Montag, 31. Dezember 2012

Best Of 2012


Kurz vor Toresschluss die Favoriten des Jahres...

Beste Konzerte 


Halde Haniel

  • Boredoms (Bottrop - Halde Haniel)
Es gibt Abende, die sind einfach perfekt.
  • Conmoto / Leitkegel (Solingen - Waldmeister)
Das Rockkonzert des Jahres.
  • We Are Augustines (Köln - Luxor)
Emo im besten Sinne des Wortes, mitreißend und ergreifend.
  • Scott Matthew (Dortmund - Schauspielhaus)
Die Small Beast-Reihe im Schauspielhaus ist immer einen Besuch wert.
  • Olympic Swimmers (Glasgow - King Tut's)
Wenn Susie Smillie singt, geht einem einfach das Herz auf..
  • Chvrches (Glasgow - Stereo)
Wie die Olympic Swimmers bislang noch nie in Deutschland live zu sehen, daher ging der Berg zum Propheten...
  • Sleepmakeswaves (Duisburg - Steinbruch)
Das Postrock-Konzert des Jahres.
  • Admiral Fallow (Dortmund - FZW)
Umwerfend, da wurden selbst die wenigen steifen Anwesenden lebendig.
  • Nada Surf (Dortmund - FZW)
Kleiner Rahmen, dazu ein akustischer Auftritt, einfach großartig.
  • The Unwinding Hours (Berlin - Magnet)
Viele gute Auftritte auf der Tour, aber das Berliner Publikum gab den Ausschlag.


Es gibt leichtere Aufgaben, als zehn Konzerte von 74 besuchten auszuwählen. Ebenfalls verdient gehabt hätten es:
Dear Reader (Dortmund - Schauspielhaus)
Keine Zähne Im Maul Aber La Paloma Pfeifen (Münster - Gleis 22)
The Maccabees / We Are Augustines (Köln - Gebäude 9)
Tu Fawning (Dortmund - FZW)
Turbostaat (Düsseldorf - The Tube)
The Unwinding Hours (Münster - Gleis 22)


Beste Alben 

  • eaststrikewest - We're Important And We Keep The City Running. We're Important. We're Important. We're Important.
Tolle Mischung aus Postrock und epischem Britpop, die Band löste sich leider kurz vor Veröffentlichung des Albums auf.
  • Japandroids - Celebration Rock
Hier wird im wahrsten Sinne des Wortes Rock zelebriert.
  • Forgetters - Forgetters
Es gibt ein Leben nach Jawbreaker, um Längen besser als die erste EP.
  • Olympic Swimmers - No Flags Will Fly
Die Herz erwärmende Seite Glasgows.
  • Swearin' - Swearin'
.Da Iron Chic und RVIVR dieses Jahr eine Pause machten, gehört Swearin' der Punkrock-Thron.
  • Swans - The Seer
Das Adjektiv kompromisslos wird häufig in Zusammenhang mit den Swans verwendet, zu Recht.
  • The Unwinding Hours - Afterlives
Sie sind leiser geworden, aber nicht schlechter.
  • Keine Zähne Im Maul Aber La Paloma Pfeifen - Postsexuell
Bandname des Jahres, deutschsprachiges Album des Jahres
  • Cheap Girls - Giant Orange
Wie bei Swearin' folgt hier Hit auf Hit zum Mitsingen.
  • Dry The River - Shallow Bed
Das reguläre Album ist schon toll, orchestraler Indie-Pop/-Folk, aber die akustische Bonus-CD ist der eigentliche Hammer.


Und natürlich gab es noch viele weitere tolle Alben, die es nur knapp nicht in meine Top Ten geschafft haben:
Admiral Fallow - Tree Bursts In Snow
Antlered Man - Giftes 1&2
Botanica - What Do You Believe In
David Byrne & St. Vincent - Love This Giant
Captain Planet - Treibeis
Cloud Nothings - Attack On Memory
Divorce - Dicorce
I Build Collapsible Mountains - Songs From That Never Scene
La Sera - Sees The Light
Leitkegel - Raketenwissenschaft
Mono - For My Parents
Bob Mould - Silver Age
Mount Eerie - Ocean Roar
Nada Surf - The Stars Are Indifferent To Astronomy
Oberhofer - Time Capsules II
Sisterkingkong - She Sees Wolves
Tu Fawning - A Monument


Beste Songs

Chvrches - I Would Die For V

  • Chvrches - I Would Die For V
Iain Cook von The Unwinding Hours und Martin Doherty, Ex-Keyboarder von The Twilight Sad, rocken die Disco. Die erste EP und der Live-Auftritt machen Lust auf ein Album, das es vermutlich 2013 in die Top Ten schaffen wird, und dieses Prince-Cover aus einer Radio-Session setzt noch einen oben drauf.
  • Conmoto - Wir haben einen Auftrag
...und der ist ganz schlecht bezahlt, wird aber bravourös erfüllt.
  • Keine Zähne Im Maul Aber La Paloma Pfeifen - Leb so, dass es alle wissen wollen
Das moderne Paul ist tot - sag ja zum Leben.
  • Eat Lights Become Lights - Bound For Magic Mountain
So würden NEU! heute wohl klingen, bzw. Eat Lights Become Lights klingen wie NEU! damals.
  • Scott Walker - Epizootics!
 Auf Albumlänge ist er fast nicht zu ertragen, aber diese zehn Minuten sind großartig.
  • Forgetters - Turn Away
 Neben dem Human League-Cover Seconds das herausragende Stück des Albums.
  • Japandroids - Continuous Thunder
Episches Ende eines herausragenden Albums.
  • Scofferlane - Home
Russendisko mal anders.
  • Phillip Boa & The Voodooclub - When The Wall Of Voodoo Breaks
Er hat immer noch ein Händchen für diese unpeinlichen Schunkel-Hymnen.
  • La Sera - How Far We've Come Now
Der bessere Shoegaze als die Kritiker-Lieblinge Beach House.


Ausblick auf 2013:
Mudhoney werden im Mai mit neuem Album das erste Mal seit Jahren wieder auf richtige Deutschland-Tournee gehen, aber bereits in der Woche nach Ostern feiern Rocket From The Crypt ihre Wiederauferstehung mit fünf Konzerten in Europa und das erste findet in Berlin statt - ich bin dabei.

Sonntag, 30. Dezember 2012

Frau Potz

Frau Potz / KMPFSPRT / Supermutant

27.12.12 Druckluft, Oberhausen

An Tagen wie diesen bahnen wir uns den altbekannten Weg bis hin zu der Musik, wo alles laut ist, wo alle drauf sind um duchzudrehen, wo die anderen warten, um mit uns zu starten und abzugehen.
Diese Worte aus dem wohl schlimmsten Lied des Jahres könnten als Motto für das letzte Konzert in 2012 dienen. Raus aus der Stadt, in der an diesem Abend Die Toten Hosen mit ihrem Schlagerpunk gastierten  und rein ins Druckluft, um sich stattdessen drei hoffnungsvolle Nachwuchsbands anzuschauen.

Supermutant

Drei Jahre haben Supermutant aus Mönchengladbach gebraucht, um nach der ersten EP endlich ihr erstes Album FRVR zu veröffentlichen und es ist eine etwas zwiespältige Angelegenheit geworden. Musikalisch in seichterem Fahrwasser als z. B. die Label-Kollegen von Captain Planet, gefallen mir die perlenden Gitarren sehr gut, aber der Gesang und die Texte sind leider manchmal etwas arg tomtig. Diesen Eindruck konnten sie auch live nicht wegwischen. Dennoch ein sehr gefälliger Auftritt mit durchaus mehr Biss als auf Platte, unter anderem durch das Matula-Cover Over The Top und einem Stück von der EP.


Nach sehr kurzer Umbaupause ging es dann weiter mit KMPFSPRT aus Köln, die hatten mich schon beim Pfingst-Open-Air in Essen überzeugt. Und wieder rockten sie gut ab, hatten auch neue Songs von ihrem irgendwann mal erscheinenden ersten Longplayer dabei, die allerdings noch nicht so recht zündeten. Ein Stück wurde als Tribut an Bands wie No Use For A Name angekündigt und klang auch so, allerdings deutlich schlechter. Covert doch einfach eure Vorbilder, anstatt sie mäßig zu kopieren.

KMPFSPRT

Ansonsten gab es aber nichts zu meckern und das immer voller werdende Druckluft zeigte auch Bewegungsfreude, vor allem beim abschließenden Affengeld.
Frau Potz ernteten dieses Jahr für ihr erstes Album Lehnt dankend ab durch die Bank überschwängliches Kritikerlob, konnten mich aber auf Grund des Gesangs nicht komplett überzeugen. Oma Hans scheint eine gute Bekannte von Frau Potz zu sein, ist sie mir doch direkt ins Ohr gesprungen. Wahrscheinlich haben die Damen regelmäßig Rezepte getauscht.

Frau Potz

Das Markenzeichen der Band ist sicherlich der keifende Gesang von Gitarrist Felix, der auch bei einigen Songs wie der Fuß in die Eier passt, aber auf kompletter Albumlänge dann doch nervt, zumindest mich. Beim Opener Brockenheim, der wunderbaren Abrechnung mit der Szene-Polizei, war diese Angepisstheit jedoch genau richtig. Und das aufgescheuchte Vieh flatterte auch von Anfang an heftig in der Legebatterie Druckluft umher, manchmal sogar so ungestüm, dass Felix zweimal seinen Mikro-Ständer zu fressen bekam. Ansonsten wurde mitgesungen und vor allem Schlagzeuger Kerli Kawumski abgefeiert, der zum Jahresende die Band verlässt.
Aber als Fels in der Brandung hatte ich noch ein Knöllchen zu verteilen, denn leider ist Oma Hans nicht der einzige Einfluss bei Frau Potz. Sie scheinen auch öfter mal Campino genascht zu haben, denn bei Stücken wie Klockenschooster tropfte das Altbier aus der toten Hose, allerdings noch aus der Sturm-und-Drang-Phase, also durchaus erträglich.
Nach einer Stunde war Schluss, bzw. Zeit für die Zugabe und als Finale wurde endlich Ach, Heiner gespielt, der Saal gröhlte "Scheißegal, obs gut ist, solang es gut erscheint", während Felix und Bassist die Bühne veräießen und Drummer Kerli die letzten Akkorde zum Abschied überließen.


Auch wenn ich bei jeder der drei Bands an diesem Abend ein Haar in der Suppe gefunden habe, waren sie dennoch jede bestimmt besser als die bierseelige Fanmeilen-Beschallung in der Westfalenhalle.

Sonntag, 23. Dezember 2012

Fehlfarben

Fehlfarben / Peter Hein

20.12.12 Werkstadt, Witten

Keine Atempause, Konzerte werden besucht... Nachdem schon mehrmals dieses Jahr der Vergleich zu Fehlfarben gezogen wurde, nämlich bei den Auftritten von Messer und Keine Zähne Im Maul Aber La Paloma Pfeifen, bot sich tatsächlich noch die Gelegenheit, die Altmeister auf ihre heutige Relevanz zu prüfen.
Im September hatten sie ihr neuestes Album Xenophonie veröffentlicht, auf der Tour dazu hatte ich sie verpasst, aber zum Glück spielten sie noch einmal in der Region, zwar mit Witten in einem konzerttechnisch eher provinziellen Teil, aber immerhin.

Peter Hein

Die kleine Werkstadt bot zunächst ein etwas seltsames Bild, auf der Bühne stand ein Rednerpult und davor lagen verstreut mehrere große Kissen im Raum, die zum Rumlümmeln einluden. Die Erleuchtung setzte ein, als Peter Hein, der Kopf der Fehlfarben, mit Büchern und Zetteln unter dem Arm ans Pult trat und den Abend solo und uninstrumentiert eröffnete. Scheinbar hatte man gedacht, dass man einer Lesung bequemer im Sitzen lauschen konnte, die wenigen Anwesenden ignorierten das Angebot aber geflissentlich. Hein las Passagen aus seinen Büchern und auch bislang unveröffentlichte Passagen vom Blatt. Alles drehte sich dabei um die Musik und das Leben damit, z. B. die Fahrten in die Bochumer Zeche Anfang der 80er  in der dies einer der besten Konzertläden war, den man auch mal aus dem mondänen Düsseldorf besuchte und auch einer der ersten Fehlfarben-Auftritte dort im Vorprogramm der Flaming Groovies. Während der Lesung wirkte Hein etwas unsortiert, entschuldigte dies damit, das er mehr oder weniger direkt aus Istanbul nach Witten gekommen sei und zudem seine Lesebrille nicht dabei hatte. Dennoch schaffte er es auch zeitweise, jene Energie zu versprühen, die er bei Fehlfarben am Mikro zeigt, vor allem in einer Passage über Magdeburg, das er als kleine faschistoide Provinzhölle charakterisierte und sich dabei richtig in Rage redete.

Fehlfarben

Nach einer kurzen Pause, in der endlich die deplatzierten Sitzkissen aus dem Weg geräumt wurden, ging es dann musikalisch um kurz vor halb zehn weiter. Als Sextett kamen Fehlfarben auf die Bühne,.ein umgezogener Hein, neue Hose und neues Hemd, zum Schluss. Es folgte eine wilde Reise kreuz und quer durch die Bandgeschichte, von Monarchie und Alltag bis Xenophonie. Die gut vierzig anwesenden, fast durchweg älteren Semester waren aber zum Glück nicht nur auf Nostalgie-Befriedigung aus, so dass ein Stimmungsgefälle zwischen alten und neuen Songs kaum auszumachen war. Musikalisch sind die "neuen" Fehlfarben durchaus zwiespältig, klingt es doch manchmal etwas stumpf rockend, was aber durch Heins kräftige, immer noch manchmal fast dramatisch überdrehte Stimme rausgehauen wird. Auf Platte wird das oftmals von starken Synthie-Passagen ausgeglichen, doch live durfte Pyrolator Kurt Dahlke dies für meinen Geschmack zu selten zeigen.


Live hatte ich sie zuletzt 2003 gesehen, als sie mit ihrem Comeback-Album Knietief im Dispo auf Tour waren. Damals verzichteten wohltuend sie auf das wohl bekannteste Fehlfarben-Stück Ein Jahr, doch diesmal wurde es gespielt und wirkte deplatziert. Nach einer Stunde wurde Paul zu Grabe getragen und allein mit diesem Song rissen sie alles raus, denn auch nach über 30 Jahren ist seine Magie ungebrochen und zog auch an diesem Abend sofort jeden in den Bann.


Auch in der Zugabe gab es ein weiteres Highlight mit Platz da!, der ersten Single vom neuen Album, einer Abrechnung mit der Kultur-und Medienindustrie, die Peter Hein in Höchstform zeigte, wohl weil es sich um eines seiner Lieblingsthemen handelt. Sogar zu einer zweiten Zugabe ließ sich die Band auf die Bühne bitten und nach dann gut 80 Minuten war dann aber mit Wir warten (ihr habt die Uhr, wir die Zeit) vom letzten Album Glücksmaschinen Schluss und Hein fasste den Abend mit "Klein, aber fein" zusammen.

Fehlfarben

Es war angenehm, wie unprätentiös Fehlfarben den Wechsel zwischen alten und neuen Songs hinkriegten und gerade in puncto Bühnenpräsenz können Jungspunde wie der Sänger von Messer noch viel lernen. Musikalischer gefallen sie mir wie auch Keine Zähne Im Maul Aber La Paloma Pfeifen heute sicher besser als die aktuellen Fehlfarben, aber skurriles Bühnemverhalten (Keine Zähne im Maul...) oder gespielt wirkende Wut (Messer) können es noch nicht mit dem Alterszorn eines Peter Hein aufnehmen.

Mittwoch, 19. Dezember 2012

Turbostaat

Turbostaat / Krawehl

15.12.12 Cafè Nova, Essen

Kurz nachdem ich mir die Karte für das Düsseldorfer Konzert gesichert hatte, kündigten Turbostaat noch einen Nachschlag in Form einer Show in Essen an, fast genau ein Jahr nach dem Auftritt in der Zeche Carl. Und da man auf einem Bein bekanntlich schlecht stehen kann, nahm ich diesen Termin auch noch mit. Im Gegensatz zum Saunabesuch in der Tube war das Café Nova nicht im Vorfeld ausverkauft und versprach so auch auf Grund des geräumigeren und höheren Konzertsaals ein deutlich entspannteres Hörvergnügen.

Krawehl
Doch zunächst waren wieder Gitarren aus dem Zonenrandgebiet NRWs angesagt, diesmal aus Bielefeld unter dem Namen Krawehl. Vor gut zwei Jahren hatte ich sie bereits einmal im Vorprogramm von RVIVR gesehen und beschrieb sie damals als die "ostwestfälischen Captain Planet". Ich weiß nicht, ob sie ihren Stil seitdem merklich geändert haben, jedenfalls klangen sie dieses Mal mehr nach Hot Kettcar Music. Das gefiel erneut und eine gewünschte Zugabe verweigerte nur der Mischer, denn auf die zaghafte Frage des Bassisten, ob sie noch Zeit für ein Liedchen hätten, gab er eine negative Antwort.

Turbostaat

Wieder gegen viertel vor zehn begannen Turbostaat wie zwei Tage zuvor in Düsseldorf. Man merkte sofort den Unterschied, den die geräumigere Lokalität machte.Während in der Presswurstbaracke The Tube durch die Enge jede Bewegung per Domino-Effekt auch eine des Nebenmanns erzeugte und so sofort das ganze Publikum in Bewegung war, dauerte es in Essen etwas, bis die Masse der Massenträgheit trotzte und dann aber auch entsprechend abging. Die Band schien auch ob der größeren Bühne deutlich entspannter zu sein, was jedoch der Qualität des Auftritts nicht abträglich war. Und spätestens bei Insel und dem rausgebrüllten "Husum, verdammt!" war auch klar, dass alle brav ihren Text gelernt hatten.

Turbostaat

Auch der neue Sohnemann Heinz wurde wieder ins kalte Wasser geworfen samt Elternsprechtag rund ums Schlagzeug. Erneut war nach einer knappen Stunde Schluss, doch diesmal erfolgte keine öffentliche Beratung über die Zugabe, man schien sich bereits im Vorfeld auf das gleiche Set wie am Donnerstag geeinigt zu haben. Kurz vor elf war dann endgültig Das Island Manöver abgehakt, denn Ende April nächsten Jahres steht schließlich der Feldzug mit noch namenlosem neuen Album an, die Vorfreude darauf wurde jedenfalls mit diesen beiden kanckigen Konzerten geweckt.


Turbostaat

Turbostaat / Freiburg

13.12.12 The Tube, Düsseldorf

Kurzfristig hatten Turbostaat zum Abschluss des Jahres noch einmal Shows im kleinen Rahmen angekündigt und der winzige Altstadt-Schlauch namens The Tube war auch Ruck Zuck ausverkauft.

Freiburg

Kurz vor neun bekam man noch ein gutes Plätzchen vor der Bühne und harrte der Dinge, die da kommen sollten. Zunächst kamen Freiburg aus Gütersloh, klingt komisch, ist aber so. Freiburg haben sich nach dem Tocotronic-Song benannt, haben aber musikalisch nicht wirklich viel mit ihnen gemeinsam. Sie rockten auf deutsch, erinnerten dabei öfter an Oma Hans und gefielen nicht nur mir, sondern auch dem anderen Anwesenden. Eine Zugabe spielten sie daher auch, eben jenen Tocotronic-Song, der dabei eher nach Turbotronic klang.

Turbostaat

Der folgende Umbau gestaltete sich schwierig, denn inzwischen war es proppenvoll und die fleißigen Hände hatten sichtlich Mühe, das Equipment von der und auf die Bühne zu schaffen. Aber es ging irgendwie und viertel vor zehn dann auch los. Vom ersten Ton an ging vor der Bühne die Post ab und die Temperatur stieg sekündlich. Die Band spielte ein Best Of aus den Alben Vormann Leiss und Das Island Manöver und konnte sich auf die Textsicherheit des Publikums verlassen.


Aber auch einen Vorgeschmack auf das nächste, im Frühjahr erscheinende Album gab es in Form eines neuen Stücks namens Sohnemann Heinz, das auch gleich mächtig Eindruck machte. Dreieinhalb Minuten rockte es wie ein typischer Turbostaat, doch dann wechselte es zu einem Marschier-Rhythmus und die die Band versammelte sich ums Schlagzeug und ließ es ausklingen.


Ansonsten kümmerte sich Sänger Jan immer besorgt um die ersten Reihen, das es auch allen gut ging und verteilte auch mal Wasser. Nach einer knappen Stunde war Schluss, doch von der Bühne gehen ging nicht, also hockte man sich erschöpft in eine Ecke und verschnaufte kurz. Nach einer kurzen Beratung beschloss der Drummer dann die drei Zugaben, beginnend mit dem Fünfwürstchengriff. Zehn Minuten später war Schluss, zwar etwas kurz für Turbostaat-Verhältnisse, aber dank der Intensität vollkommen ausreichend.

Turbostaat
Es war das heißeste Konzert des Jahres nach den Simple Minds im E-Werk, aber ungleich besser, auch wenn ich hier Äpfel mit Birnen vergleiche.

Dienstag, 18. Dezember 2012

Nomeansno / Keine Zähne im Maul Aber La Paloma Pfeifen

Nomeansno / Keine Zähne im Maul Aber La Paloma Pfeifen

12.12.12 Gleis 22, Münster

Nomeansno, habe ich die nicht erst neulich gesehen? Bei den zwei bis drei Touren im Jahr der kanadischen Urgesteine kann man schon einmal durcheinander kommen. Tatsächlich hatte ich sie letztes Jahr und auch im September verpasst, dafür aber als ihr Hockey-fanatisches Alter Ego Hanson Brothers im Frühjahr erlebt.
Was zeichnet so einen klassischen Eishockeyspieler aus? Keine Zähne im Maul, aber La Paloma pfeifen. Und auf diesen wunderschönen Namen hörte die Vorgruppe des Abends, ein Trio aus Kiel, das schon optisch die Latte ganz schön hoch legte. Postsexuell heißt ihr beeindruckendes Album und so kann man auch das Outfit von Sänger/Gitarrist Jochen bezeichnen. Kappe, verwaschenes Tim & Struppi-T-Shirt und eine blaue Jogginghose, da fühlt man sich doch glatt an eine Bude in Gelsenkirchen-Bismarck versetzt.

Keine Zähne Im Maul Aber La Paloma Pfeifen

Doch musikalisch gab es zum Glück keinen Ruhrpott-Asi-Punkrock, sondern feinen Old-Wave-Punk mit tollen Texten. Gerade das Wave-Element wurde immer wieder eingestreut, sogar der gute, alte Drum-Computer kam zum Einsatz, so dass teilweise Schlagzeuger Lars an die zweite Gitarre wechseln konnte. Bei einem Stück zitierte man dann mit den Schluss-Akkorden die Hauptattraktion des Abends mit Oh No! Bruno! Daraufhin öffnete sich die Tür des Backstage-Raums und John Wright schaute raus und rief "You're gonna pay for this!"
Hatten bislang Messer den inoffiziellen Titel Beste Erben Fehlfarbens inne, sind nicht nur mit diesem Auftritt Keine Zähne Im Maul Aber La Paloma Pfeifen locker an ihnen vorbeigezogen und wenn sie sich an ihren für mich besten Song Leb so, dass es alle wissen wollen halten, wird man von ihnen noch viel hören, hoffentlich.


Als wenn sich Nomeansno von ihrer Vorgruppe hätten inspirieren lassen, eröffneten ungewöhnliche Electro-Klänge ihr Set. John Wright spielte dazu Schlagzeug, sein Bruder Rob stand ohne den gewohnten Bass am Mikrofon und so langsam erkannte man, dass es sich um den Remix von The River von ihrer aktuellen EP Butchering The Sacred Cows Volume One handelte, einem Ausflug in das für Punkbands ungewohnte Terrain der Remixe. Doch keine Angst, das war nur als Intro, denn schon mitten im Song wechselten der elektronische zum elektrifizieten Sound und es wurde den Rest des Abends gerockt.

Nomeansno

Die Setlist des Abends schien vom Wetter beherrscht zu werden, denn Rob Wright hatte eine Erkältung, die seine Stimme arg in Mitleidenschaft gezogen hatte, so dass möglichst ohne große Worte und viel Text gespielt wurde. Erfreulicherweise war The Graveyard Shift mal wieder im Programm, ansonsten gingen fast ohne Punkt und Komma die Stücke nahtlos ineinander über. Trotz der gesundheitlichen Beeinträchtigung spielten Nomeansno gut 90 Minuten mit zwar nur einer Zugabe, aber die hatte es mit einer geradezu epischen Version von Two Lips, Two Lungs And One Tongue in sich.

Nomeansno

Selbst business as usual ist bei Nomeansno immer noch sehr gut und im Paket mit Keine Zähne Im Maul Aber La Paloma Pfeifen war es sogar großartig.

Scott Kelly

Scott Kelly / N

11.12.12 Pauluskirche, Dortmund

Ein Konzert in einer Kirche verspricht immer eine besondere Atmosphäre, zumal wenn es kein umfunktioniertes Gebäude ist, sondern sich auch noch in sakralem Gebrauch befindet. Unterhaltungen wurden fast automatisch sehr leise geführt, es lief keine Musik vom Band und Getränke gab es zwar um die Ecke im Garten, durften aber nicht mit in die Kirche genommen werden.

Pauluskirche

Um 19:15 richtete der Hausherr ein paar warme Worte an seine heutige Gemeinde und warb für die regelmäßig stattfindenden Konzert-Veranstaltungen mit den Worten "Wir bieten hier Klassik, Pop, Jazz und auch sowas wie heute an".

N
.
Danach betrat dann der Dortmunder Hellmut Neidhardt alias N die Bühne, nahm auf einem Stuhl Platz und stöpselte seine Gitarre ein. Die folgenden gut vierzig Minuten erfüllte er das Kirchenschiff mit Ambient-Dröhnen, das anfangs an- und abschwoll wie Meeresrauschen, so dass man sich wie in einer Kapelle auf einer Sturm umtosten Klippe vorkam. Doch mit zunehmender Dauer setzte dann doch eine gewisse Monotonie ein, die nach dem Konzert jemand recht treffend beschrieb: " Und dann wechselte der Sound von Ryanair zu Air Berlin". Nichtsdestotrotz ein nicht unspannender Auftritt und eine Musik, die mit optischer Untermalung bestimmt auch länger fesseln könnte.

Scott Kelly

Nach einer kurzen Pause trat dann Scott Kelly ans Mikrofon. Der Sänger/Gitarrist von Neurosis stellte sein im August veröffentlichtes drittes Soloalbum The Forgiven Ghost In Me vor. Auf Platte ist Kellys Musik ein durchaus zwiespältiger Genuss, ist sein Gitarrenspiel doch recht minimal und auch sein Gesang nicht besonders fesselnd. Doch live funktionierte es überraschend gut.


Die ungelenk wirkenden Gitarrenpassagen erzeugten eine fast hypnotische Wirkung, spielte Kelly sie doch mit einer Körperhaltung, als würde er bei Neurosis fette Riffs dreschen. Und seine Stimme erinnerte an Mark Lanegan, allerdings natürlich nicht ganz so ausdrucksstark. Man merkte ihm durchaus an, dass diese Solo-Auftritte für ihn scheinbar immer noch ungewohnt sind, die Kommunikation mit dem Publikum fiel ihm anfangs schwer, vielleicht auch bedingt durch die Kirchenatmosphäre, auch wenn er bereits vor zwei Jahren an diesem Ort aufgetreten war. Dennoch wirkten die in sich gekehrten Momente, in denen er nicht sang, wie ein Rückzug auf bekanntes Terrain.


Bei einem Stück brüllte er fast und dieses donnerhafte Grollen klang so eindrucksvoll, dass man es sich öfter an diesem Abend gewünscht hätte. Stattdessen gab es ein Geburtstagsständchen für seinen Roadie und Mädchen für alles Ansgar, der dem Ort angemessen mit einem The Obsessed-Hoodie am Merch-Stand stand. Und er verzauberte sogar das Publikum mit einem Stück der mit Wino und Steve Von Till auch dieses Jahr erschienenen CD mit Townes Van Zandt-Coverversionen. Tecumseh Valley war für mich jedenfalls der mit Abstand schönste Song des Abends.


Nach einer guten Stunde verabschiedete er sich, ließ sich aber noch zu einer Zugabe bitten. auch hier merkte man die ungewöhnliche Atmosphäre, denn das Publikum hatte scheinbar Hemmungen, lautstark mehr zu fordern. Nachdem dann nach insgesamt 80 Minuten endgültig Schluss war, blieb Kelly noch mit umgeschnallter Gitarre auf der "Bühne" stehen und wunderte sich dann, warum das Publikum immer noch auf den Bänken saß und auf mehr hoffte. Es fehlten einfach die üblichen Rausschmeißer-Indizien wie Saallicht und Musik vom Band.
Ein gutes Konzert mit Musik, die live definitiv besser klang als auf Platte.


Freitag, 7. Dezember 2012

Dan Mangan / Jason Collett

Dan Mangan / Jason Collett

05.12.12 Bahnhof Langendreer, Bochum

Ein Wiedersehen mit zwei Kanadiern gab es im Bahnhof Langendreer, zum einen Dan Mangan, der innerhalb eines Jahres zum dritten Mal mit Oh Fortune in Deutschland zu Gast war und diesmal seinen Landsmann und Broken Social Scene-Sänger Jason Collett mitbrachte.

Jason Collett

Als wir kurz nach acht am Bahnhof ankamen, war noch kein Einlass, denn die Band war verspätet angekommen und noch beim Soundcheck.Letztlich ging es dann um 20:45 los. Jason Collett trat wie schon letztes Jahr im Steinbruch solo auf. Im Gepäck hatte er sein frisch erschienenes neues Album Reckon, einer Mischung aus voll orchestrierten Songs wie My Daddy Was A Rocknroller und spärlichen Akustiksongs wie Talk Radio.
Dazu erzählte er mal wieder nette Geschichten wie die bereits bekannte von der kanadischen Spezialität des Beischlafs in einem Kanu als Einleitung zu High Summer. Auch den Grund der Verspätung erläuterte er äußerst amüsant. Der Tourbus hatte in Brüssel eine Reifenpanne und da die Insassen Kanadier sind, musste der gesamte bürokratische Apparat der EU eingesetzt werden, um ihnen zur Weiterfahrt zu verhelfen. Überhaupt sei das Miteinander im Tourbus selber bereits eine UN-Friedensmission, denn eigentlich seien sich Colletts Heimatstadt Toronto und Dan Mangans Vancouver nicht wirklich grün.


Den meisten Songs stand das akustische Gewand sehr gut, I Wanna Rob A Bank gewann sogar dadurch, doch zum Abschluss seines Sets gab er einen Ausblick, wie es auch klingen kann. Begleitet von Dan Mangan und seiner Band rockte er nämlich I'll Bring The Sun von seinem 2006er Album Idols Of Exile. Und so schön sein Solo-Auftritt auch war, kamen da Erinnerungen an Broken Social Scene hoch und der Wunsch nach einer Tour mit kompletter Band.


Nach kurzer Pause begann Dan Mangan um zehn vor zehn dann seinen Auftritt. Im Vergleich zu den beiden letzten Touren gab es leichte Veränderungen in seiner Begleitband, ein anderer Bassist war dabei und zusätzlich ein Geiger. Doch das Rückgrat mit Drummer Kenton Loewen und Gitarrist Gord Grdinawar war wie bei den Konzerten zuvor eine Augenweide und lenkte immer wieder den Blick ab von Dan Mangan. Grdina entwickelte in den rockigeren Momenten schnell den Bewegungsdrang eines Raubtiers und zerrte ansonsten so sehr an seinen Instrument rum, dass mal wieder eine Saite riss und er daraufhin weiterspielte, indem er mit dieser gerissenen Saite den Gitarrenhals bearbeitete wie ein Gebiss mit Zahnseide. Loewen hingegen, selber Frontmann seiner Band The Crackling, poste vor allem bei ruhigeren Songs ständig am Schlagzeug rum, als wollte er zum Ausdruck bringen, dass er damit unterfordert war, wobei er bei einem Stück dabei prompt einen Drumstick verlor und hastig Ersatz suchen musste.

Dan Mangan

Bei der Setlist gab es keine Überraschungen, ist Mangan doch immer noch auf Tour zu seinem letzten Album Oh Fortune und hatte vermutlich gar keine Zeit, hier neue Songs einzubauen. Natürlich gab es zu Robots die bekannte Gesangseinlage des Publikums und der gut, aber dabei angenehm gefüllte Bahnhof Langendreer sprang auch sofort an. In Zukunft kann es sich Mangan wohl sparen, seinem Publikum noch mitten im Song den Text vorzusagen, denn dazu scheint er inzwischen bekannt genug zu sein. Nach 90 Minuten wäre es eigentlich Zeit gewesen, die Bühne zu verlassen, um sich für die Zugabe zurückapplaudieren zu lassen, doch angesichts der Verspätung ließ er das ausfallen und kündigte stattdessen direkt das letzte Stück des Abends, So Much For Everyone, an. Damit wartete man zwar auf die Indie Queens vergeblich, doch das folgende zehnminütige Finale entschädigte dafür vollends. Wie üblich wollte sich Mangan dazu ins Publikum begeben und bat um einen Stuhl. Zwei Hocker standen schnell bereit, doch der von ihm ausgewählte erwies sich als so wackelig, dass er den Aufstieg unfreiwillig mit einer Bruchlandung abbrechen musste, was vor allem bei Geiger Jesse Zubot einen Lachanfall auslöste. Mit dem zweiten Hocker ging dann alles gut und das Lied und damit das Konzert wurde unversehrt zu Ende gebracht.


Auch beim dritten Auftritt in zwölf Monaten überzeugte Dan Mangan vollauf, auch wenn es dennoch so langsam an der Zeit ist, dass er wieder neue Songs schreibt, damit etwas Abwechslung in den inzwischen bekannten Ablauf kommt.

Dienstag, 4. Dezember 2012

Phillip Boa & The Voodooclub

Phillip Boa & The Voodooclub / Orph

01.12.12 Zeche, Bochum

Silberhochzeit in der Bochumer Zeche, seit 25 Jahren schaue ich mir Phillip Boa live an und es war auch noch mein 25. Boa-Konzert (die beiden Voodoocult-Auftritte nicht eingerechnet) und sicherlich nicht mein letztes.

Phillip Boa & The Voodooclub
Doch bevor der Meister, wie ihn manche seiner Fans ehrfurchtsvoll nennen, die Bühne enterte, spielte die übliche Vorgruppe auf und das kann bei Boa schon manchmal eine Tortur werden, da er hier nicht immer ein für meinen Geschmack glückliches Händchen hatte.

Orph

Auf dieser Tour spielten bei zwei Konzerten die fantastischen Botanica im Vorprogramm, deren Schlagzeuger Brian Viglione Boas neues Album Loyalty mitproduziert hat. Soviel Glück hatte ich in Bochum nicht. Um 19:19 betrat ich die zu diesem Zeitpunkt noch ziemlich leere Halle, eine Minute später begannen bereits Orph, deren Styling Gott sei Dank schlimmer als ihre Musik war. Ein Gitarrist mit langem weißen Rock und einem roten Mantel darüber, ein Sänger mit braunen altmodischen Reiterhosen, ein Bassist ganz in weiß und ein Schlagzeuger in weißem Feinripp-Unterhemd machten 25 Minuten lang atmosphärisch klingen wollende Indie-Musik, allerdings ohne großen Wiedererkennungswert für mich, wobei es aber doch so nett klang, dass sie nicht nervten.

Phillip Boa & The Voodooclub

Phillip Boa sollte um 20:20 auftreten, doch bereits um viertel nach acht ertönten das Intro von Bela Lugosi's Dead aus den Boxen. Mittlerweile war die Zeche schätzungsweise zu gut 80% gefüllt, so dass man immer noch bequem Platz hatte, was sicher auch dem kleinen, etwa 12jährigen Jungen neben mir gefallen haben dürfte. Boa-Konzerte sind inzwischen Generationen übergreifend.
Nachdem das Konzert letztes Jahr ausschließlich den Wiederveröffentlichungen der beiden Alben Helios und Boaphenia gewidmet war, lautete das Motto diesmal Loyalty plus ausgewählte Singles.

Phillip Boa & The Voodooclub

Da sein erstes Studioalbum nach drei Jahren ein sehr gelungenes ist, versprach das alleine schon ein gutes Konzert, zumal die Setlist geschickt neue und alte Songs mischte, so dass eventuell aufkommende Spannungsabfälle durch die Hits immer wieder abgefangen wurden. Und die ausgewählten Singles waren in der Tat nur Hits, wobei das Highlight des regulären Sets ausgerechnet When The Wall Of Voodoo Breaks war, das eindeutig das Zeug zum Boa-Klassiker hat.
Während des Auftritts verzichtete Boa auf große Ansagen, aber man merkte ihm an, dass er Spaß hatte. Außerdem wirkte er fast altersmilde, als er den obligatorischen Arschloch-Zwischenruf mit einem gnädigen Lächeln quittierte.
Zwei Zugaben-Blöcke gab es und ab Container Love bildete sich sogar ein kleiner Moshpit vor der Bühne, der beim finalen Kill Your Ideals sogar anwuchs. Um Punkt zehn war dann der letzte Akkord verklungen und der Vorhang fiel. die doch überwiegend mit Boa älter gewordenen Besucher verließen die Zeche und machten den Kiddies für die anschließende Disco Platz.

Phillip Boa & The Voodooclub
Auch nach über 28 Jahren im Musikgeschäft schafft es Boa immer noch, gute Alben zu veröffentlichen und somit auch, seine Konzerte nicht zu reinen Nostalgie-Veranstaltungen werden zu lassen. Weiter so.

Setlist:
Black Symphony
I Dedicate My Soul To You
Want
This Is Michael
Under A Bombay Moon Soon
Fine Art In Silver
Ernest 2
Sunny when It Rains
Bells Of Sweetness
You Are Beautiful And Strange
Dream On Planet Cherry
Diana
Lobster In The Fog
And Then She Kissed Her
When The Wall Of Voodoo Breaks
--------------------------------------
Loyalty
Annie Flies The Love-Bomber
Albert Is A Headbanger
Container Love
---------------------------------------
Love On Sale
Til The Day We Are Both Forgotten
Kill Your Ideals

Small Beast w/ David J & Scott Matthew

Small Beast

w/ David J / Scott Matthew / Paul Wallfisch

30.11.11 Schauspielhaus, Dortmund

Huch, schon wieder ein Monat rum und damit mal wieder Zeit für ein Small Beast, diesmal erneut im Studio des Schauspielhauses Dortmund.Wegen der Vorstellung von Einige Nachrichten an das All zuvor, verzögerte sich der Einlass, so dass erst gegen halb elf der Sturm auf die besten Plätze begann. Man hatte das Bühnenbild belassen und das Equipment einfach integriert, nur Paul Wallfischs Klavier passte nicht mehr rein und stand etwas seitlich davon.

Paul Wallfisch & Brian Viglione

Wallfisch begann sein kurzes Solo-Set mit dem bereits letzten Monat gespielten Stones-Cover Sweet Black Angel. Leider schien sein Bühnen-Sound nicht existent zu sein, denn mehrfach nörgelte er zum Mischer, dass er nichts höre, was leider einen etwas fahrigen und uninspirierten Auftritt zur Folge hatte. Love & Rockets wurden zu Ehren des Haupt-Acts David J ebenfalls gecovert, außerdem wurde Because You're Gone in einer an Ragtime-Musik erinnernden Version runtergespielt. Das Lied hat Wallfisch zusammen mit Little Annie geschrieben und ist zudem auf David J's aktuellem Album Not Long For This World zu finden. Die hyperaktive Version tat ihm jedenfalls nicht gut. Erst zum Ende wurde Wallfisch wieder zur bekannten Rampensau, als ihn nämlich der nicht minder extrovertierte Brian Viglione unterstützte und dabei Konfetti aus dem Hut zauberte und bei einem Rundgang durchs Studio alles als Percussion nutzte, was ihm in den Weg kam, während Wallfisch dazu auf dem Klavier balancierte.

Scott Matthew

Danach rief er dann nach Scott Matthew, der als nächstes spielen sollte, doch der war nicht da: Also ging der Chef persönlich, Intendant Kay Voges, los und holte ihn auf die Bühne. Matthew wurde von einem Gitarristen begleitet, den er mit den Worten "Oh dear, you are here" begrüßte. Diese verhuscht-sympathische Art behielt er während des gesamten Auftritts bei. Da er mit seinem aktuellen Album Gallantry's Favorite Son bereits im Frühjahr durch Deutschland getourt war, hatte er sich für diese Reise etwas anderes geplant. Personal Hitparade nannte sich das Programm und bestand ausschließlich aus Coverversionen von Songs, die ihm etwas bedeuten. Los ging es mit Neil Young's Harvest Moon, das durch den reduzierten Anfang schwer zu erkennen war, bevor er auf der Ukulele in den bekannten Rhythmus verfiel.


Ebenso überraschend dann Anarchy In The UK, das in dieser Version deutlich an Charme gewann. Das Publikum reagierte freudig amüsiert und war endgültig hin und weg von ihm, als er es geschickt zum Mitsingen aufforderte, denn den Text würden wir bestimmt kennen. Und so sang das ganze Studio ohne Ansatz von Scham Whitney Houston's I Wanna Dance With Somebody und Scott Matthew zeigte sich begeistert. es folgten weitere mehr oder weniger bekannteStücke u.a. von Morrissey und natürlich auch das auch bei seinen "normalen" Konzerten gerne gespielte No Surprises von Radiohead. Dann wies er darauf hin, dass er natürlich bemerkt habe, dass seine Song-Auswahl  für manche Erheiterung sorgte, dass ihm aber das nächste Lied so sehr am Herzen liege, dass er um ernsthaftes Zuhören bat. Doch prompt giggelte es bei den ersten Takten von Annie's Song von John Denver hörbar unter den Anwesenden, doch Matthew nahm es mit Humor, zumal anschließend tatsächlich andächtige Stille herrschte, denn die dargebotene Ergriffenheit von Matthew übertrug sich auf die Zuhörer.


Am Ende wurde begeistert eine Zugabe gefordert und gewährt und Matthew hatte mit diesem sagenhaften Auftritt viele neue Freunde gewonnen, wie ich auch im persönlichen Bekanntenkreis erfreut feststellen durfte. Nach der obligatorischen Zigarettenpause ging es dann um bereits kurz nach halb eins mit David J weiter.

David J

Und auch der ehemalige Bauhaus-Bassist lieferte fast ein reines Set an Fremdkompositionen ab. Unterstützt wurde er von Paul Wallfisch am Klavier, Brian Viglione am Schlagzeug, sowie einem Geiger und einem Bassisten. Somit war klar, dass es musikalisch eher in die Cabaret-Richtung gehen würde, wie auch auf Not Long For This World, mit dessen Titelstück das Konzert begann. David J ist sicherlich kein begnadeter Sänger, was man gerade bei Because You're Gone deutlich merkte, aber stimmliche Defizite versuchte er durch eine durchaus theatralische Performance auszugleichen, was ihm auch größtenteils gelang.


Aber besonders gut wurde es in Momenten mit (ungeplanten) Nebeneffekten. Bei St. James Infirmary sang er durch ein Megaphon, bei dem sich plötzlich ein sirenenhafter Alarmton einstellte, den er nicht ausgeschaltet bekam, der dem Lied aber sehr gut stand. Das einzige Stück von Bauhaus an diesem Abend, Who Killed Mr. Moonlight, kam dagegen nicht so überzeugend rüber. Nach einer knappen Stunde verabschiedete er sich mit dem vor allem durch Marlene Dietrichs Version bekannten Falling In Love Again (Can't Help It), bei dem er einige Zeilen des deutschen Originaltextes einbaute und sich prompt verhaspelte.


Dennoch verlangte das inzwischen ob der fortgeschrittenen Stunde etwas ausgedünnte Publikum nach einer Zugabe und bekam sie auch. Hier wurde dann wieder gecovert und diesmal passte alles. Natürlich konnte er sich gesanglich nicht mit Nick Cave messen, aber die Musiker, allen voran der Geiger, legten sich so sehr ins Zeug, dass The Mercy Seat ein würdiger Abschluss wurde.


David J lieferte alles in allem eine solide bis gute Vorstellung ab, doch Star des Abends war eindeutig Scott Matthew, der alle Anwesenden restlos begeisterte, ob sie seine Musik schon vorher kannten oder nicht.

Sonntag, 25. November 2012

Pressure Air Festival

Pressure Air Festival

w/ Captain Planet / City Light Thief / Love A / Nepomuk

24.11.12 Druckluft, Oberhausen

Während andernorts in NRW gerade das Area 4 Festival zu Grabe getragen wurde, gönnte sich das nette Druckluft in Oberhausen den Luxus, mal eben an zwei Abenden ein kleines, aber feines Festival auf die Beine zu stellen. Das klingt doch gleich imposanter, als wenn man für den Samstag einfach nur Captain Planet mit drei Vorgruppen angekündigt hätte.
Und getreu dem alten Sesamstraßen-Motto "Eins von diesen vier Dingen passt nicht zu den anderen" gab es dreimal punkige Gitarrenklänge und als Ausreißer netten Akustik-Indiepop. Den spielten direkt als erste Band Nepomuk und der klang wirklich angenehm, sofern man das von draußen, bzw. dem kurzen Aufenthalt in der Halle zum Getränke holen beurteilen konnte. Nein, das war nicht die feine Art, aber besser so die sozialen Kontakte vor der Halle pflegen, als durch das Gelaber die Musiker zu stören. Auch Love A wurden auf die gleiche Weise vernachlässigt, hier aber mit mehr Kalkül, denn letztes Jahr im Vorprogramm von Turbostaat in der Zeche Carl konnten sie uns nicht überzeugen und so beugten wir einer weiteren Enttäuschung geschickt vor.

Captain Planet

Zu City Light Thief begaben wir uns dann endlich in die inzwischen sehr gut gefüllte Halle und bereuten es nicht. Der Band aus Grevenbroich gelang es nämlich, zwischen härteren Schreipassagen und fast schon konventionellem Indierock zu wechseln, ohne dass dabei der homogene Eindruck verloren ging. Und zudem haben sie einfach einige herausragende Songs im Repertoire, für die so manche bekanntere Band sie beneiden dürfte. Vor allem Pioneers müsste eigentlich längst ein Hit sein, lebten wir in einer gerechteren Welt. Und auch wenn sich Sänger Benjamin als bühnenblind bezeichnete, um so seinen sparsamen Aktionsradius zu entschuldigen, war es dennoch eine sehr Energie geladene Show mit dem Bonus der Live-Premiere eines brandneuen Songs, da die Band gerade an ihrem zweiten Album arbeitet.
Captain Planet haben ja von allen Seiten bereits reichlich Lob für ihr gerade erschienenes drittes Album Treibeis erhalten, so dass es nicht verwunderlich war, dass bei ihrem Auftritt das Druckluft dann proppevoll war. Gegen halb zwölf betraten sie die Bühne, legten los und es passierte nichts. Das Publikum war verhalten, die Band wirkte müde, so dass Gitarrist Benni nach der Ursache fragte und für sich und seine Mitstreiter veganes Gyros mit Pommes als Schuldigen nannte.


Doch ab Blattsport wendete sich das Blatt. Es kam reichlich Bewegung ins Publikum, so dass sogar die ersten Leute auf die niedrige Bühne gedrückt wurden. Daher gab es eine mahnende Bitte um Rücksicht, da bei ähnlichen Zuständen am Abend zuvor in Münster ein Mädchen durch Bierflaschen-Scherben blutige Schnittverletzungen erlitten hatte und die Band das Konzert vorzeitig beenden musste. Ein im sicheren Bereich neben der Bühne stehende Iro-Punk fiel dabei nichts Dämlicheres ein, als "Heul doch" zu rufen, was mich kurz in Versuchung führte, die leeren Bierflaschen in seinem Gesicht zu parken, anstatt sie vom vorderen Bühnenbereich nur wegzuräumen. Das Publikum war zum Glück besonnener als diese Assel und passte aufeinander auf, ohne allerdings an Bewegungs- und Mitsingfreude nachzulassen.

Captain Planet

Natürlich wurden reichlich neue Songs gespielt und klangen dank der Unterstützung von Matula-Gitarrist Basti auch fett, aber zwischendurch gab es natürlich Klassiker wie Rambo oder Spreu vom Weizen. Hierbei zeigte sich, wie sehr die Fans schon das neue Album ins Herz geschlossen haben, denn die Refrains von Pyro oder Spielplatz wurden mindestens so inbrünstig mitgesungen wie die alten Gassenhauer. Auch die Kollegen von City Light Thief standen die ganze Zeit am Bühnenrand und gröhlten textsicher mit, wechselten dann sogar nach und nach den Platz und warfen sich in den Trubel vor der Bühne.
Nach einer Stunde gingen Captain Planet von der Bühne, kamen aber noch einmal für eine Zugabe zurück, die mit Wespenstich nach gut 75 Minuten dann den finalen Akkord brachte.


Der Auftritt endete damit nicht so spät wie vor drei Jahren, als sich Captain Planet mit Matula durch wüstes Schneetreiben quälten und erst abends um zehn am Druckluft ankamen und dennoch eine damals deutlich leerere Halle amtlich rockten. Nun dürften sie der einzige ernsthafte Verfolger von Turbostaat sein und damit bald die Fassungsvermögen der kleinen Clubs und Jugendzentren sprengen. Verdient haben sie es.

Donnerstag, 22. November 2012

Caspian

Casoian / thisquietarmy

16.11.12 Druckluft, Oberhausen

Ist Postrock nicht eigentlich ein zu ausgelutschtes Genre, als dass es sich wirklich noch lohnt, Bands, die sich dieser Musikrichtung verschrieben haben, live anzusehen? Ich persönlich habe dieses Jahr jedenfalls Bands bevorzugt, die die Betonung auf Rock legten wie Sleepmakeswaves. Ansonsten müssen sie sich schon anstrengen und eine besondere Atmosphäre schaffen, wie es Immanu El in Dortmund gelungen ist.

thisquietarmy

Dies gelang thisquietarmy im Druckluft leider nicht. Die Einmann-Combo hatte zwar düstere Projektionen/Filmchen am Start, die vom Künstler mit seiner elektrischen Gitarre, diversen Effektgeräten und Sounds aus dem Laptop untermalt wurden, doch nach den ersten zehn Minuten legte sich die Neugier und das Ganze war zu eintönig, um wirklich zu fesseln. Ich hätte mir mehr Stücke mit Drumcomputer gewünscht, die sein Album Resurgence recht abwechslungsreich machen und streckenweise an Spacemen 3 oder A Place To Biury Strangers in Zeitlupe erinnern lässt, während sein neuestes Werk Phantom Limbs reines Gedröhne ist. Zudem ist es auf Dauer nicht wirklich spannend, jemanden im Dunkeln an irgendwelchen KNöpfen zu seinen Füßen herumschrauben zu ahnen.

Caspian

Caspian erfüllen eigentlich genau das Klischee einer Postrock-Band: drei Gitarren; manchmal ellenlange, atmosphärisch wirkende Einleitungen, bevor es dann zum Ausbruch mittels einer Wall Of Noise kommt; rhythmisches Mitwiegen im Takt, wie man es von Explosions In The Sky kennt. Aber trotz oder gerade wegen ihrer Vorhersehbarkeit schafften sie es, gut zu unterhalten. Bevor man entschlummern konnte, bekam man ein Gitarrenbrett an den Schädel geknallt, der zwangsweise im Takt mitschwingen musste, aber genauso wurden im richtigen Moment wieder Noise-Nebel erzeugt, damit man sich entspannen konnte.
Dem Rest des Publikums im sehr gut gefüllten Druckluft, man hatte seit langem mal wieder darauf verzichtet, die Bühne vorzuziehen, schien es ähnlich zu gehen, sah man doch eine menge bangender Köpfe.
Von den Neuerungen auf ihrem aktuellen Album Waking Season, dem spärlich eingesetzten Gesang, bekam man zum Glück kaum etwas mit, denn dafür war wohl das Mikro zu leise, als dass sich die Stimme gegen die Instrumente durchsetzen konnte. Ich fand das gut, denn das gehört für mich auf dem Album zu den Schwachpunkten.


Halls Of Summer hingegen war durch den zusätzlichen Schlagzeug-Einsatz eines der Gitarristen hervorstechend und gefiel mir besonders wie auch das letzte Stück des Abends, Sycamore, bei dem wiederum ein Teil des Schlagzeugs nach vorne geholt wurde, auf dem diesmal eine sechste Person, der Tour Manager (?), die ganze Zeit herumtrommelte, ehe der Rest der Band ebenfalls mit einstieg.
Caspian pusten zwar nicht den staub aus der Schublade Postrock sicherlich kein neues Leben ein, waren aber live gut genug, um fast anderthalb Stunden live nicht zu langweilen, was andere Genre-Größen wie Explosions In The Sky letztes Jahr nicht geschafft haben.


Wallis Bird

Wallis Bird / Oh Othello

15.11.12 Bahnhof Langendreer, Bochum

Wann kann man schon einmal Alanis Morissette, Melissa Etheridge und Tori Amos in einem kleinen Club gemeinsam auf der Bühne erleben? Nun, musikalische Grobmotoriker wie ich würden die Musik der Irin Wallis Bird als eine Mischung der drei Damen bezeichnen und sich beim Konzert im Bochumer Bahnhof Langendreer davon überzeugen, ob diese Schubladen auch wirklich passen.
Doch zunächst unterhielt das Duo Oh Othello die Anwesenden mit ihren netten, aber auf die Dauer doch eher langweilenden Folksongs. Bonuspunkte konnten sie dafür mit ihrer sympathischen Art sammeln und einer Rap-Einlage, die sie für ein demnächst stattfindendes Konzert im Vorprogramm des Hip-Hoppers Käpt'n Peng mal eben am Bochumer Publikum ausprobierten.

Wallis Bird
Um 21:20 betrat dann Wallis Bird zunächst alleine die Bühne, um dann nach und nach einzeln ihre Band hoch zu holen und vorzustellen, bevor es los ging. Dabei stellte sie überrascht fest, dass sie gar keine Setlist ausliegen hatte.Doch das Quintett schien so eingespielt genug, dass sie eigentlich keine brauchten. Von Anfang an versprühten sie eine solche positive Energie und Spielfreude, dass auch die Stimmung im Publikum direkt da war und mitgeklatscht und mitgesungen wurde. Bei Your Daddy setzte sich Wallis sogar ans Schlagzeug, während der Drummer sich als Rapper versuchte. Außerdem ließ sie einmal ihre Gitarre durch die Halle crowdsurfen, bekam sie auch unversehrt wieder. Zudem erkundigte sie sich nach speziellen Bochumer Redensarten und bekam gleich eine kleine Lektion in Sachen Ruhrpott-Deutsch und lernte so das Wörtchen Hömma.
Zwischendurch nahm sie aber auch musikalisch immer wieder das Tempo raus und sorgte mit akustischen Soloeinlagen für gebannte Stille im Publikum. Hierbei stach das bislang unveröffentlichte River Of Paper heraus, das nahtlos in Ghost Of Memories (wieder in voller Bandbesetzung) überging.


Nach einer guten Stunde beendete sie mit In My Bones ihr Set, doch der gut gefüllte Bahnhof Langendreer forderte natürlich eine Zugabe. Und wann, wenn nicht dann, sollte man ein Lied namens Encore spielen. Doch das Beste hatte sie sich für den Schluss aufgehoben, In Dictum. Solo mit der Gitarre, aber im Refrin stimmlich unterstützt von ihrem Gitarristen und ihrer Geigerin, zauberte sie eine Gänsehaut hervor, vor allem als sie zur Zeile There are devils inside... ansetzte.


Auch wenn es musikalisch auf Platte nicht immer meine Baustelle ist, so kann man sich live der Ausstrahlung der kleinen Irin einfach nicht entziehen, so dass ich sie mir jederzeit wieder anschauen würde.

Montag, 29. Oktober 2012

Maximo Park

Maximo Park / Animal Kingdom

27.10.12 Live Music Hall, Köln

Eine ausverkaufte Live Music Hall an einem Samstag Abend, schlechtere Ausgangsbedingungen für ein gelungenes Konzert gibt es eigentlich kaum. Um überhaupt einen vernünftigen Platz zu bekommen und neben dem matschigen Sound auch noch einen Blick auf die Bühne werfen zu können, muss man sehr früh da sein, um sich anschließend nach dem frühen Ende unwirsch aus der Halle drängen zu lassen, damit der Disco-Betrieb beginnen kann.
Bereits um kurz nach sieben kamen wir daher in Ehrenfeld an und sahen uns in unseren Vorbehalten gegen die Live Music Hall bestätigt. Die Garderobe wurde aus der Halle nach draußen ausgelagert, so dass man noch ein paar mehr Leute in die Halle packen kann, die sich dann bei den inzwischen winterlicher werdenden Temperaturen nach dem Konzert in der Schlange zu ihren Jacken den Tod holen können. Vielleicht sollte man den Namen verkaufen und die Halle in Grippostad Music Hall umbenennen.

Animal Kingdom

Wenigstens bekamen wir noch ein gutes Plätzchen am linken Bühnenrand ganz vorne und erwarteten die Vorgruppe. Pünktlich um halb acht begannen Animal Kingdom. Vor vier Wochen waren die drei Briten bereits in Köln im Vorprogramm von Frightened Rabbit zu hören und diesmal bekamen wir sie auch zu sehen. Leider bestätigten sie unsere Vorurteile von damals eindrucksvoll und waren furchtbar langweilig. Das Unterhaltsamste waren noch die spielerischen Unzulänglichkeiten des Schlagzeugers, während ansonsten der Sound sehr dürftig war, obwohl z. B. die Gitarre noch reichlich Unterstützung vom Band bekam. Gott sei Dank war nach einer halben Stunde Schluss und der Rest des Publikums bedankte sich für den Auftritt sogar mit mehr Applaus als nötig und angemessen war.

Maximo Park

Um 20:40 dann begannen Maximo Park mit dem Opener ihres vierten und aktuellen Albums The National Health ihr Set. Ich hatte die Band bislang erst einmal live gesehen, 2006 im kleinen JZE in Essen. Und damals wie heute bot der Fünfer eine glänzende Bühnenshow, die vor allem vom hyperaktiven Keyboarder Lukas Wooller und natürlich Rampensau Paul Smith lebte. Während Gitarre, Schlagzeug und Bass recht unspektakulär ihre Arbeit verrichteten, fegte Wooller wie ein Derwisch um, auf und auch mit seinem Tasteninstrument rum, wie man es sonst nur von Faith No Mores Roddy Bottum kennt. Übertroffen wurde er nur von Sänger Paul Smith, der ständig über die Bühne raste, dabei wild poste und auch immer wieder die Monitor-Boxen als Podest benutzte. Bei aller Aktivität wurde er nie kurzatmig, traf dennoch jeden Ton, so weit man es bei dem Klang beurteilen konnte. Der war nämlich nicht optimal, wenn auch nicht so schlimm wie befürchtet. Manchmal klang die Gitarre etwas zu verzerrt und auch mit dem Gesang hatte der Mischer wohl so seine Probleme, denn bei ruhigeren Passagen war die Stimme kaum zu hören, während sie ansonsten manchmal zu kräftig war und es dann aus den Boxen brummte. Vor allem The Undercurrents, meiner Meinung nach nicht nur das schönste Lied auf der neuen Platte, sondern sogar eines ihrer besten überhaupt, litt darunter.

Maximo Park

Aber das war zu verschmerzen, denn die Band brannte ein energiegeladenes Feuerwerk an Hits ab. Sechs der ersten neun Songs waren von The National Health und bewiesen eindrucksvoll, dass das neue Album ohne Zweifel ihr bestes seit dem Erstling A Certain Trigger ist. Als würde die Band das auch so sehen, spielten sie folgerichtig auch nach den neuen Songs die meisten vom Debüt-Album, während z. B. nur ein Stück von Our Earthly Pleasures zu hören war.
Zwanzig Songs in gut 70 Minuten mit Apply Some Pressure als Schlusspunkt machten das Konzert unglaublich kurzweilig und sorgten für so gute Laune, dass natürlich die ganze Halle eine Zugabe forderte.
Hier verzückte zunächst das wunderschöne Acrobat, bevor als Finale mit Our Velocity noch einmal richtig Gas gegeben wurde.
Selbst die Live Music Hall konnte also nicht verhindern, dass Maximo Park ein richtig gutes Konzert spielten und wir es auch richtig genießen konnten.


Setlist:
When I Was Wild
The National Health
Girls Who Play Guitars
Until The Earth Would Open
Hips And Lips
Graffiti
Waves Of Fear
The Coast Is Always Changing
Banlieue
Questing, Not Coasting
By The Monument
The Undercurrents
Going Missing
Wolf Among Men
Kiss You Better
This Is What Becomes Of The Broken Hearted
Limassol
Books From Boxes
Write This Down
Apply Some Pressure
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Acrobat
I Want You To Stay
Our Velocity