Aller guten Dinge sind drei und einen Doppelpack kann man auch nicht alle Tage machen. Der letzte Freitag im Monat gehört fast traditionell de Small Beast im Dortmunder Schauspielhaus und diesmal gab es mit Mick Harvey und Ken Stringfellow ein besonders tolles Programm. Von daher war ich kurz entsetzt, das am gleichen Abend Dÿse ebenfalls in der Stadt waren und im FZW spielten. Beide Läden liegen aber zum Glück keine zehn Minuten zu Fuß voneinander entfernt, das Small Beast begann erst um 22:30 Uhr und Dÿse hingegen sollten bereits um neun auf der Bühne stehen.
Pünktlich um acht begannen Suralin vor vielleicht einem Dutzend Anwesender und überzeugten mich leider erneut nicht. Genauso pünktlich um neun dann Dÿse, Schlagzeuger Jari dabei mit frisch getapetem Nackem vom Chiropraktiker-Besuch nachmittags. Er spielte auch zurückhaltender, was aber an diesem Abend Dortmund auch nicht anders verdient hatte, denn der Club des FZW war nicht gerade voll und das Publikum recht lahmarschig. Auf die Schwarz-Weiß-Wechselrufe vor Zebramann verzichtete die Band direkt in weiser Vorahnung und auch der Öko-Sprit-Gag, am Vorabend in Köln noch ein Brüller, zündete überhaupt nicht, Dennoch spielten die zwei souverän ihr Set, nur Sie ist Maschin wurde ausgelassen und vielleicht lag es gerade an der eingeschränkten Bewegungsfreiheit von Jari, dass gerade der Schleicher Sag Hans zu mir mir heute besonders gut gefiel.
Um halb elf jedenfalls war Schluss, also schnell rüber ins Schauspielhaus zum zweiten Teil des Konzertabends...
Zurück aus Hamburg, was kann man da mit der Restwoche besseres machen als gleich weiter nach Köln zu fahren, um sich noch einmal Dÿse anzuschauen.
Diesmal haben sie eine Vorgruppe dabei, Suralin aus Chemnitz, deren Soundcheck von draußen gar nicht schlecht klingt. Derweil macht sich Dÿse-Gitarrist Andrei auf den Weg, Socken zu kaufen, denn die werden scheinbar dringend benötigt. Da möchte man nicht in den Tourbus reinschnuppern.
Als dann Suralin später den Abend eröffneten, können sie leider den guten Eindruck vom Soundcheck nicht bestätigen, denn zu den dort gehörten instrumentalen Passagen kam nun ein wenig überzeugender Gesang, der das Ganze dann doch zum durchschnittlichen Indierock machte.
Als Dÿse dann wieder mit Waldbart begannen, war das Gebäude 9 recht gut gefüllt. Das Publikum konnte zwar an Enthusiasmus nicht mit Hamburg mithalten, war aber dennoch sanges- und bewegungsfreudig genug, um gute Stimmung aufkommen zu lassen. Und so wurde eine Adhoc-Komposition von Schlagzeuger Jari direkt ein Hit, dem Kirmes-Rhythmus und dem schmissigen, aber dennoch nachdenklich stimmenden Refrain "Don't call me Banana Split or I call you Öko-Sprit" konnte sich keiner entziehen. Apropos Ziehen, mitten im Set griff Jari sich unvermittelt in den Nacken, hatte er dort ein unangenehmes Ziehen gespürt. Fortan trommelte er unter sichtbaren Schmerzen tapfer weiter, das Set wurde eiskalt durchgezogen, nur die zweite Zugabe wurde ausgelassen.
Es war erneut ein guter Dÿse-Auftritt, konnte Hamburg aber nicht toppen, da war das Hafenklang einfach der bessere Ort als das Gebäude 9.
Apropos Gebäude 9, viele Gespräche an dem Abend drehten sich um die Zukunft des Veranstaltungsortes, war doch just von der Stadt Köln der Plan für das so genannte Euroforum Nord abgesegnet worden, der keine Zukunft für den renommierten Club, sondern stattdessen Wohnbebauung. Es gibt zwar in dem Plan auch für Kreativwirtschaft ausgewiesene Flächen, aber mit dem sehr Musik freundlichen Zusatz "nicht störendes Gewerbe". Inzwischen hat sich natürlich mit Unterstützung diverser Künstler die Front zur Erhaltung des Gebäudes formiert und auf Facebook eine entsprechende Rettungs-Seite eingestellt.
Meine Meinung dazu ist durchaus gespalten. Ich bin einfach mal durch meine Konzertliste gegangen und musste feststellen, wie viele Läden, in denen ich tolle Auftritte gesehen habe, es nicht mehr gibt, bzw. nicht mehr an alter Stelle, sei es das Odeon in Münster (mein erstes Nomeansno-Konzert 1990), die Live Station in Dortmund (bestes Giant Sand-Konzert aller Zeiten 1993), die alte Fabrik in Coesfeld (Einstürzende Neubauten 1990, Nick Cave & The Bad Seeds 1991) bis hin zum alten FZW in Dortmund (Green Day 1994). Ich bin aber auch nicht der Szenetyp, der einen Stammladen zum Abhängen braucht, weshalb ich nie eine besondere Bindung zu Clubs aufgebaut habe. Natürlich gibt es Orte, die ich ganz besonders mag, das Gleis 22 oder das Druckluft und es täte mir sehr weh, wenn diese nicht mehr da wären, aber das Programm hängt nicht unwesentlich vom Booker ab und warum sollte nicht ein ähnlich gutes Programm an anderer Stelle einer Stadt angeboten werden können. Zumal das Gebäude 9 nicht unbedingt den besten Sound hat und es zudem unter der Woche fast immer in ein Wettrennen zum Deutzer Bahnhof mündet, um den letzten Regionalexpress ins Ruhrgebiet zu erwischen.
Nichtsdestotrotz ist die Initiative lobenswert, verdeutlicht die Planung doch, wie wenig (Sub)Kultur geschätzt wird, auch wenn hier die ersten Deutschland-Konzerte späterer Weltstars (z. B. Arcade Fire) stattfanden. Aber hoffentlich ist gerade das der Anlass zum Umdenken, nicht nur für das Gebäude 9, sondern auch für viele andere kleine Clubs im Lande, die regelmäßig um ihr Fortbestehen kämpfen müssen.
Wenn ich Urlaub mache, sollte der Urlaubsort schon das eine oder andere Konzert zu bieten haben, das ist quasi Grundvoraussetzung. Zum Glück erfüllt Hamburg diese geradezu spielend, so dass in drei Tagen Hansestadt gleich zwei Konzerte auf dem Programm standen. Dabei gehörte der erste Abend nach der Anreise dem Kino, denn unweit unseres Hotels befand sich das Savoy, einem wunderschönen alten Kino mit unglaublicher Beinfreiheit und den bequemsten Sesseln weit und breit, in dem zudem nur Filme in Originalfassung laufen, weshalb wir uns dort den wunderbaren Grand Budapest Hotel von Wes Anderson anschauten.
Der zweite Tag stand dann ganz im Zeichen des Hafens: vormittags eine Hafenrundfahrt, nachmittags ein Besuch des Miniatur Wunderland (mehr als nur eine Modelleisenbahn) in der Speicherstadt und abends dann ins Hafenklang zu Dÿse. Das sächsische Duo hat es nach Jahren des Wartens endlich geschafft, sein neues Album Das Nation zu veröffentlichen und stellte das frische Meisterwerk direkt auf einer Deutschland-Tour vor.
In das kleine Hafenklang unweit des Fischmarkt-Geländes kommen sie dabei besonders gerne, haben sie hier doch ein treues und enthusiastisches Publikum. Gegen halb zehn ist der Laden dann auch richtig gut gefüllt und als nach den ersten Takten von Waldbart die fette Gitarre einsetzt, rockten die Hamburger gleich mächtig mit. Das Schwarz-Weiß-Wechselspiel zu Zebramann klappte daher auch hervorragend und so wurde der Auftritt zum Selbstläufer. Wie immer ließ sich Schlagzeuger Jarii skurril-komische Ansagen einfallen. Highlight diesmal der Bericht von einem Auftritt, bei dem sie das Publikum dazu brachten, statt Beifall Buhrufe zu äußern, was prompt von den Hamburgern nachgemacht wurde. Die Songs vom neuen Album offenbarten Hitpotential, vor allem das schleppende Shanty Hans (als Sag Hans zu mir bereits letztes Jahr als Single veröffentlicht) und der Namensgeber für das Tourmotto, Nackenöffner.
Und selbst eine Ulknummer wie das schräge Out Of Tune passte live. Als erste Zugabe gespielt, sorgte es für Lachanfälle und somit für Entspannung, bevor dann die Treppe noch einmal das Hafenklang zum Schwitzen brachte. Doch es ging noch mehr. Einige fingen an, unartikuliert zu brüllen, der ganze Laden machte mit und diesem Ruf der Sirenen konnten Dÿse nicht widerstehen und kloppten noch schnell das Rumpelstilzchen raus.
Ein begeisterter, voller Laden und eine dementsprechend mehr als gut gelaunte Band ergaben so das bislang beste Dÿse-Konzert, das ich miterleben durfte und legten so die Messlatte für die beiden folgenden geplanten Besuche in Köln und Dortmund unerreichbar hoch.
Cargo Records feierte Geburtstag und lud daher Bands, Freunde und Interessierte ins entlegene Wuppertal ein, um mit ihnen eine Party zu feiern.
Das hört sich nach einer netten Sause an an, war es aber leider nicht. Dabei gab es am Eingang eine nette Überraschung. Neben dem üblichen Stempel erhielt man einen äußerst leckeren Muffin mit Totenkopf-Verzierung.
Der war locker und fluffig im Gegensatz zur ersten Band des Abends, einer örtlichen Stoner-Combo namens Stereoner. Die riffte staubtrocken vor sich hin, machte dabei ihre Sache zwar gut, aber das Ganze in einem ausgelutschten Genre, so dass nicht wirklich was von ihr hängen blieb.
Danach kamen dann die schwedischen Post-Rocker von pg.lost, die ebenfalls ihrer Musikgattung nicht besonders Eigenständiges hinzufügen konnten. Das klang allerdings nicht schlecht, rockte mitunter sogar richtig nett, wurde zudem mit netten Bildern untermalt, zündete aber nicht wirklich. Außerdem war der Sound, wie den ganzen Abend über, ziemlich mies, so dass man z. B. den Sänger fast überhaupt nicht hören konnte. aber vielleicht hatte er auch gar nicht gesungen, sondern einfach nur ins Mikro gebissen, wer weiß das schon. Dennoch nickten die ersten zwei, drei Reihen des nicht besonders gut gefüllten Pavillons einträchtig im Takt mit.
Danach kamen dann mit Dÿse meine heimlichen Headliner. Doch auf Grund technischer Probleme mit dem Gitarren-Equipment verzögerte sich der Auftritt um fast eine halbe Stunde, was man anschließend ihrem Set auch anmerkte. Schlagzeuger Jari sagte auch anschließend, dass ihn die Pause aus dem Konzept gebracht hatte. Es wurde ein übliches Set gespielt, ganz ohne neuen Song. Dabei wird es langsam Zeit für neues Material, denn die schwarz-weißen Hemdchen fallen inzwischen immer mehr auseinander, so dass es Zeit wird, dass eine neue Platte und damit vielleicht auch ein neues Bühnenoutfit kommt.
Der Funke auf die Zuschauer sprang jedenfalls nicht so richtig über, was bei diesem Publikum auch schwer fiel, denn es herrschte den ganzen Abend doch eher höfliches Desinteresse vor, wie so häufig, wenn die Leute vor der Bühne aus der gleichen Branche kommen wie die Musiker auf der Bühne.
Zum Abschluss des inzwischen schon recht spät gewordenen Abends spielten dann Reptile Youth aus Dänemark. Im Presse-Info heißt es unter anderem: "Synthetische Popmusik, treibende Beats, gepaart mit einer gewaltigen Kraft hinter den Songs machen Reptile Youth zu einem einzigartigen Live-Ereignis".
Nun, für meine Ohren klang es nach durchschnittlichem Dance-Rock, wie ihn Electric Six um Längen besser hinkriegen. Und das Live-Erlebnis war auch nicht gerade einzigartig, denn es gibt sicherlich mehr Bands mit einem talentfreien Sänger, dessen Posen zudem aus der Klischee-Kiste stammten. Kurz, sie waren grottig.
Und somit blieb der leckere Muffin das positivste an diesem Abend.
Sonntag Abend, Tatort-Zeit. Ganz Deutschland schaute Jan-Josef Liefers zu, wie er in Münster mal wieder irgendeinen Mordfall löste. Ganz Deutschland? Ein kleines Häufchen Musikfans verirrte sich stattdessen ins Bonner Bla, um sich ein recht kurzfristig angesetztes Konzert der Ermittler von CSI: Jena, auch bekannt unter dem Namen Dÿse, anzuschauen.
Auf der kleinen Bühne waren bereits Schlagzeug und ein überdimensioniertes Effektbrett aufgehört, die den ungeübten Ermittler zu dem Schluss zwangen, dass es keine Vorband geben würde. Doch gegen halb neun traten drei Männer auf die Bühne und spielten gut 20 Minuten altmodischen 90er Jahre Noiserock.
unbekannte Vorband
Leider blieb das Trio für mich namenlos, weil nicht der Sänger mit seinem Mikro sondern der Schlagzeuger die Ansagen machte und eine eventuelle Nennung des Bandnamens leider unterging. Die Musik konnte jedenfalls überzeugen und als Instrumentalduo wären sie sogar sehr gut gewesen, da das Keifen des Sängers leider etwas störend wirkte.
Dÿse sind ja bekannt für ihren Humor, hatte auf ihrer Facebook-Seite auch den Auftritt mit den Worten "gleich nach'm Tatort" angekündigt. Sie bauten dann bereits ihren Soundcheck in ihre Show ein, ehe es dann kurz vor halb zehn richtig begann. Tags zuvor hatten sie in Köln beim Blowfest gerockt, am Montag stehen sie mit den Beatsteaks in Basel auf einer ungleich größeren Bühne. Da hätte man meinen können, dass so eine Show vor vielleicht 25 Anwesenden mal eben so runtergespult würde. Doch Routineshows scheint es bei ihnen nicht zu geben.
Sie hatten merklich Spaß auf der Bühne, bauten mal wieder Lieder, die man gerne vergessen würde, in ihr Set ein (diesmal Live Is Life von Opus, das nahtlos in Rhythmus überging) und erwiesen sich als Meister des gepflegten Kalauers (ich sage nur "Costalis kegelt"). Endlich gab es auch ein Lebenszeichen in Form eines neuen Songs, einer kurzen, knackigen Nummer mit dem Arbeitstitel Geld.
Gitarrist André verriet auch, dass dieses Jahr ein neues Album in Angriff genommen wird, die Demos sollen bereits im April eingespielt werden, die eigentlichen Aufnahmen dann im Sommer erfolgen und für 2013 ist dann eine große Welttournee geplant, na ja zumindest meinte er, dass sie nächstes Jahr auch wieder nach Dortmund kommen wollen.
Nach gut einer Stunde wollten sie sich verabschieden, aber eine Zugabe wurde verlangt und so wurde zum Abschluss der Zebramann präsentiert, denn ein Sonntag Abend hat erst ein gelungenes Ende, wenn die Tatort-Ermittler den Schurken präsentieren konnten.
Godzilla gegen Frankensteins Monster, so könnte man den deutsch-japanischen Kampf der Giganten im Gleis 22 betiteln. Ursprünglich als Headliner-Konzert der sächsischen Noise-Rocker Dÿse angesetzt, kam recht kurzfristig noch die japanische Post-Hardcore-Walze von Envy hinzu und versprach so Taubheitsgarantie für den Morgen danach.
Als Dÿse gegen 21:15 mit Zebramann begannen, standen noch deutlich mehr Menschen vor dem Gleis als im Gleis vor der Bühne herum, doch das änderte sich schnell. Dieser Mischung aus brachialem und zugleich verfrickeltem Rock durchsetzt mit brüllend komischem Geplauder konnte scheinbar niemand widerstehen. Schlagzeuger Jarii kamen spontan mal wieder kleine abstruse Einfälle, so brachte er mitten in einem Lied mal eben den Refrain aus Money Money Money von ABBA unter und brachte damit sogar Gitarrist André kurz aus der Fassung. Seine Geschichte über Frühstücksbuffets bei Rockfestivals, wo er Cornflakes mit Whiskey mischte, um Lemmy von Motörhead zu beeindrucken, während dieser ihm alle Illusionen zerstörte, indem er ein schnödes Brötchen mit Honig verdrückte, wurde spontan zu einer Ode an eben diese Honigbrötchen musikalisch vertont, die dann direkt in Supermachineeyeon überging.
Womit wir bei der Musik wären. Eine große Deutschland-Tour im Oktober weckte Hoffnungen auf neue Stücke, zumal das letzte Album ja bereits zwei Jahre auf dem Buckel hat. Doch gespielt wurden nur altbekannte Songs, doch dieses "nur" soll keineswegs enttäuscht oder abwertend klingen, denn es war ein umwerfender Auftritt. Mit Underlaydisk sollte nach einer Dreiviertelstunde Schluss sein, doch den lautstarken Forderungen nach einer Zugabe wurde nachgegeben. Nach einer kurzen Rap-Einlage von Jarii zu Grandmaster Flashs The Message mit André am Schlagzeug beendete dann Sonne glänzt das Set einer Vorband, nach der wohl viele Hauptgruppen chancenlos gewesen wären.
Aber Envy schafften das scheinbar Unmögliche und konnten Dÿses Auftritt noch toppen. Gleich die erste Gitarrenbreitseite des Openers Further Ahead Of Warp traf wie ein Tritt in die Magengrube. und erzeugte bei mir prompt den Wunsch, dass sich solch Postrock-Langweiler wie This Will Destroy You bitte umgehend auflösen mögen. Der Sound war gewaltig, aber dabei nie unangenehm laut und auch differenziert genug in den ruhigen Momenten, wie man in sonst selbst in größeren Hallen kaum zu hören bekommt, einzig der Gesang war etwas leise, was aber auch nicht unangenehm war, bin ich doch eigentlich kein Freund dieser Mischung aus Grunzen und Schreien. Bei den Sprechpassagen stand Sänger Tetsuya an seinem Elektronik-Tisch, während er für die Screamo-Teile das Mikro am Bühnenrand benutzte. Dabei wippte er immer so geschickt, dass er die nächsten Textpassagen von seinem Notizheft auf dem Monitor ablesen konnte.
Envy
Gut 45 Minuten schafften es Envy so, das Gleis in mitwippende Trance zu versetzen, dann gab der Bass-Verstärker beim siebten Lied seinen Geist auf. Nach fünf Minuten war ein neuer aufgebaut und angeschlossen, aber die hypnotische Atmosphäre war leider etwas dahin. Nach zwei weiteren Stücken verabschiedeten sich die fünf schwarz gekleideten Japaner dann und kamen auch nicht zu einer Zugabe zurück.
Setlist Envy
Dies war aber auch nicht nötig, denn diese unglaubliche Wucht und Energie, die sie zuvor verbreitet hatten, ließ das Publikum auch so erschöpft und zufrieden zurück.
Von den großen Bühnen der Metropolen dieser Welt zurück in die beschaulichen Hinterhöfe des Ruhrgebiets, wo Dÿse einen vor einiger Zeit ausgefallenen Auftritt nachholten.
Bei herrlichem Biergartenwetter blieb das Café des Druckluft um kurz nach halb zehn noch recht leer, als Favorit Parker begannen. Die Band singt inzwischen auf Deutsch und erinnert dabei unweigerlich an Captain Planet, einem Vergleich, auf den man zwar durchaus stolz sein kann, dem sie aber nicht wirklich standhalten können und so doch Eigenständigkeit vermissen ließen.
Diesen Vorwurf brauchen sich Dÿse wahrlich nicht machen lassen, denn das Duo aus Schlagzeug und Gitarre hat definitiv einen eigenen Sound, aus dem man zwar immer wieder Referenzen an diverse Noiserock-Bands raushört, ohne aber auch nur ansatzweise zu kopieren. Dazu schafften sie es immer wieder, ihre hypnotische und auch manchmal durchaus Aufmerksamkeit fordernde Musik aufzulockern mit unglaublich humorigen Einlagen, für die hauptsächlich Schlagzeuger Jan sorgte, der sich schon am Merchstand für mangelnde Aufmerksamkeit für die Kundschaft damit entschuldigte, dass er so gefesselt von den Kontaktanzeigen im Coolibri sei. Andererseits passten die teils absurden Geschichtchen wunderbar zu der abgedrehten Musik, die man wohl am ehesten als eine mit Nomeansno-hafter Selbstironie gewürzte Mischung aus den Melvins und The Jesus Lizard beschreiben könnte. auch fallen mir noch die schottischen Take A Worm For A Walk Week ein.
Im Druckluft spielten sie gut eine Stunde lang Songs aus ihren beiden Alben und begeisterten die Anwesenden restlos.