / Japandroids / Turbostaat / Trip Fontaine / Health / Urlaub In Polen

09.07.10 Opel-Gelände, Rüsselsheim

Ein nettes kleines Festival direkt am Rüsselsheimer Bahnhof im Innenhof des Opel-Werksgeländes:

Urlaub In Polen
Sie lieferten die Hintergrundmusik, als ich ankam und erst einmal das Gelände abcheckte. Der Innenhof lieferte an diesem heißen Sommertag geügend Schatten, die Getränke waren günstig und gut gekühlt, das Publikum überschaubar und die Musikgut, es konnte also nur ein netter Abend werden.

Health
Trotz Soundproblemen, die vor allem dem Sänger gehörig auf die Nerven zu gehen schienen, war es ein gelungener Auftritt, weil einfach die Musik überragend ist. Gespielt wurde fast das komplette Get Color-Album und zum Abschluss gabs die neue Single USA Boys.

Trip Fontaine
Auch sie wurden als Hintergrundmusik missbraucht beim Schlendern über das Gelände und einem kleinen Imbiss.

Turbostaat
Sie klingen wie eine Mischung aus Oma Hans und Muff Potter und bewegen sich inzwischen so souverän auch auf größeren Festivalbühnen, dass man sie getrost als legitime Erben von letzteren bezeichnen kann und das nicht nur wegen der Bühnendeko mit Stehlampe.

Japandroids
Für mich das Highlight des Abends, brachten sie das kleine, zu den Seiten hin offene Zelt, das als zweite (Mini-)Bühne fungierte, locker zum Kochen. Klingt das kanadische Duo auf Platte manchmal etwas zu schrammelig, rockten sie live wie Hölle mit unglaublichem Hitpotential.

Get Well Soon
Ich mag sie nicht und ihr pathetischer Cinemascope-Sound bestätigte meine Meinung, zu schnarchig-getragen das alles, aber der ideale Abschluss, um die S-Bahn Richtung Frankfurt nicht zu verpassen.



Health