Donnerstag, 21. Oktober 2010

The Unwinding Hours - Herbsttour, Teil 1

The Unwinding Hours / The Twilight Sad / RM Hubbert

17.10.10 Oran Mor, Glasgow

Mein dritter Besuch in Glasgow dieses Jahr, da musste dieses Mal doch etwas Abwechslung rein. Und so entschloss ich mich, nach 23 Jahren mal wieder dem Tannadice Park einen Besuch abzustatten, um mir mittags das Spiel von Dundee United gegen Celtic anzuschauen.


Abends gings dann ins Auditorium des Oran Mor, einem der wohl schönsten Konzertsäle, in denen ich je war. Das Auditorium befindet sich im ersten Stock einer alten Kirche und diese geradezu sakrale Atmosphäre sollte sich auch mehr als positiv auf die Bands auswirken.
Zu Beginn zauberte RM Hubbert instrumentale Kleinode aus seiner Gitarre hervor. Danach spielten dann The Twilight Sad in reduzierter Besetzung (nur Gitarrist Andy und Sänger James) ein akustisches Set, in dem natürlich die herausragende Stimme von James Graham besonders zur Geltung kam. Insbesondere Cold Days From The Birdhouse rief bei den Zuschauern eine Gänsehaut hervor und sorgte für andächtige Stille. Zudem wurde als Schmankerl auch noch Half A Person von The Smiths gecovert.


Für The Unwinding Hours war es dann ihr vorerst letzter Auftritt in ihrer Heimatstadt und zugleich der Auftakt für eine kurze Tour, die sie (und damit auch mich) nächste Woche durch Holland und Deutschland führt.
Was würde anders im Vergleich zu ihrer ersten Reise im April sein? Knut rutschte an den Anfang des Sets und mit Oxygen wurde ein brandneues Lied zum ersten Mal gespielt, ihr bislang poppigster und schnellster Song, wofür Craig sich auch gleich entschuldigte, ist man doch von ihm sonst eher Musik in Moll gewohnt. Danach ging es dann mit Stücken vom Album weiter, wobei an diesem Abend besonders Schlagzeuger Johnny Scott in Hochform war. Peaceful Liquid Shell ist und bleibt live ein absolutes Highlight mit dem herrlich beschwingten Bass von Graeme Smillie und The Final Hour setzte dann wieder den bombastischen Schlusspunkt unter das reguläre Set.
Zur Zugabe erschien zunächst nur Craig und spielte (ebenfalls eine Premiere) Burning River, das vielleicht schönste Lied der Tour EP. Danach gesellte sich RM Hubbert mit auf die Bühne, um Spirit Ditch von Sparklehorse zu covern, das sie für das Benefiz-Projekt The Steinberg Principle aufgenommen haben. Wer ein gutes Werk tun möchte, kann den Song hier käuflich erwerben. Den Abschluss eines wunderbaren Konzertabends bildete dann wieder der alte Aereogramme-Kracher The Art Of Belief.
Bei einigen Laphroaig liessen wir dann noch den Abend bis in den frühen Morgen gemütlich ausklingen.

Setlist:
Knut
Tightrope
Oxygen
There Are Worse Things Than Being Alone
Traces
Peaceful Liquid Shell
Child
Annie Jane
The Final Hour
--------------------------
Burning River
Spirit Ditch
The Art Of Belief

RVIVR

Deny Everything / RVIVR / Krawehl

15.10.10 Aetherblissement, Köln

Deny Everything bei ihrem letzten Heimspiel vor der Auflösung im ehemaligen Club Scheisse in Köln, da war der Laden natürlich ausverkauft (ich hoffe, ich kann das auch mal über den FC schreiben).
Den Auftakt machten gegen halb zehn Krawehl, die ostwestfälischen Captain Planet. Das sagt eigentlich alles und auch nichts Schlechtes zu ihrer Musik.
Danach kam dann mein Grund, diesen Abend in Köln zu verbringen. Latterman sind bekanntlich Geschichte, dafür gehört RVIVR die Zukunft. Sie klingen auf ihren Veröffentlichungen (bislang zwei Singles, ein Album und eine brandneue EP) wie eine jugendliche, punkige Ausgabe von Superchunk und da die gerade mit ihrem neuen Album Majesty Shredding ihren dritten Frühling erleben, sind das fast schon unerfüllbare Vorschusslorbeeren.
Doch RVIVR wurden ihnen geradezu spielerisch gerecht, schrien und rockten sich gut 35 Minuten durch ihr Set mit Hits wie Cut The Cord, dass die Temperaturen im engen Aetherblissement Richtung Hochsommer gingen. Das Schlagzeug wurde schon abgebaut, doch die Leute wollten noch mehr, so dass nach kurzem Wiederaufbau noch Real Mean gespielt wurde.
Wer die Band noch nicht kennt, sollte sich unbedingt ihre Platten gratis von ihrer Label-Website Rumbletowne Records runterladen.
Der Auftritt von RVIVR konnte nicht mehr getoppt werden, so dass ich mich nach zwei Songs von Deny Everything auf den Heimweg machte.

Sonntag, 10. Oktober 2010

Dead To Me

Dead To Me / 51st Degree

09.10.10 Café Nova, Essen

Vor gut einem Jahr waren Dead To Me noch zu dritt und veröffentlichten ihr zweites Album African Elephants. Und sie entwickelten sich deutlich weiter von dem zwar guten, aber doch recht konventionellen Debütalbum. So erinnerten sie mich beim ersten Hören an angepunkte Pixies von der Vielfalt der Lieder her.
Nun sind sie wieder ein Quartett und gaben in Essen das Abschlusskonzert ihrer vierwöchigen Europatournee. Dennoch zeigten sie keine Spur von Müdigkeit und spielten eine knappe Stunde lang Stücke aus allen Schaffensphasen inklusive zweier Songs von der zur Tour zunächst exklusiv in Europa erschienenen neuen Single. Wie die fiel das Set deutlicher rockiger aus als African Elephants. Dennoch gab es den Clash-inspirierten Opener X, eingeleitet mit einer Hasstirade des Sängers gegen Arizonas Immigranten-Politik und natürlich Liebe Liese mit deutschen Textzeilen. Insgesamt ein sehr gutes Konzert, auch wenn zwei meiner Favoriten, Bad Friends und das poppige Cruel World, nicht gespielt wurden.
Ach ja, so ein Tourabschluss hat auch was Gutes, denn nach dem Motto "Alles muss raus" verkauften die Jungs zwei T-Shirts für 'nen Zehner, danke.

Kaput Krauts

Kaput Krauts / Septic Dieter

08.10.10 AK 47, Düsseldorf

Deutschpunk-Abend im AK 47. Na ja, zumindest aggressive Rockmusik mit deutschen Texten. 
Nachdem Septic Dieter (ein schöner Name, hinter dem die Musik der Band leider zurückblieb) munter vor sich hin geprügelt hatten, fingen die Kaput Krauts gegen halb zwölf endlich an.
Ein Gitarrist mit Iro, der Bassist ein Farin Urlaub-Double, doch dann hörten die Klischees schon auf. Das ...But Alive-Shirt des Sängers deutete an, dass man seine Worte sorgsam wählt; siehe Titel wie Gemütlichkeitspunk's Not Dead oder Emo Ergo Sum. Und mit Glaube, Liebe, Hoffnung haben sie zudem eines der schönsten Liebeslieder der letzten Jahre am Start.
Erinnern sie textlich halt an die ehemaligen Hamburger IQ-Punks, aus denen dann bekanntlich das subversive Teenie-Theater Kettcar wurde oder auch an die Boxhamsters, gerade was Zitierfreude und Verwenden schicker Samples betrifft, so sind sie musikalisch deutlich härter und rockiger, halt mehr Leatherface und Oma Hans.
Aber ein gutes Konzert sollte auch Spaß machen und den verbreiteten die fünf Jungs reichlich. Fast ständig turnte zumindest der Sänger vor der Bühne rum, war aber auch ziemlich eng zu fünft im kleinen AK 47 und ständig zogen sie sich gegenseitig auf. Und als der Busfahrer der Band dem Bassisten mal einfach so eine Flasche Bier in den Hosenbund entleerte, setzte kollektives Hopfengespritze ein.
Nach einer guten Stunde war Schicht und nach Eau de Alt duftend gings nach Hause.

Sonntag, 3. Oktober 2010

Gifts From Enola

Gifts From Enola / The Shaking Senasations

27.09.10 Druckluft, Oberhausen

Post-Rock nennt man das in der Regel, wenn Bands Musik mit elektrisch verstärkten Gitarren machen, aber zu wenig zu sagen haben, als dass es sich für Gesang lohnt.
Klassische Vertreter dieses Genres sind z. B. Mogwai aus Glasgow, die in ihren epischen Stücken nicht nur dicke Gitarrenwände aufbauen, sondern zwischendurch auch mal ruhigere Momente verspielten Saitenzupfens im Repertoire haben. Ihre dänischen Brüder im Geiste heißen The Shaking Sensations und eröffneten den musikalischen Abend im Café des Druckluft, wo sich bei lausigem Herbstwetter nur ca. 30 Leute eingefunden hatten.
Und die wunderten sich über das ungewöhnliche Line-Up mit zwei Schlagzeugen, die zwar für einen entsprechend fetten Sound sorgten, aber gerade wegen des getrageneren Tempos nicht wirklich zwingend erforderlich waren. So konnte man denn auch einen der beiden Schlagwerker regelmäßig beim Sortieren seiner Drumsticks beobachten, weil es für ihn nichts zu tun gab. Nichtsdestotrotz gefiel die Musik der fünf jungen Skandinavier, die auch über genug Selbstironie verfügen, ihrem bislang unveröffentlichten Debütalbum den Arbeitstitel Crippled Black Phoenix zu geben.
Die vier Amerikaner von Gifts From Enola haben gerade ihr bereits drittes Album veröffentlicht und sind zum ersten Mal in Europa auf Tour. Dabei geht bei ihrer Musik so sehr die Post ab, dass man sie einfach nur als Rock bezeichnen sollte. Hier hatte der Drummer keine Zeit zum Verschnaufen und direkt vom ersten Stück an versprühten die Jungs eine Energie, wie man sie eher von Post-Hardcore-Combos wie Thrice gewöhnt ist. Gelegentlich schrie der Bassist sich sogar die Seele aus dem Leib, ohne sich groß darum zu kümmern, wo eigentlich sein Mikro stand. Gut eine Stunde spielten sie Songs von allen Alben und bedankten sich schüchtern beim nicht enden wollenden Applaus des spärlichen, aber begeisterten Publikums. Sogar eine Zugabe zauberten sie nach kurzer Pinkelpause aus dem Hut und beendeten mit dem viertelstündigen Trieste ein großartiges Konzert.