Montag, 30. Dezember 2013

Best Of 2013


Es ist mal wieder Listenzeit. Was waren meine besten Konzerte, meine Lieblingsalben, die besten Songs?
Dieses Jahr gab es zwei alles überragende Konzerte, nämlich Superchunk in London und Massive Attack im Rahmen der Ruhrtriennale in Duisburg.

London - Electric Ballroom

Beste Konzerte 



  • Superchunk (London - Electric Ballroom)
Wie vor zwei Jahren eine unschlagbare Mischung aus Hits und guter Laune.
  • Massive Attack (Duisburg - Kraftzentrale)
Eine perfekte Mischung aus Musik und Bildern, inszeniert in einem tollen Ambiente..
  • Suuns (Oberhausen - Druckluft)
Wenn das Wort "hypnotisch" einen Auftritt zutreffend beschreibt, dann diesen.
  • Efterklang (Köln - Philharmonie)
Die Band wuchs offensichtlich mit dem Auftrittsort und daher über sich hinaus..
  • Rocket From The Crypt (Berlin - Festsaal Kreuzberg)
Ja, das war Nostalgie pur, aber von DER Glam-Garagen-Punkrock-Big-Band der 90er.
  • Big Sexy Noise (Duisburg - Steinbruch)
Lydia Lunch und Gallon Drunk machten ihrem Namen alle Ehre: "And that's why we're called Big Sexy Noise!".
  • Astronautalis (Oberhausen - Druckluft)
Mehr Indierock als Hip Hop und deshalb so gut..
  • Ascetic: (Dortmund - FZW)
Eine unglaubliche Gothrockwalze aus Australien.
  • The Thermals (Bremen - Tower)
Wunderbar, wie sie als Vorgruppe sich in die Herzen des anfangs zurückhaltenden Publikums spielten.
  • Paper Arms (Dortmund - VISIONS Redaktion)
Ungewöhnliches Ambiente, hellichter Tag und dennoch spielten die Australier, als wäre es ein dunkler, verschwitzter Kellerclub.

Es gibt leichtere Aufgaben, als zehn Konzerte aus 75 besuchten auszuwählen. Ebenfalls verdient gehabt hätten es z. B. auch:
Omega Massif (Lünen - Lükaz)
Scott Matthew (Duisburg - Grammatikoff)
Golden Kanine (Bochum - Studio 108)
The Burning Hell (Oberhausen - Druckluft)
Paper Beat Scissors (Münster - Gleis 22)
RVIVR (Mainz - Haus Mainusch)
Iron Chic (Münster - Café Lorenz)

Ein besonderes Lob geht an dieser Stelle an das Druckluft in Oberhausen, denn nicht umsonst habe ich dort in diesem Jahr die meisten Konzerte gesehen; tolles Booking, sehr guter Sound und sehr nette Leute dort.

 Beste Alben



  • Adam Stafford - Imaginary Walls Collapse
Unglaublich fesselnde Platte, eine elektrische Gitarre, einige Loops und tolle Songs; natürlich aus Schottland..
  • There Will Be Fireworks - The Dark, Dark Bright
Vier Jahre nach dem grandiosen Debüt endlich das zweite Album der Schotten und es erfüllt mit seinem altbekannten Laut-Leise-Spiel, wie ich es von Aereogramme oder The Twilight Sad liebe, all meine hohen Erwartungen.
  • RVIVR - The Beauty Between
Nach drei Jahren wieder ein Album voller Emo-Punk-Hits..
  • Sigur Rós - Kveikur
DAS ist Postrock
  • Goodbye Fairground - I Started With The Best Intentions
Wenn ich die deutschen Gaslight Anthem schreibe, kriege ich bestimmt Prügel, aber es erinnert positiv an Sink Or Swim, ohne ein Plagiat zu sein.
  • Future Of The Left - How To Stop Your Brain In An Accident
Die verrückten Waliser sind wieder da mit ihrem besten Album seit Mclusky-Zeiten.
  • Iron Chic - The Constant One
Natürlich kommen Iron Chic nicht an Not Like This heran, aber dennoch: siehe RVIVR
  • Overseas - Overseas
Projekt um David Bazan von Pedro The Lion und Will Johnson von Centro-Matic/South San Gabriel und es klingt wie gut gelaunte Low.
  • Superchunk - I Hate Music
Natürlich kommen Superchunk nicht an Majesty Shredding heran, aber dennoch wieder ein Album voller Indierock-Hits.
  • Crime & The City Solution - American Twilight
Ein fast unbemerktes Comeback nach über 20 Jahren der deutsch-australischen Band aus dem Dunstkreis von Nick Cave und es ist noch besser als das schon vorzügliche diesjährige Album der Bad Seeds geworden.

Aber es gab noch viel mehr Alben. die mich dieses Jahr begeistert haben, z. B.
Suuns - Images Du Futur
David Bowie - The Next Day
Nick Cave & The Bad Seeds - Push The Sky Away
Kanye West - Yeezus
Tera Melos - X'ed
Scott Matthew - Unlearned
Future Bible Heroes - Partygoing
Captain We're Sinking - The Future Is Cancelled
Tocotronic - Wie wir leben wollen
Sparrow & The Workshop - Murderopolis
Ascetic: - Self Initiation
The Joy Formidable - Wolf's Law
Luscious Jackson - Magic Hour
Son Lux - Lanterns
Jungbluth - Part Ache
The Thermals - Desperate Ground
Dan Friel - Total Folklore

Und ja, in dieser Liste tauchen weder Daft Punk noch Arcade Fire auf und das völlig zu Recht, von Haim ganz zu schweigen.

Beste Songs


  • Thomas Truax - Crazy Me
Der kleine, sympathische Amerikaner mit seinen phantastischen Instrumenten hat die Musik zur Inszenierung von Ibsens Peer Gynt am Dortmunder Schauspielhaus komponiert und dieser Song mit stimmlicher Unterstützung dreier Damen vom Ensemble.des Theaters ist ein Vorgeschmack auf das im Februar 2014 erscheinende Album.
  • Overseas - Down Below
Ein unglaublich melancholischer Song, der dich aber dabei eben nicht runter zieht.
  • Iron Chic - Spooky Action At A Distance
Faust in die Luft und Mitsingen.
  • The Burning Hell - Grown-Ups
Die Stimme singt "You were a Nazi hunter" und dazu klingen die Gitarren wie in Pavements Summer Babe, das muss man lieben.
  • Grant Hart - Is The Sky The Limit
 Das Album The Argument ist durchwachsen, zu lang und zu ambitioniert, aber das ist wieder Grant Hart wie vor über 20 Jahren..
  • Messer - Neonlicht
 Die Vorabsingle und das herausragende Stück aus dem neuen Album Die Unsichtbaren.
  • Frightened Rabbit - State Hospital
Als Single bereits letztes Jahr veröffentlicht, aber nun auch auf dem Album Pedestrian Verse und der herausragende, weil etwas andere Track.
  • Future Bible Heroes - Keep Your Children In A Coma
Stephin Merritt von The Magnetic Fields schüttelt wieder kleine Synthpop-Perlen aus dem Ärmel mit aberwitzigen Texten und Titeln.
  • A Place To Bury Strangers - Dead Moon Night
Dead Moon, wie frühe The Jesus & Mary Chain.sie covern würden.
  • RM Hubbert - Bolt
Fragiler Flamenco-Gitarrensound und dazu mit sanftem schottischem Akzent Zeilen wie "He broke your heart, I broke his jaw", da möchte man sofort wieder nach Glasgow fliegen.

Weitere Lieder, die mir dieses Jahr im Gehörgang hängen geblieben sind:
RVIVR - Paper Thin
Sigur Rós - Kveikur
Chvrches - We Sink
65daysofstatic - Safe Passage
Turbostaat - Fresendelf
Goodbye Fairground - Blame It On The Latency

Und was bringt 2014?
Nun, ich erhoffe mir, den Lumberjack Song von den alten Herren von Monty Python im Juli live zu hören zu bekommen. Außerdem steht in der ersten Januarwoche meine erster Opernbesuch an und dann gleich vier Stunden Richard Wagner (Tannhäuser), ich bin gespannt.

Montag, 23. Dezember 2013

The Burning Hell

The Burning Hell

19.12.13 Druckluft, Oberhausen

"You were a Nazi hunter" - mit diesen Zeilen beginnt Grown-Ups, der Opener von People, dem mittlerweile sechsten Album der kanadische Band The Burning Hell, das Ganze musikalisch untermalt von einem fluffigem Indiesound, bei dem ich sofort an Summer Babe von Pavement denken musste. Das ganze Album ist einfach große Klasse, voller skurriler Geschichten, die musikalisch abwechslungsreich (neben Pavement höre ich da u.a. Lou Reed, Adam Green oder The Presidents Of The USA raus) erzählt werden. Umso erstaunlicher, dass die Band bislang ungerechterweise komplett an mir vorbei gegangen ist.  Doch mit dieser Tour wurde das zum Glück anders.

The Burning Hell

Eigentlich sind The Burning Hell das Projekt von Mathias Kom mit bis zu sechs verschiedenen Gastmusikern, doch für diese Tour war er nur mit Klarinettistin Ariel Sharratt als Duo unterwegs. Ich hatte den Auftritt im Druckluft eigentlich schon abgehakt, da ich bis 20 Uhr arbeiten musste und so erst gegen viertel vor zehn dort auflaufen könnte, aber da mir die Leute vom Druckluft auf Anfrage schrieben, dass The Burning Hell zwar keine Vorband hätten, aber wohl erst gegen 21:30 Uhr anfangen würden, machte ich mich doch noch auf den Weg und bereute es nicht.

The Burning Hell

Zu den Klängen von Grown-Ups kam ich im Druckluft an und merkte, dass das Wort Geheimtipp die Band wohl sehr treffend beschreibt, denn es waren keine 20 Besucher da. Doch das schien den beiden Musikern nichts auszumachen, denn sie zeigten sich spiel- und erzählfreudig. So erklärte er z. B., dassder Song  Realists auf einer wahren Begebenheit basiert, dass seine Band samt befreundeter deutscher Vorgruppe in Toronto beinahe mal aus dem Club, in dem sie auftreten sollten, geflogen wären, weil die Deutschen eine Flasche Bourbon Backstage hatten, was in Kanada streng verboten ist.


Nachdem er sich vergewissert hatte, dass keine kanadischen Patrioten anwesend waren, spielte er auch das bislang unveröffentlichte Canadian Flag, ein wunderbarer Ratgeber zu dem Thema, ob man denn die kanadische Flagge verbrennen dürfe. Auch Textzeilen wie "Love, it's like a hurricane, it happens in Florida" (aus It Happens In Florida) sorgten für große Erheiterung. Und hörte ich auf Platte Lou Reed raus (vor allem Barbarians von der People), so wurde ich live in meinem Eindruck bestätigt, coverten The Burning Hell doch I'm Sticking With You, passend zum schrägen Humor also einen der wenigen Songs, die Moe Tucker gesungen hat, weshalb an diesem Abend natürlich Ariel Sharratt den Gesang übernahm.
Aber es ging noch schräger, denn es wurde auch Deutsch gesungen, Container von der befreundeten Band daantje & the golden handwerk, demnächst wohl auch auf einer neuen EP erhältlich.


Nach zwei Zugaben war dann nach etwas mehr als einer Stunde Schluss und der Andrang am Merchandise Stand zeigte, wie sehr den viel zu wenig anwesenden der Abend gefallen hat, denn fast jeder deckte sich anschließend noch mit Vinyl oder Baumwolle ein.
Wer sich jetzt ärgert, etwas verpasst zu haben, hat am 22. Januar 2014 noch Gelegenheit, das Duo in der Düsseldorfer Kassette zu sehen. Ich werde dort definitiv den verpassten Konzertanfang nachholen

Mittwoch, 18. Dezember 2013

Angry Pop Fest

Angry Pop Fest

w/ Captain Planet / Love A / Leitkegel

14.12.13 Zakk, Düsseldorf

Wer hat sich das bloß ausgedacht. An einem Wochenende ein zweitägiges Festival in der altehrwürdigen Kölner Stadthalle Mülheim u. a. mit exklusiven Auftritten von Grant Hart, Robert Forster und The Fall, dazu zwei Konzerte von EA 80 im Gebäude 9 und ein Schichtplan, der mich an beiden Abenden bis mindestens 18 Uhr arbeiten ließ. Da blieb nur die dritte Wahl, den Samstag direkt vom Büro ins Zakk zu fahren, um im Vergleich zu den alten Helden drei jungen deutschen Bands Gehör zu schenken.

Angry Pop Fest

Ursprünglich war das Konzert für den kleinen Club im Zakk angekündigt, doch zum Glück hatte sich der Veranstalter dann doch entschieden, die Bands in der großen Halle spielen zu lassen, was sich ob des Andrangs als weise Entscheidung erwies.
Schon bei Leitkegel, die kurz nach halb neun als erste band auf die Bühne mussten, war der Saal gut gefüllt und nicht nur wegen der Pizza-Leuchtreklame unterhalb des Schlagzeugs machte ihr Auftritt Appetit auf mehr.

Leitkegel

Ich hatte die vier Essener vor gut anderthalb Jahren bereits im Vorprogramm von Conmoto gesehen und sie hatten mich damals mit ihrer Mischung aus Post-Rock und -Hardcore vollauf überzeugt. Bei den darauf folgenden EPs trat allerdings das epische Moment in den Hintergrund und es wurde mehr gepunkrockt. Diese Schiene wurde auch im Zakk beibehalten. Doch da die Musik immer noch alles andere als straight war und zudem trotz aller Schwere leichtfüßig rüber kam, zudem die intelligenten Texte nicht verflachten, gefiel mir auch dieser Auftritt wieder ausgesprochen gut. Zwei neue Songs von einer Anfang nächsten Jahres erscheinenden Single wurden auch bereits vorgestellt. Der Sound ließ zwar etwas zu wünschen übrig, die Gitarre war zu leise und auch der Gesang litt ein wenig unter Mikrofonproblemen, aber dennoch überzeugten Leitkegel nicht nur mich, sondern auch die übrigen Besucher.


Aus Love A und mir hingegen wurde es auch keine Liebe auf den dritten Blick. Allerdings gab ich ihnen auch erneut, wie schon bei Captain Planet letztes Jahr im Druckluft, keine richtige Chance, sondern hörte mir den Auftritt größtenteils von der Raucherterrasse aus an. Vielleicht habe ich ja beim nächsten Mal endlich Bock auf euch. Aber gerade wegen der Ähnlichkeit zu Captain Planet wollte ich an diesem Abend nur das Original hören.
Im Vergleich zu EA 80 sind sicher die meisten Bands jung, doch eigentlich sind Captain Planet ja alte Hasen, die dieses Jahr bereits ihr zehnjähriges Jubiläum feiern konnten. Da zudem ihr aktuelles Treibeis auch bereits ein Jahr auf dem Buckel hat, boten die fünf Hamburger mal einfach ein Greatest Hits Programm aus ihren Alben. Das mittlerweile volle Zakk zeigte sich dankbar und grölte von Anfang bis Ende alles lauthals mit, ob Pyro, Blattsport, Rambo oder Spreu vom Weizen. Um im Gegensatz zu Roxette - Sänger Jan trug übrigens ein Roxette-Tourshirt - bei denen man eher peinlich berührt ist, wenn man entdeckt, wie viele ihrer Songs man mitsingen kann, war ich bei Captain Planet angenehm überrascht; wie viele Texte ich noch auswendig kannte, obwohl ich in den letzten zwölf Monaten kaum in die inzwischen drei Alben reingehört hatte.

Captain Planet

Die gut 65 Minuten inkl. Zugaben vergingen wie im Fluge und zeigten eindrucksvoll, warum Captain Planet neben Turbostaat zu den besten jüngeren deutschsprachigen Punkbands zählen und dem "Nachwuchs" wie Frau Potz oder Love A immer noch um Längen voraus sind.

The Roughtones

The Roughtones

12.12.13 Herr Walter, Dortmund

"Die Gentlemen bitten zur Barkasse", so lautete das Motto des weihnachtlichen Auftritts der Roughtones an Bord der Herr Walter, einem im Dortmunder Hafen liegenden, 110 Jahre alten ehemaligen Frachtschiff, das zu einem Club umfunktioniert wurde und den würdigen Rahmen für die vier älteren Herren bildete, deren gemeinsames Alter das des Herrn Walter nur unwesentlich übertraf.

The Roughtones

Die Roughtones spielten 60s basierten Garagenrock, stilecht in feinen Zwirn gekleidet, nur der Sänger mit einer Lederjacke den Ted Herold gebend. Ihr Set bestand aus eigenen Stücken, immerhin veröffentlichten sie 2006 eine CD namens A League Of Gentlemen, durchsetzt mit einigen bekannten Coverversionen wie All Day And All Of The Night von den Kinks oder I Believe In Miracles von den Ramones. Natürlich durfte auch ihr größter "Hit" Dead Lover nicht fehlen, der es immerhin auf den Soundtrack zu Julie Delpys Film 2 Days In Paris geschafft hat.


Dabei gefielen mir durchweg die eigenen Kompositionen besser als die Cover, die manchmal etwas hölzern wirkten (vor allem das Ramones-Cover). Die Ausnahme bildete das einem anwesenden Freund als Geburtstagsständchen Sumertime Blues, das als Zugabe gespielt wurde.
Ein gelungener Abend in einer coolen Location und auch wenn der nach eigenen Worten Gentlemen Garagerock der Roughtones für eine Garage nicht schmutzig genug war, so wurde er definitiv von Gentlemen.gespielt.

Mittwoch, 11. Dezember 2013

RM Hubbert

RM Hubbert

09.12.13 Grammatikoff, Duisburg

Das Grammatikoff in Duisburg bietet seit einiger Zeit eine Veranstaltungsreihe namens  Schräges & Gerades an. Immer montags wird im kleinen Studio bei freiem Eintritt Hausputz gemacht, denn "Folk, Jazz, Electro und Pop sind ebenso nur Schubladen, deren Inhalte entstaubt werden können, indem man sie umherwirbelt" (laut Grammatikoff-Homepage). Das klingt interessant und unterstützenswert, doch für eine Fahrt von Dortmund nach Duisburg musste dann schon der Name des Künstlers locken. Und das war diesmal ein Hochkaräter, RM Hubbert aus Glasgow.
Letztes Jahr war er bereits im Vorprogramm von Mogwai in Deutschland unterwegs, im Juni hatte er für sein Album Thirteen Lost & Found den Preis "Scottish Album Of The Year" gewonnen, Ende September erschien dann der Nachfolger Breaks & Bone und Anfang November erst ließ sich sogar Spiegel Online von Hubby durch Glasgows Musikszene führen. Und dieses Juwel spielte nun auf seiner kurzen und auch recht kurzfristig angesetzten Europatour zum einzigen Deutschland-Termin im Hinterzimmer der Kneipe am Dellplatz seine einzigartigen Folksongs.

RM Hubbert
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Tagsüber hatte Hubbert noch getwittert, dass er um 20:40 Uhr auftreten werde. Also standen wir kurz nach acht noch am Dellplatz und rauchten noch eine Zigarette, als ich auf einmal einen weiteren Tweet entdeckte, wo er darauf hinwies, dass er doch schon 20 Minuten früher auf der Bühne sein würde. Ein kurzer Blick auf die Uhr, es war 20:20 Uhr, also schnell rein in den Laden und an der Theke in der Kneipe gefragt, wie es denn zum Studio gehe, da ich diesen Teil des Grammatikoffs noch nicht kannte. Er bat uns, einfach dem Bier zu folgen, dass er gerade dorthin bringen wollte. Gesagt, getan und natürlich selber bei der Gelegenheit auch gleich Getränke bestellt. Das Studio ist in der Tat eine Art Hinterzimmer mit einer kleinen Bühne und einigen Tischen und Stühlen. Mit uns befanden sich genau zehn Leute davor und auf einem Hocker ein Schotte mit seiner Flamenco-Gitarre darauf.
Hubbert hat bislang drei Alben veröffentlicht, die eine klare Entwicklung zeigen. Das Debüt war rein instrumental, danach gab es erste Stücke mit Gesang, allerdings noch von Gästen wie Aidan Moffat (von Arab Strap) oder Emma Pollock und nun traut er sich selbst an die Vertonung. Zwischen den Songs erzählte Hubby einiges zu ihnen und damit auch über sich, denn seine Musik ist reine Therapie für ihn. Er leidet unter chronischen Depressionen und verarbeitet diese sowie Schlüsselerlebnisse aus seinem Leben wie den frühen Tod seiner Eltern oder seine Scheidung durch seine Musik, die ihm so Medikamente oder Arztbesuche erspart. Diese Nabelschau wirkte dabei zum Glück äußerst unpeinlich für die Zuhörer, da sie mit dem typischen schottischen Humor und Sinn für Understatement betrieben wurde.

RM Hubbert

Hubberts Musik hingegen war für einen Nichtmusiker wie mich schwer zu fassen. Sie verwendete Folk-Muster, brach aber immer wieder in fast schon klassische Gefilde aus, so dass ich an Virtuosen wie Paco De Lucia denken musste. Obwohl er wie die meisten auch nur zehn Finger zur Verfügung hat (Männer vom Sägewerk mal ausgenommen), schaffte er es, neben vertrackten Melodien auch noch Rhythmus-Spuren zu spielen, so dass der Eindruck entstand, da wären mehr als nur ein Musiker auf der Bühne.
Da die instrumentalen Songs immer wieder von den Gesangsstücken wie Bolt unterbrochen wurden, wobei Hubberts warmer, schottischer Akzent sehr angenehm klang, kam auch keine Langeweile auf, bzw. wurde es zu verkopft. Die wenigen Anwesenden wussten das zu schätzen und forderten nach gut 50 Minuten eine Zugabe, zu der sich Hubby erweichen ließ und noch den Car Song (die Kollaboration mit Aidan Moffat von Thirtenn Lost & Found) oben drauf packte.


Es war ein beeindruckender Auftritt, sowohl musikalisch als auch menschlich, wie jemand so offen und unsentimental sympathisch seine Musik als Therapie benutzt, um sein Leben zu meistern und dadurch auch noch anderen ebenfalls schöne Momente verschafft. Wenn er also das nächste Mal wieder in Deutschland zu Gast ist, sollten mehr Menschen vorbeischauen, sie tun sich und ihm damit einen Gefallen.

Turbostaat

Turbostaat / Die Nerven

08.12.13 Zeche Carl, Essen

Hat einer mal die Jungs von Turbostaat nach ihrem Verhältnis zu Weihnachtsmärkten gefragt? Ich vermute da ja eine Obsession, denn bereits das dritte Jahr in Folge sind die Husumer zur Adventszeit auf Tour und auch das dritte Mal hintereinander in Essen zu Gast. Spielten sie letztes Jahr noch im kleinen Café Nova, waren sie nun erneut in der Zeche Carl, wo rein zufällig gegenüber am Altenessener Markt Bratwurst- und Glühweinbuden standen.
Am Merch-Stand im Vorraum der Kaue, dem Konzertraum der Zeche Carl, lagen Shirts der Vorgruppe Die Nerven mit der Aufschrift "Ich habe DIE NERVEN live gesehen und es war furchtbar"., das klang nach einer schönen Bescherung.

Die Nerven

Kurz nach Beginn des Tatorts war es dann so weit und man konnte sich von dem Wahrheitsgehalt des T-Shirt-Aufdrucks überzeugen. Der Gitarrist kam Barfuß in einem kleinen Kleidchen auf die Bühne (als Nirvana-Referenz gedacht?), der Bassist trug ein Shirt der Band Kolossale Jugend, bei deren Auflösung 1991 der Schlagzeuger seinem Aussehen nach noch nicht einmal auf der Welt war. Die Musik dann überzeugte, kantiger Noiserock mit Bezügen eben zum sperrigem Postpunk von Kolossale Jugend oder auch ihren Label-Kollegen Messer. Ihr zweites Album erscheint im Februar nächsten Jahres und wird Fun heißen und die daraus bereits vorgestellten Stücke machten definitiv Spaß.

Turbostaat

Über ein Turbostaat-Konzert braucht man eigentlich nichts mehr zu schreiben, denn die Band war fast das ganze Jahr über mit ihrem aktuellen Album Stadt der Angst unterwegs, haben dabei neben den Clubs auch die großen Festivals wie das Hurricane gerockt, so dass jeder seine zwei, drei Möglichkeiten hatte, sie live zu sehen. Und obwohl die Band nicht mehr beim Majorlabel Warner ist, schaffte es die Platte sogar bis auf Platz 17 der deutschen Albumcharts. Trotz des Erfolges brauchten sie aber eben wegen der vielen Konzerte nicht in größere, sterile Hallen ausweichen, sondern konnten wieder die gewohnten Plätze abklappern. Die Zeche Carl war gut gefüllt, es kam mir aber sogar etwas leerer als beim letzten Mal vor. Doch die Band, obwohl sie am Abend zuvor im seit Wochen ausverkauften Bürgerhaus Stollwerck in Köln gefeiert wurde, ließ sich keine Enttäuschung und erst recht keine Müdigkeit anmerken, sondern spielte wieder ein gut 80 minütiges Potpourri aus den mittlerweile zwölf Jahren ihres Schaffens.


Dabei zeigten sich die Fans von der ersten Minute an textsicher und das nicht nur bei Gassenhauern wie Harm Rochel. Die Turbostaatsmänner erwiesen sich sympathisch wie immer und diesmal auch fürsorglich hilfsbereit. Als ein Mädel die Bühne erklomm, aber nicht zum Stagediven, sondern weil sie wohl irgendwohin wollte, aber leicht verwirrt an den Boxen entlang irrte, geleitete sie Gitarrist Marten galant wieder herunter. Um den Rest des Publikums nach draußen zu befördern, bedurfte es natürlich keiner helfenden Hand, sondern handfester Zugaben wie dem Fünfwürstchengriff.


Erst nach einer zweiten Zugabe mit Fresendelf als Abschluss war dann die Bescherung endgültig vorbei. Es war wieder einmal schön zu sehen, dass auch nach den vielen Konzerten die Jungs immer noch Spaß am Spielen hatten, so dass hoffentlich auch im nächsten Jahr der Adventskalender hinter irgend einem Türchen ein Turbostaat-Konzert versteckt haben wird.



Dienstag, 10. Dezember 2013

Jake Bellows

Jake Bellows / Pedro Barba

06.12.13 Kassette, Düsseldorf

Jake wer? Jake Bellows war Sänger/Gitarrist bei Neva Dinova. Neva wer? Die Band nahm zwischen 2001 und 2009 vier Alben auf und ging komplett an mir vorbei, obwohl sie auf Saddle Creek waren und auch ein Split-Album mit Bright Eyes veröffentlichten, aber den Hype um Conor Oberst habe ich nie so recht verstanden. Jedenfalls hat Jake Bellows nun sein erstes Soloalbum New Ocean veröffentlicht, ebenfalls auf Saddle Creek und stellte es auf einer kleinen Deutschland-Tour vor.

Kassette, Düsseldorf

Doch zunächst wurde ein junger, in Düsseldorf lebender Spanier namens Jorge vorgestellt, der unter dem Künstlernamen Pedro Barba eine Liedchen auf seiner akustischen Klampfe darbot. Das war sehr beeinflusst von Bright Eyes und klang allerdings etwas schräg. Ob seine alte Gitarre einfach nur verstimmt war oder er nervös war und sich häufig verspielte, mochte ich nicht beurteilen, besonders spannend klangen die Lieder um verflossene und erblühende Beziehungen jedenfalls nicht.

Jake Bellows

Ganz anders danach Jake Bellows. Sein Solo-Set auf der elektrischen Gitarre war so abwechslungsreich wie sein Album. Dort wechseln sich auch ruhige, akustische Stücke mit voll instrumentierten Rocksongs in bester Lemonheads-Tradition ab und sorgen so für kurzweilige Unterhaltung. Dieses Konzept setzte Bellows auch in der gut gefüllten Kassette um, streute dabei noch einige Coverversionen und Songs seiner alten Band Neva Dinova ein.


Bei meinem ersten Besuch in der Kassette letztes Jahr zu I Build Collapsible Mountains war mir noch das laute Gerede im Publikum sehr unangenehm aufgefallen. Offensichtlich ging es nicht nur mir so, denn zu Beginn bat jemand vom Haus die Gäste doch darum, aus Respekt vor dem Künstler etwas ruhiger zu sein und zum Glück hielten sich die Zuschauer auch daran, so dass Störgeräusche diesmal nur ab und zu aus dem Thekenbereich von der Espressomaschine kamen. Zwar beherrschte Bellows auch die lauteren Töne wie bei All Right Now, aber vorherrschend waren schon ruhigere Töne. Hier ragten neben dem mir unbekannten, unveröffentlichten (?) I Could Never Know vor allem zwei Coverversionen raus, The Whole Of The Law von The Only Ones und der Soul-Klassiker Yes, I'm Ready von Barbara Mason. Den Kermit-Song Bein' Green aus der Sesamstraße versemmelte er leider und musste ihn erneut anfangen.


Zwischen den Songs präsentierte Bellows sich sehr sympathisch und versuchte sich auch an kleinen Scherzchen, die zwar nicht immer zündeten, aber dennoch für eine sehr angenehme Atmosphäre sorgten. Und da das Publikum aufmerksam zuhörte und nicht mit Applaus geizte, musste Bellows zwangsläufig auch Zugaben geben, u.a. den Bright Eyes Song Spring Cleaning von der Split-LP mit Neva Dinova. Zum Abschluss drehte er dann noch einmal den Verstärker etwas auf und verabschiedete sich nach gut 100 Minuten Spielzeit mit Johnny Thunders' You Can't Put Your Arms Around A Memory,


Die Kassette bietet häufiger Konzerte bei freiem Eintritt an und wer gerade in der Nähe ist, sollte da mal reinschauen, denn der Laden ist sehr schön und wenn die übrigen Termine nur annähernd so gut sind wie der Auftritt von Jake Bellows, lohnt es sich auf jeden Fall.

Freitag, 6. Dezember 2013

Superchunk

Superchunk / Girls Against Boys

03.12.13 Electric Ballroom, London

"Konzert des Jahres!!!" waren meine Worte anlässlich des Superchunk-Konzerts vor fast auf den Tag genau zwei Jahren in der Londoner Scala. Nun haben sie dieses Jahr wieder eine neue Platte veröffentlicht und sind wieder in Europa auf Tour (und natürlich wieder nicht in Deutschland), also ging es wieder nach London, aber auch wieder zu einem Konzert des Jahres?

Electric Ballroom

Der Electric Ballroom liegt in Camden und wirkt von außen eher wie ein Pub mit überdimensionierter Leuchtreklame. Doch tatsächlich bietet er Platz für ca. 1100 Gäste. Eine halbe Stunde vor Einlass war von denen aber noch nichts zu sehen, so dass ich mich mit einer Delegation des Gleis 22, die ebenfalls am Morgen von Dortmund aus nach London geflogen war, in den nächsten Pub begab.

Girls Against Boys

Kurz nach 20 Uhr ging es dann in den Club, der seine wahre Größe dann nach ein paar Stufen hinunter offenbarte. Es war tatsächlich eine Halle fast so groß wie die Live Music Hall und auf der Bühne spielten bereits Girls Against Boys. Genau, die gibt es auch noch, bzw. wieder. Ende der 80er hatte ich im Fahrwasser von Fugazi die Band Soul Side, ebenfalls auf Dischord, entdeckt. Aus Soul Side gingen, ergänzt um den Produzenten Eli Janney, Girls Against Boys hervor, deren Sound die Hardcore-Wurzeln noch erkennen ließ, aber durch reichlich Elektronik und vor allem zwei Bässe aufgepeppt wurde. Ihren Stil sind sie bis heute treu geblieben, wovon auch die neue, im Sommer veröffentlichte EP zeugt. Live klang das an diesem Abend auch stellenweise richtig gut, vor allem bei alten Songs wie Kill The Sexplayer. Für britische Verhältnisse spielten sie für eine Vorgruppe geradezu epische 50 Minuten, die mich zwar nicht durchweg begeisterten, aber schon deutlich besser waren, als z. B. Let's Wrestle vor zwei Jahren.

Superchunk

Pünktlich um halb zehn kamen dann Superchunk auf die Bühne. Bassistin Laura Ballance ist zwar nur noch auf Platte dabei, hat das Touren wegen ihrer Hyperakusis, eine Schall-Überempfindlichkeit, aufgegeben, aber mit Jason Narducy aus der Live-Band Bob Moulds war ein fast ebenbürtiger Ersatz dabei. Zwar beherrschte er die hohe Kunst des Flumminierens, wie ein kleiner Gummiball kreuz und quer über die Bühne zu hüpfen, nicht annähernd so gut wie Laura, war dafür umso versierter in allen anderen Posing-Disziplinen.
Das Set wurde mit zwei Songs vom aktuellen Album I Hate Music eröffnet, das zwar weniger offensichtliche Hits wie Majesty Shredding aufweist, aber dennoch erneut die einsame Klasse des Songwriters Mac McCaughan aufzeigt. Das dies ein besonderer Abend auch für ihn war, zeigte sich recht bald, als er auf Grund der vielen Wünsche einen Song spielen würde, den sie sonst eigentlich nicht im Programm hätten, worauf Ribbon folgte. Da direkt im Anschluss auch noch Package Thief und Punch Me Harder gespielt wurden, war dies früh bereits ein echter Höhepunkt. Mac meinte danach scherzhaft, eine Superchunk-Setlist gehorche nur einer Regel, der nächste Song müsse schneller sein als der vorherige. doch natürlich hielten sie das nicht durch.


Danach wechselten sich neue mit älteren Songs ab, aber es fehlten die frühen Kracher dabei. Dennoch herrschte ausgezeichnete Stimmung im Ballroom, die dann überkochte, als Digging for Something und vor allem Slack Motherfucker das reguläre Set beendeten. Es wurde lauthals mitgesungen und getanzt, was bei Slack Motherfucker zu erwarten war, aber der Enthusiasmus auch bei Digging For Something (von der Majesty Shredding) belegte, dass Superchunk nach ihrer fast zehnjährigen Abstinenz nicht allein von der Nostalgie leben müssen, sondern auch mit neuen Songs immer noch begeistern können.

Superchunk

Natürlich gab es eine Zugabe und Mac zeigte sich schon etwas gerührt vor fast ausverkauften Haus und erklärte dies auch, dass sie zwar auf Festivals vor größerem Publikum spielen würden, aber da halt vor manchmal etwas trägem Publikum, das halt nicht nur wegen ihnen da wäre und dies hier bei den knapp 1000 Zuschauern eben komplett anders sei. Als Belohnung gab es dann die ebenfalls selten gespielte Coverversion 100,000 Fireflies, eine alte B-Seite und im Original vom ersten Album der Magnetic Fields.


Nach Throwing Things verabschiedeten sich die vier erneut von der Bühne und das wäre eigentlich sonst das ende des Konzerts gewesen. Doch London ist für die Band schon immer ein spezieller Ort gewesen und Camden erst recht, spielten sie doch um die Ecke in der Underworld vor über zwanzig Jahren ihre allererste Show in Europa. Und so kamen sie für eine zweite Zugabe zurück. Pünktlich zur Sperrstunde um 23 Uhr verklangen dann die letzten Töne von Precision Auto und ließen ein verschwitztes und mehr als zufriedenes Publikum zurück.


Links neben mir hatte während des Konzerts ein Mann gestanden, schätzungsweise ein Enddreißiger, der vom Aussehen und auch vom Verhalten her eher einen zurückhaltenden Eindruck machte. Die meiste Zeit hatte er den Blick leicht gesenkt, schaute dann immer wieder zur Bühne hinauf. Während er noch fast bewegungslos stand, nur manchmal leicht im Takt mitwippte, huschte aber immer wieder ein zufriedenes Lächeln kurz über seinen Mundwinkel. Dies wurde mit zunehmender Dauer zu einem immer breiteren Grinsen, bis er schließlich auch mitsang und -hüpfte und eben nicht nur bei den alten Hits, vermutlich aus seiner Jugend. Dieser Mann war für mich symptomatisch für das Konzert, denn selbst wenn man eventuell kein so eingefleischter Fan der Band ist oder ein eher reservierter Typ, packte einen dieser Auftritt, konnte man sich der positiven Energie einfach nicht entziehen

Piccadilly Circus

Am Nachmittag hatte sich London im weihnachtlichen Gewand präsentiert und der Abend war bereits die vorgezogene Bescherung. Konzert des Jahres? Ja!!!

Setlist:
Breaking Down
FOH
For Tension
Ribbon
Package Thief
Punch Me Harder
Void
Out Of The Sun
The Popular Music
Kicked In
Iron On
Water Wings
Low F
Me & You & Jackie Mittoo
Digging for Something
Slack Motherfucker
--------------------------
100,000 Fireflies
Detroit Has A Skyline
Throwing Things
---------------------------
Learned To Surf
Precision Auto

Dienstag, 3. Dezember 2013

Scott Matthew

Scott Matthew

28.11.13 Grammatikoff, Duisburg

Als Scott Matthew letztes Jahr beim Small Beast im Dortmunder Schauspielhaus gastierte, eroberte er mit seinen Coversongs die Herzen aller Anwesenden im Sturm. Inzwischen hat er unter dem Titel Unlearned seine Interpretationen bekannter Songs als Album veröffentlicht und tourt damit erneut durchs Land.

Scott Matthew

Das Grammatikoff war bestuhlt und als wir kurz nach Acht ankamen, waren die besten Plätze bereits vergeben, so dass wir uns auf den Hockern vor dem Mischpult niederließen. Um halb neun kam Scott Matthew mit seinen beiden Mitmusikern Jürgen Stark an der Gitarre und M. Eugene Lemcio am Keyboard auf die Bühne und begann mit To Love Somebody von den Bee Gees. Doch der Abend bestand nicht nur aus Fremdkompositionen, sondern zwischendurch wurden auch eigene Songs wie das wundervolle For Dick eingestreut. Und das war gut so, denn dadurch merkte man umso mehr, wie sehr Matthews Interpretationen der fremden Songs seinem eigenen Stil entsprachen, so dass es umso klarer wurde, dass er sich diese Songs dadurch quasi zu eigen machte und sie dadurch zu Stücken wurden, die ihm am Herzen liegen.


Das Publikum im durch die Bestuhlung fast ausverkauften Grammatikoff lauschte dabei andächtig, selbst der Mann hinter der Theke bemühte sich, die Bierflaschen möglichst leise zu öffnen. Doch auch wenn eine ergriffene Atmosphäre herrschte und auch Matthew selber manchmal tief in sich versunken zu sein schien, war es dennoch nicht zu besinnlich, dafür lockerte er selber die Atmosphäre mit seinen wieder manchmal etwas linkischen, gerne auch selbstironischen Ansagen auf. So kündigte er L.O.V.E. als "fun part" an, der aber nicht sehr lang anhalte und es war in der Tat das kürzeste Lied des Abends.

Scott Matthew

Bei I Wanna Dance With Somebody bat er um stimmliche Unterstützung, weil es ihn einfach glücklich mache, wenn die Leute mitsängen, worauf das Publikum sich offensichtlich sehr um sein Wohlergehen besorgt zeigte und brav, wenn auch dezent der Bitte nachkam.


Als das Trio nach 75 Minuten die Bühne verließ, verlangten die Zuschauer natürlich nach einer Zugabe, die auch gewährt wurde. Sogar ein zweites Mal kamen die drei zurück. Dabei kündigte Scott Matthew an, dass sie ja nun eigentlich immer Love Will Tear Us Apart spielen würden, er es sich diesmal aber anders überlegt habe und statt dessen Language spielte. Man spürte schon eine leichte Enttäuschung und zur Erleichterung der Anwesenden spielte er anschließend doch noch den Joy Division Klassiker, den er als großes Drama ankündigte, nach dem er einfach in Ohnmacht fallen würde. Und genau dieses große Drama bot er auch, eine bessere und eindringlichere Version dieses fast schon zu Tode gecoverten Liedes habe ich jedenfalls noch nicht gehört.


Nach fast 100 Minuten war dann, auch ohne Ohnmachtsanfall, endgültig Schluss. Oft gilt das Covern von Liedern ja als einfallslos, doch wenn es auf so unnachahmliche Art und Weise geschieht wie bei Scott Matthew ist es eine Kunst und so war dieser Abend ein Kunstwerk der Extraklasse.

Setlist:
To Love Somebody
Total Recall
For Dick
The Wonder Of Falling
Harvest Moon
Smile
I Wanna Dance With Somebody
In The End
Little Bird
Jesse
L.O.V.E.
This Guy's In Love With You
Annie's Song
Anarchy In The UK
Abandoned
-------------------------------------
White Horse
Friends And Foes
--------------------------------------
Language
Love Will Tear Us Apart

Montag, 2. Dezember 2013

Placebo

Telekom Street Gigs

w/ Placebo / In The Valley Below

26.11.13 Zeche Zollverein, Essen

Endlich mal Glück gehabt! Na gut, dass "endlich" ist eigentlich übertrieben, denn ich habe schon öfter Eintrittskarten für Konzerte gewonnen. Aber das waren meistens Shows, bei denen man ansonsten bequem noch an der Abendkasse seinen Eintritt hätte bezahlen können. Bei diesen Telekom Street Gigs ist das anders. Hier kann man keine Tickets kaufen, sondern ausschließlich gewinnen. Und wenn man dann noch die Gelegenheit hat, Placebo anstatt in einer großen Arena (zehn Tage zuvor spielten sie noch in der Lanxess-Arena in Köln) mit rund 500 anderen Glückspilzen in einer ungewöhnlichen Location, der Kokerei der Zeche Zollverein, zu sehen, freut man sich halt besonders.


Dank der Störungen im Bahnverkehr um den Essener Hauptbahnhof auf Grund der Bergbauschäden wurde die Anfahrt kurzfristig umgeplant und die Straßenbahn von Gelsenkirchen aus genommen. Selbst im Dunkeln wurde die holprige Strecke zu einer gefühlten Reise durch osteuropäische Elendsviertel, nur noch übertroffen von den Busfahrten durch Gelsenkirchen-Bismarck zum Auswärtsspiel auf Schalke. Am imposanten Zechenturm angekommen stellte sich die Frage, wo man denn nun hinmüsse. Schnell einer kleinen Gruppe anderer Suchender angeschlossen, folgte noch ein längerer Fu0marsch durch das riesige Areal, bis man schließlich an der Kokerei ankam.

In The Valley Below

Die Eingangshalle stand im Zeichen der Werbung, hier ein Stand von Sony, dort einer der Telekom, zwischendurch wuselten dynamische Studenten, die Umfrage-Opfer suchten. Eine kleine Treppe hoch, dann ging es durch einen dunklen Tunnel-ähnlichen Gang und noch einmal eine enge Treppe, dann standen wir endlich im eigentlichen Konzertraum. Von der Decke hingen riesige, unten offene Trichter, mehrere Säulen ließen die Halle kleiner wirken, als sie tatsächlich war.
Kurz vor halb acht betrat der Conferencier Simon Gosejohann (schließlich wird das Konzert auch noch bei Pro Sieben ausgestrahlt werden) die Bühne und kündigte eine Vorgruppe namens In The Valley Below an. Oh, die sind ja auf Arts & Crafts, dem Label von Broken Social Scene. Außerdem erinnerte das Duo optisch an eine Wave-Ausgabe von The Kills. Aber akustisch war es belangloser, glatt gebügelter Wave-Pop, der nicht nur mich kalt ließ. Da war die anschließende Handy-Verlosung mit Herrn Gosejohann fast noch unterhaltsamer.

Placebo

Pünktlich um halb neun kamen dann Placebo auf die Bühne. Das neue Album Loud Like Love hat mich ja angenehm überrascht, da es mir im Vergleich zum direkten Vorgänger und auch gegenüber anderen diesjährigen Veröffentlichungen von inzwischen im Mainstream angekommenen, von mir geschätzten Bands deutlich besser ist und einige richtig tolle Stücke enthält. Folgerichtig bestand das Set fast aus dem kompletten Album sowie einigen Stücken von der Meds (Battle Of The Sun wurde zu Recht komplett ausgespart) und die Album Highlights Loud Like Love, Too Many Friends und Begin The End überzeugten auch live besonders.
Der Auftritt war etwas kürzer als die regulären Konzerte, dafür blieben außer einem Danke hier und da lästige Ansagen aus. Die Band spielte routiniert und professionell, ohne den Werbeauftritt als lästige Pflicht zu absolvieren. Passend verabschiedeten sie sich nach einer guten Stunde mit Song To Say Goodbye, kamen aber natürlich für eine Zugabe zurück, die es in sich hatte. Teenage Angst vom Debütalbum, das Kate Bush-Cover Running Up That Hill und eine epische Version von Infra-Red rundeten das Konzert ab.

Placebo

Einem geschenkten Gaul schaut man bekanntlich nicht ins Maul, aber dieser Auftritt hatte auch ohne die Songs meines Lieblingsalbums Without You I'm Nothing genug Biss, um Placebo bei einer zukünftigen Tour vielleicht auch mal wieder in einer der großen Hallen sehen zu wollen.

Setlist:
B3
Loud Like Love
Scene Of The Crime
Twenty Years
Too Many Friends
Rob The Bank
A Million Little Pieces
Purify
Space Monkey
Blind
Exit Wounds
Begin The End
Song To Say Goodbye
--------------------------
Teenage Angst
Runniong Up That Hill
Infra-Red

Frightened Rabbit

Frightened Rabbit

22.11.13 Gebäude 9, Köln

Vor über einem Jahr spielten Frightened Rabbit bereits im Gebäude 9 und ich sah damals das Potential, auch hierzulande bald größere Hallen zu füllen.  Nun ist seit Februar das aktuelle Album Pedestrian Verse raus und die Band damit seitdem weltweit auf Tour, füllt in England inzwischen die ehrwürdige Brixton Academy und spielt dennoch wieder "nur" im Gebäude 9.

Frightened Rabbit

Der Laden war ähnlich gut gefüllt wie damals und Frightened Rabbit vielleicht sogar noch etwas besser drauf. Auch wenn Sänger Scott seinen eingeschränkten Bewegungsradius mit Rückenschmerzen entschuldigte, merkte man ihm während des Auftritts diese nicht an. Da zudem Roadie Simon immer mehr im Hintergrund Gitarre spielte, war der Sound auch kräftig. Und dennoch war ich nicht hundertprozentig zufrieden, denn wie schon letztes Jahr wurde State Hospital versemmelt. Es ist für mich das herausragende Stück auf Pedestrian Verse und deutete eine neue Tiefe der Band an, die sie in Richtung The Twilight Sad rücken ließe, die aber das Album nicht halten konnte. Es ist gut, keine Frage, sicher eine Weiterentwicklung, ohne gleich so sehr in den Mainstream abzudriften wie Biffy Clyros letztes, für mich enttäuschendes Werk.


Aber State Hospital versprach eine andere Richtung, die sie mit The Loneliness And The Scream oder Keep Yourself Warm bereits früher angedeutet hatten und die ebenfalls zu meinen Lieblingsstücken von Frightened Rabbit zählen. Nur live konnten sie das Pathos und die opulente Steigerung zum Ende hin erneut nicht umsetzen, was bei einem Song aus einer Setlist von neunzehn sicher nicht so schlimm war. Aber wenn man beim Schreiben dieser Zeilen zudem das neue Album von There Will Be Fireworks hört, die mit The Dark, Dark Bright einen würdigen Nachfolger ihres ersten Albums abgeliefert haben und bei dem der Titel Programm ist, dann macht sich rückblickend doch etwas Enttäuschung breit.


An dem Abend im Gebäude 9 allerdings schafften es die Schotten noch, mich zu überzeugen, weil sie in der Zugabe noch meine Favoriten raushauten, die auch überzeugend dargeboten wurden.
Letztlich war es also ein gutes Konzert, dass erst in der Nachbetrachtung geschmälert wurde, allerdings weniger von der Band als von meinen womöglich überzogenen Erwartungen.

Setlist Frightened Rabbit

Setlist:
Holy
The Modern Leper
Nothing Like You
Dead Now
Old Old Fashioned
December's Traditions
Music Now
The Wrestle
Fast Blood
State Hospital
Head Rolls Off
Nitrous Gas
Floating In The Forth
My Backwards Walk
The Oil Slick
Acts Of Man
--------------------------
The Woodpile
Keep Yourself Warm
The Loneliness And The Scream

Dienstag, 26. November 2013

Paper Beat Scissors

Paper Beat Scissors / Michael Feuerstack

21.11.13 Gleis 22, Münster

Am Abend zuvor hatte ich Golden Kanine live gesehen und war in dieses Konzert ohne große Erwartungen rein gegangen und bin hellauf begeistert raus gekommen.
Bei Paper Beat Scissors, dem Projekt des in Kanada lebenden Engländers Tim Crabtree, war es hingegen so, dass das Album immer mehr gesteigert hat und momentan einer meiner Favoriten ist. Die Platte ist bereits letztes Jahr im Frühjahr erschienen und seitdem war Crabtree bereits zweimal in Deutschland auf Tour, allerdings solo und damals von mir noch komplett ignoriert. Doch diesmal war er in insgesamt siebenköpfiger Bandbesetzung unterwegs und das versprach natürlich eine ganz andere Umsetzung der Stücke und machte mich damit so neugierig, das auch unter der Woche der Weg ins Gleis 22 zur Pflichtveranstaltung wurde.

Michael Feuerstack

Der Abend im überschaubar gefüllten gleis wurde von Michael Feuerstack eröffnet, ebenfalls Kanadier und seines Zeichens Mitproduzent des Paper Beat Scissors-Albums. Als Solo-Künstler veröffentlichte er zahlreiche Platten unter dem Namen Snailhouse und eins unter seinem Namen. Überzeugen konnte an diesem Abend sein feines Gitarrenspiel und seine sympathische Art, die Songs selber waren nun nicht so fesselnd. Dennoch war es ein solides Vorprogramm.

Paper Beat Scissors

Kurze Zeit später stand Feuerstack erneut auf der Bühne, diesmal am rechten Bühnenrand als Mitglied der Live-Besetzung von Paper Beat Scissors. Mit ihm bevölkerten noch ein Bassist, ein Schlagzeuger, eine Geigerin, eine Fagottistin und ein Hornist das enge Rechteck, während vorne Tim Crabtree neben seinen Schuhen auf Socken den Frontmann gab. Die Menschen vor der Bühne warne dann doch noch so gerade in der Überzahl, aber mehr als 30 Besucher dürften es leider nicht gewesen sein.
Die lauschten dem auf Grund der Besetzung geradezu kammermusikalischen ersten Songs, eine Mischung aus Bon Iver und Sufjan Stevens. Das klang wunderschön, aber etwas fehlte noch, um den Funken bei mir überspringen zu lassen.


Der wurde dann mit Ends In Themselves gezündet, dem Opener des Albums. Dort jagen mir die geloopten Vocals eine Gänsehaut über den Rücken, hier im Gleis war es die Bandumsetzung, die den Chor aus Stimmen ersetzte und aus der fast sakralen Stimmung eine weltliche, aber mindestens ebenso schöne machte.
Das ansonsten zurückhaltende Publikum honorierte die Musik mit viel Applaus. Da das bislang einzige Albumn von Paper Beat Scissors nicht mehr so ganz taufrisch ist, gab es auch zwei neue Songs zu hören, von denen vor allem Altona (wohl nach der kanadischen Stadt und nicht nach dem Hamburger Viertel benannt) überzeugen konnte.



Nach gut einer Stunde verabschiedete sich das Septett, doch der wahre Höhepunkt sollte noch kommen. Als Zugabe gab es nämlich mit Forgotten den vielleicht schönsten Allbumtrack in einer grandiosen Cinesmascope-Version, die genau den Bombast hatte, den man bei so einer Band auch erhoffen konnte.


Nahezu logisch verlangten die Anwesenden noch eine weitere Zugabe, die Herr Crabtree dann auch gewährte und ganz allein bestritt, sich selbst aber durch Loops unterstützend, nämlich Waltz #1 von Elliott Smith.


So endete nach knapp 75 Minuten ein wunderschönes Konzert mit leider viel zu wenig Besuchern. Ja, es war nasskalt und damit kein Fahrrad-Wetter, aber beim nächsten Mal sollten doch etwas mehr Leute hinter dem Ofen hervor kriechen und sich ins Gleis schleppen, denn Tim Crabtree hat es verdient, ob solo oder mit Band.

Golden Kanine

Golden Kanine

20.11.13 Studio 108, Bochum

Wenn um 20:15 die Türen des Bahnhof Langendreer noch verschlossen sind und man durch sie auch nur einen dunklen Raum sieht, macht man etwas falsch. Dabei sollte das Konzert der sechs Schweden von Golden Kanine doch im Bahnhof stattfinden, allerdings im Studio 108, dem kleineren Konzertsaal. Also einmal um das Bahnhofsgebäude herum und schon sieht man Menschen und erleuchtete Räumlichkeiten.
Das Studio 108 ist gar nicht so viel kleiner als der große Saal, etwas schmaler, dafür länger, wirkt aber genauso gemütlich.

Golden Kanine

Die nächste angenehme Überraschung folgte dann kurz nach halb neuen, als Golden Kanine die Bühne betreten hatten. Der nette Indiefolk der Schweden ist zwar auf Platte sehr gefällig, konnte mich bislang aber nicht hundertprozentig begeistern. doch live war das eine ganz andere Hausnummer.
Von Beginn an verbreitete das Sextett gute Laune, die sich sofort auf den locker besetzten Saal übertrug. Und nahezu mit jedem Stück stieg die Begeisterung des Publikums und es setzte geradezu Beifallsstürme zwischen den Liedern, die auf der Bühne auch deutlich mehr Dynamik hatten als auf den Alben, nicht zuletzt durch den ständigen Bläsereinsatz.


Und auch wenn die Musiker offensichtlich gut gelaunt in das Konzert gegangen waren, schien die Reaktion des Publikums ihre Stimmung noch weiter zu verbessern, so dass z. B. der Trompeter sein Grinsen den ganzen Auftritt über nicht ablegte.
Nach gut 100 Minuten war erst mit der zweiten Zugabe endgültig Schluss und ich machte mich restlos begeistert auf den Heimweg. Es war einer dieser Abende, an denen man nicht viel erwartet und dann umso positiver überrascht wird.

Golden Kanine

Setlist:
Flat Line
Cruelty
200 Years
Crawling Back
Law Of Probable Outcome
Came Down
A World To Save
December
A Call To Arms
Fire
Climb
All Must Die
Madeleine
Scissors
No Fun
Bones
----------------------------------
Happiness
Plans
Burial
Oh They Caught You Too
----------------------------------
The Devil

Sonntag, 17. November 2013

HDQ

HDQ / In Tradition

14.11.13 Panic Room, Essen

Geht es um britischen Punk, der nicht in die (für mich) unsägliche 77er Schublade gehört, sind Leatherface das Maß aller Dinge. Eine der Bands, aus denen Leatherface hervorging, waren HDQ, die ihr erstes Album 1985 veröffentlichten und bei denen Gitarrist Dickie Hammond und Schlagzeuger Andrew Laing spielten.
Nach Jahren der Pause sind HDQ mit neuem Album Lost In Translation wider da und passenderweise auch direkt in Deutschland auf Tour.

HDQ

Der Panic Room ist eine nette Rock'n'Roll-Kneipe am Viehofer Platz, direkt zwischen dem Café Nord und dem Turock. Mitten im Laden steht ein amerikanischer Schlitten, die Bühne ist direkt rechts neben dem Eingang. Gegen 21:30 Uhr wird sie von den fünf Bengeln von In Tradition geentert. Bei ihrem Auftritt im Vorprogramm von Idle Class und Goodbye Fairground im Druckluft haben sie mich alles andere als überzeugt, was sich an diesem Abend nicht wirklich änderte. Allerdings ist positiv anzumerken, dass in ihrem erneuten unsäglichen Lob auf die 90er diesmal auf Coco Jambo verzichteten und stattdessen No Limit von 2 Unlimited verwursteten. Und das als Verbesserung zu würdigen sagt alles.

HDQ

Von der alten Besetzung sind bei HDQ noch Sänger Dave Golledge und Gitarrist Dickie Hammond dabei, also das kreative Gerüst. Dazu gesellen sich inzwischen drei Jungspunde, von denen Schlagzeuger Skruff Owen auch schon zuletzt bei Leatherface mitwirkte.
Los ging es mit dem Titelstück vom neuen Album und es machte gleich klar, dass die Herren Hammond und Golledge ihren Stil über die Jahre natürlich nicht verändert haben. Sie schaffen es immer noch, Melodie und Härte so zu mischen, dass das Gute-Laune-Grinsen von ganz alleine kommt. Schwerpunkt des Sets war natürlich das neue Album, immer wieder unterbrochen von alten "Hits" und einer Coverversion, wobei Monotone im Original von The Jones ist und das auch nur ein Nebenprojekt von HDQ und Leatherface war.


Golledge präsentierte sich dabei als sportliches Energiebündel, der immer noch trotz grauer Haare über die Bühne sprang, während Hammond seine zahlreichen Pfunde nur selten bewegte. Und obwohl der Besuch nicht sehr zahlreich war, es dürften nur so ca. 40 Leute im Panic Room gewesen sein, zeigte sich die Band gut gelaunt und offenbar dankbar, nach all den Jahren der Abstinenz überhaupt noch ein Publikum anzusprechen.
Nach einer Dreiviertelstunde verließ das Quintett zum ersten Mal die Bühne, kam aber noch einmal für zwei Songs wieder, ehe dann kurz nach elf alles vorbei war.


Schnell noch die neue CD gekauft und dann ab an die frische Luft, wo schon ein Streifenwagen vorfuhr und drei Beamte ausstiegen und sich vergewisserten, dass im Panic Room nun auch wirklich Ruhe herrschte.
Es war ein willkommenes Comeback einer alten Band, deren Musikstil zu meinen liebsten zählt und die ich nach all den Jahren endlich einmal live erleben durfte.

Setlist HDQ

Setlist:
Lost In Translation
Through My Eyes
Monotone
Hand Me Downs
No One Wants To Lose A Friend
Room With A View
Leaving Home
There Comes A Time
Wake Up Call
Dig In Deep
Soon Get Sick Of The Sea
Have Faith
Just When I Thought
----------------------------------------
Pictures
The Never Ending Winter