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Donnerstag, 1. März 2012

Leatherface

Leatherface / Kerretta

27.02.12 Gleis 22, Münster

Was soll man von einem Konzert erwartenn, dass Leatherface-Bassist Graeme Philliskirk auf ihrer Facebook-Seite so ankündigt:

"So Munster tonight, the last show of the tour! Frankie's broken collar bone is getting better, his voice is going and fears he may be unemployed by the end of the tour? Dickies throat infection is worse and he can't speak, which is nice as his hand gestures seem to mean something now? Skruff is exhausted! Mick thinks his head will be fucked for sometime upon his return home and my broken hand feels slightly better? Bring it on tonight..."

Doch bevor die Invaliden-Combo aus Sunderland sich ins Grab spielen konnte, durften erst einmal drei Herren aus Auckland, Neuseeland den Abend eröffnen. Kerretta nannten sich die drei und hätten musikalisch besser zu Bands wie And So I Watch You From Afar oder Gifts From Enola gepasst. Instrumentaler Rock, mit Hingabe gespielt und live deutlich überzeugender als auf Platte, entlockte auch den mit dieser Musik sicherlich nicht so vertrauten anwesenden Punks reichlich Applaus.

Kerretta
Kurz nach zehn kamen dann Leatherface als Quartett auf die Bühne. Frankie Stubbs trug seinen linken Arm wegen eines gebrochenen Schlüsselbeins in einer Schlinge, stilecht aus einem Schal seines Lieblingsvereins Sunderland FC. Für ihn spielte ein junger Bursche der Sunderlander Band Loudmouth Gitarre. Dennoch ließ es sich Mr. Stubbs nicht nehmen, immer wieder zu seinen Shuffle über die Bühne anzusetzen, auch wenn er sich manchmal dann doch schmerzverzerrt an die Schulter packen musste. Aber mindestens genauso oft huschte ein Lächeln über sein Gesicht, waren die letzten Auftritte im Gleis doch immer grandiose Shows und das an diesem vernieselten Montag im Vergleich zu früheren Jahren nicht ganz so zahlreiche Publikum feierte ihn gebührend ab. Seine Stimme war zwar wie angekündigt nicht die beste, dafür klang sein kehliger Gesang ohne Gitarre noch ausdrucksvoller.


Die Setlist unterschied sich kaum von der der letzten zwei Jahre seit Erscheinen des letzten Studioalbums The Stormy Petrel. Nach dem Ende des regulären Sets mit Dead Industrial Atmosphere versorgte Gitarrist Dickie Hammond wieder den am durstigsten aussehenden Fan in der ersten Reihe mit Bier (vielen Dank dafür). Im Zugabenteil wurden dann bei Hops & Barley wieder alle traditionell über den aktuellen Trainer von Sunderland informiert ("Martin O'Neill's red and white army"), da sich das ja seit der letzten Tour mal wieder geändert hatte.

Leatherface
Doch auch danach war noch nicht Schluss. doch statt des in den letzten Jahren gewohnten Rausschmeißers You Are My Sunshine ließ sich Frankie Stubbs zur Überraschung aller doch die Gitarre umschnallen und der Auftritt endete mit Not Superstitious. Mr. Stubbs zog noch einmal zum Dank seinen Xaver-Unsinn-Gedächtnis-Hut vor dem Münsteraner Publikum und nach 75 Minuten war ein erneut grandioses Konzert vorüber.

Setlist:
Springtime
Never Say Goodbye
God Is Dead
My World's End
I Want The Moon
Watching You Sleep
Diego Garcia
Little White God
Hoodlum
Peasant In Paradise
Broken
Disgrace
Pale Moonlight
Dead Industrial Atmosphere
---------------------------------
Not A Day Goes By
Colorado Joe / Leningrad Vlad
Hops & Barley
----------------------------------
Not Superstitious


Sonntag, 5. Juni 2011

Leatherface

Leatherface / So What!

04.06.11 Stone, Düsseldorf

Was treibt einen noch halbwegs nüchternen Menschen an einem sonnigen Samstag Abend in die Düsseldorfer Altstadt? Horden von Kreisklasse-Kickern auf Saisonabschluss-Sause und natürlich die obligatorischen Jungegesellenabschiede machen den Weg zum Stone nicht sehr angenehm. Dort steht gerade ein Rudel Rentner vor der Tür, aber offensichtlich nur auf einer Führung durch die Sehenswürdigkeiten Düsseldorfs und nicht, um gepflegte englische Volksmusik zu hören.
Auch eine kleine Reisegruppe aus Bottrop ist im Ratinger Hof eingekehrt und hat dafür ihren Studioaufenthalt unterbrochen und betrat um neun die Bühne. So What! überzeugten sofort mit ihrer Mischung aus Snuff und Didjits und rockten 30 Minuten lang das Haus.

So What!
Danach spielten Leatherface zum dritten Mal in Folge im Stone auf. Und fast schon traditionell hatten sie ein Heimspiel. Diesmal hatten sie sich entschlossen, unheimlich tight zu spielen. Fast sechzig Minuten spielten sie einen Hit nach dem anderen, ohne große Ansagen, nur ein, zwei genuschelte "Thank you" unterbrachen den Fluss. Nach der ersten Zugabe ging Gitarrist Dickie Hammond gar nicht erst von der Bühne, das wäre ihm zu anstrengend, Stattdessen setzte er sich auf eine Kiste Bier und wartete schweißnass auf seine Mitstreiter, um dann mit You Are My Sunshine den gelungenen Auftritt klassisch zu beenden.

Leatherface
Es war nicht die ausgelassene, leicht chaotische Party aus dem Vorjahr, aber so druckvoll durchrockend habe ich sie dafür selten gesehen. Und eine neue CD hatten sie auch am Start, Live In Melbourne - Viva La Arthouse, ganz  frisch aus dem Presswerk und mit einer Tracklist, die der Setlist fast genau entsprach.

Setlist:
Springtime
God Is Dead
Watching You Sleep
Never Say Goodbye
Diego Garcia
Little White God
Peasant In Paradise
Hoodlum
Sour Grapes
Nutcase
My Worlds End
I Want The Moon
Broken
Andy
Pale Moonlight
Dead Industrial Atmosphere
--------------------------------
Hops & Barley
Not Superstitious
You Are My Sunshine

PS: Übrigens, das "halbwegs nüchtern" hatte sich dann nach dem Konzert erledigt, dank meiner Begleiter und auch Dickie Hammond, auf den ich scheinbar einen so durstigen Eindruck in der ersten Reihe gemacht habe, dass er mich mit Bier versorgte, sehr nette Geste.

Sonntag, 5. September 2010

Leatherface (Posted Date: 02 May 2010, 17:29)

Leatherface / Paraquat

30.04.10 Gleis 22, Münster

Eine Woche nach dem furiosen Auftritt in Düsseldorf schaute ich mir Leatherface noch ein zweites Mal bei ihrem Tourneeabschluss in Münster an. Gab es musikalisch keine großen Veränderungen im Set, hatte sich optisch einiges getan, denn der Bart ist ab. Mr. Stubbs feierte nämlich unter der Woche seinen Geburtstag und wurde währends des Auftritts in Köln rasiert.
Den belanglosen Emo-Sound der Vorgruppe Paraquat hörte ich mir von draußen an.
Leatherface spielten dann ein ähnliches Set wie in Düsseldorf, vielleicht ein oder zwei Songs kürzer. Das Publikum im gut besuchten Gleis 22 ging gut mit, wenn auch nicht ganz so euphorisch und textsicher wie die rheinischen Frohnaturen. Aber es reichte, um Frankie ein aufrichtiges Dankeschön zu entlocken ("It's you who make this all worthwhile") und die Band nach zwei Zugabenblöcken sogar noch ein drittes Mal zurück auf die Bühne zu holen und mit Not A Day Goes By den finalen Schlusspunkt zu setzen.

Leatherface

Leatherface (Posted Date: 26 Apr 2010, 20:23)

Leatherface / Mad Chapel

24.04.10 Stone, Düsseldorf

Nach sechs Jahren endlich ein neues Album, nach dreieinhalb Jahren endlich wieder auf Tour, Schlagzeuger Lainey nicht mehr an Bord, was sollte man da erwarten?
Samstag Abend in der Düsseldorfer Altstadt, frühsommerhaftes Wetter und an jeder Ecke irgendeine schreckliche Junggesellenabschiedstour, da verwunderte es nicht, dass es bei Mad Chapel noch sehr überschaubar im Stone war und das auch zu Recht.
Dann endlich betraten Frankie Stubbs und Dickie Hammond samt Rest der Band die Bühne, der eine inzwischen mit einem beachtlichen Che Guevara-Bart, der andere mit einem ebenso beachtlichen Bauchumfang. Mr. Stubbs wirkte etwas grummelig ob der doch beengten Verhältnisse auf der Bühne und zu allem Überfluss fällt beim ersten Song auch gleich das Schlagzeug auseinander. Doch das ist Punkrock und was in den folgenden gut 90 Minuten geboten wurde, ließ so manches ältere Semester vor der Bühne (mich eingeschlossen) seine Arthrose vergessen und wild abfeiern. Auch Mr. Stubbs hatte sich inzwischen etwas Platz verschafft, indem er einfach seine Pedale und seinen Monitor fast von der Bühne schob und mehrmals klassisch von rechts nach links shuffelte.
Die neuen Songs von The Stormy Petrel wie Never Say Goodbye oder Disgrace klangen live deutlich härter und besser als auf Platte und wurden immer von Klassikern wie Pale Moonlight, Andy, I Want The Moon oder Watching You Sleep eingerahmt, so dass auch der Spannungsbogen schön hoch blieb. Nach dem ersten Zugabenblock mit Not A Day Goes By und dem bierseligen Hops & Barley kam die Band noch ein zweites Mal zurück. Frankie Stubbs verkündete mit geradezu gerührter Stimme, dass die Band nun schon seit sieben Wochen auf Tour sei, erst in Kanada und den USA und nun halt in Europa, aber der heutige Auftritt sei ihr mit Abstand bester, wie auch schon beim letzten Mal im November 2006 Düsseldorf für sie das Highlight der Tour gewesen sei. Und wer während des ganzen Auftritts beobachten konnte, wie seine anfangs noch etwas muffelige Laune sich zunehmend besserte und einem verschmitzten Grinsen wich, wusste, dass dies nicht nur Gerede war. Danach lud er dann für You Are My Sunshine die Fans auf die Bühne zum Singen ein, während er sich mit seiner Gitarre davor im Zuschauerraum platzierte. Doch auch nach dem Chaos war noch nicht Schluss, sondern Not Superstitious sorgte noch einmal für Gänsehaut und selbst danach liessen sie sich noch einmal zu einer dritten Zugabe durch einfach nicht enden wollenden Applaus überreden.
Nach dem Konzert klatschten sich wildfremde Menschen ab und waren sich einig, einer absoluten Sternstune beigewohnt zu haben.

Leatherface