Montag, 31. März 2014

Emily Jane White

Emily Jane White / Helmolt

11.03.14 Pauluskirche, Dortmund

Emily Jane White war bereits mehrmals solo im Dortmunder Sunrosa aufgetreten, bislang von mir ebenso unbemerkt.wie ihre Musik. Doch ihr neues Album Blood / Lines ließ mich aufhorchen, markiert es doch eine stilistische Erweiterung und das zu ihrem Vorteil. Die Tour dazu bestritt sie erstmals mit kompletter Band, so dass das Subrosa zwar wieder den Dortmunder Auftritt veranstaltete, als Ort aber die benachbarte Pauluskirche wählte.

Helmolt

Doch zunächst gabs lokale Klänge von der Band Helmolt, die sich vor allem beim weiblichen Gesang das Urteil "Kirchentagsmusik" meiner Banknachbarn redlich verdienten und uns nicht überzeugen konnten.
Auf Blood / Lines erinnert Emily Jane Whites Gesang häufig an PJ Harvey und auch die recht Keyboard-lastige Instrumentierung ergänzt sich mit der trockenen elektrischen Gitarre ganz vorzüglich. Der Auftritt mit Band (Keyboard, Schlagzeug, Gitarre) schien auch von der Inszenierung her weg vom Folk-Image zu gehen, denn es war kein normales Bandkonzert, sondern fast schon eine Performance.
Vor einer zunächst leeren Leinwand kam Frau White in einen tiefroten Poncho-artigen Umhang gehüllt auf die Bühne, bestieg ein kleines Podest und sang Keeley vom neuen Album. Danach wurde ihr die elektrische Gitarre gereicht und weiter ging es noch aus der Höhe. Erst danach wechselte sie mal ans Klavier und auch an ein Mikro neben dem Podest, während sie auf der Leinwand Modell saß für eine Malerin, die während der Stücke ihr Porträt zeichnete.

Emily Jane White

Nach einer knappen Stunde war der atmosphärische Auftritt vorbei und der Applaus ließ vermuten, dass vielen rein folkig-akustische Klänge besser gefallen hätten. Doch trotz des fehlenden Enthusiasmus spielte Emily Jane White noch eine Zugabe, ehe die Messe endgültig gelesen war.


Mir gefiel die Umsetzung der Weiterentwicklung ihres Sounds auch live sehr gut, bei einem Soloauftritt im Subrosa hätte ich mich vermutlich eher gelangweilt, aber so war es ein tolles Konzert.

Dienstag, 18. März 2014

Thalia Zedek

Thalia Zedek

06.03.14 King Georg, Köln

Keine Woche nach Thalia Zedeks unglaublich gutem Auftritt beim Small Beast in Dortmund und keine zwei Wochen nach meinem ersten Besuch im King Georg bei Die Nerven kreuzten sich beide Wege und ich stand erneut abends vor dem Kölner Club und wartete auf den Einlass. Und da die Welt eine besonders kleine ist, kam ich vor der Tür ins Gespräch mit Peter, der einen empfehlenswerten Konzert-Blog namens Kleines Konzerttagebuch führt und ebenfalls in Dortmnd bei Thalia Zedek gewesen war. Das Trio der Doppelpack-Besucher wurde dann noch vervollständigt durch Carsten von gaesteliste.de, der ein sehr lesenswertes Interview vor der Tour mit Thalia Zedek geführt hatte.

Thalia Zedek

Im Gegensatz zum Konzert von Die Nerven war das King Georg diesmal angenehm leer, nur gut 40 Zuschauer hatten sich eingefunden, so dass diesmal unter dem Kronleuchter keine gedrängelte Enge herrschte. Kurz vor neun ging es los mit leicht veränderter Setlist aber einem gegenüber dem Dortmunder Auftritt deutlich anderem Sound. Das Institut des Schauspielhauses bietet sicher keine optimalen Bedingungen für einen ausgewogenen, gut abgemischte Sound, doch war es letzte Woche dem Tonmenschen gelungen, dies hinzubekommen, das Gewicht auf Thalia Zedeks Stimme und Gitarre zu legen, ohne die anderen Instrumente zu sehr in den Hintergrund zu drängen. Im King Georg hingegen ging ihre herbe, markante Stimme fast unter und wurde vor allem von Bass und Geige nahezu komplett überlagert. Dabei muss man allerdings zu Gute halten, dass die Geige, hervorragend gespielt von David Michael Curry, diesmal wie eine Gitarre klang, so hart und knarzend, was den Songs eine ungewohnte Härte verlieh und ihnen durchaus gut tat. Doch den Verlust des einprägsamen Gesangs konnte das leider nicht ausgleichen.
Nichtsdestotrotz war es natürlich ein guter Auftritt, erneut mit Afloat als großartigem Abschluss des regulären Sets. Die Zeit reichte noch für eine kurze Zugabe, ehe dann pünktlich um 22 Uhr Zapfenstreich war.

Thalia Zedek

Auch wenn der Dortmunder Auftritt eine Klasse für sich war, hatte sich die Fahrt nach Köln gelohnt und hoffentlich gibt es bald noch eine Gelegenheit, diese großartige Sängerin noch einmal live zu erleben.

Setlist:
Winning Hand
Fell So Hard
Walk Away
Go Home
Dreamalie
Get Away
Brother
Julie Said
Bus Stop
Stars
Afloat
------------------
1926

Small Beast w/ Thalia Zedek

Small Beast

w/ Thalia Zedek / Greta Gertler / Paul Wallfisch

28.02.14 Schauspielhaus, Dortmund

Über 80 Tage ohne Alkohol, dazu noch den Jetlag von einem interkontinentalen Flug in den Knochen, auf dem er Robert Redfords letzten Film All Is Lost gesehen hatte, allerdings wegen der bevorstehenden Landung ohne die letzten fünf Minuten. Diese Voraussetzungen ließen Paul Wallfischs einleitenden Auftritt beim Small Beast unter keinem guten Stern stehen.

Paul Wallfisch
Und der Anfang wirkte auch etwas fahrig und müde. Zentraler Einfluss war diesmal Leonard Cohen, dessen Biografie Wallfisch gerade gelesen hatte und den er mit Chelsea Hotel würdigte. Nach einer viel zu schnellen Ragtime-Version von Because You're Gone konnte ihn erst seine Version von Waterloo Sunset bremsen, immerhin nach seinen Worten bei einem früheren Small Beast eines seiner absoluten Lieblingslieder aller Zeiten. Nun stimmte seine Form und zum Abschluss holte er sich Greta Gertlers Schlagzeuger Adam Gold auf die Bühne, um dem verstorbenen Philip Seymour Hoffman das in dessen Film Almost Famous vorkommende Led Zeppelin Stück That's The Way ungeprobt zu covern.

Greta Gertler

Adam Gold blieb dann gleich sitzen, während Greta Gertler den Platz am Klavier einnahm und es sich mit grünen Tüchern auch noch etwas verschönerte. Die Australierin hat zusammen mit Gold und diversen Gastmusikern unter dem Namen The Universal Thump ein Album eingespielt und weilte im Rahmen ihrer kurzen Europa-Tournee in den Londoner Abbey Road Studios, wo sei gleich fünf neue Stücke eingespielt hat, von denen sie eine Handvoll an diesem Abend präsentierte. Das klang alles sehr nett und Gertler präsentierte sich auch gut gelaunt und sehr unterhaltsam, doch so richtig wollte bei mir der Funke nicht überspringen.

Thalia Zedek

Nach Mitternacht begann dann der Höhepunkt des Abends mit Thalia Zedek und ihrer Band. Die ehemalige Come-Sängerin hat letztes Jahr mit Via ein tolles Soloalbum vor- und rechtzeitig zum Tour-Auftakt mit Six noch eine brandneue EP nachgelegt. Auch wegen des neuen Drummers in der Band bildeten die beiden Veröffentlichungen das Kernstück des Sets, aber Thalia hatte bereits in einem sehr lesenswerten Interview im Vorfeld der Tour auf gaesteliste.de angekündigt, dass auch Perlen aus ihrem umfangreichen Backkatalog auf dem Programm stehen würden.
Eine dieser Perlen war das V-Cover 1926, dass sich immer weiter hin zu einem großen Finale steigerte und die Zuhörer andächtig mitschwingen ließ. Diese Stilmittel tauchte häufiger auf, so auch bei Afloat, eigentlich für Six solo aufgenommen, aber in obigem Interview hatte Thalia verraten, dass sie für das Stück immer eine Band-Version vor Augen hatte und so wurde es denn auch an diesem Abend perfekt umgesetzt.


Überhaupt war das Zusammenspiel der Musiker exzellent (nur der neue Schlagzeuger brauchte manchmal kleine Anweisungen vom Bassisten); Bass, Schlagzeug, Geige und Piano unterstützten die staubtrockene Gitarre und Stimme Thalia Zedeks, die beide deutlich und zu Recht im Vordergrund standen.
Mit Afloat hatte das reguläre Set geendet, doch auch zu so fortgeschrittener Stunde war es nicht zu spät für eine Zugabe und in Anlehnung an Paul Wallfischs Einleitung, beendete Leonard Cohens Dance Me To The End Of Love nach gut 75 Minuten dann den Abend.

Paul Wallfisch

Nach diesem ausgezeichneten Auftritt, einem der besten überhaupt, die ich bislang im Rahmen des Small Beast gesehen habe, war für mich klar, dass ich mir die Band auch in der Woche drauf noch einmal in Köln ansehen würde.

Setlist Thalia Zedek:
Fell So Hard
Walk Away
Dreamalie
Since Then
Winning Hand
Greean And Blue
Bus Stop
Julie Said
1926
Stars
Afloat
------------------------------
Dance Me To The End Of Love

Dienstag, 11. März 2014

Tera Melos

Tera Melos / Hand Over

27.02.14 Druckluft, Oberhausen

Math-Rock kann ermüdend sein, wenn bei der ganzen Gitarren-Akrobatik der Song dahinter vergessen wird. Dies haben Tera Melos auf ihrem aktuellen Album X'ed Out geschickt vermieden und ihre Virtuosität in wunder bar eingängige Rocksongs gepackt, ein Grund, sie sich live unbedingt mal anzuschauen.

Tera Melos

Doch zunächst schlug das Wuppertaler Quartett Hands Over ruhigere Töne an, in der Gitarrenmusik der 90er von Bands wie Slint verwurzelt, teils instrumental, teils mit weiblichem Gesang. Der Auftritt war schüchtern, aber gut.
Als danach Tera Melos ihre Effektgeräte auf der Bühne verteilten, begannen die Nerds neugierig näher zu kommen und staunende Blicke auf das Equipment zu werfen  Und während die früheren Alben von Tera Melos von dieser Selbstverliebtheit in die eigene Virtuosität sicher zum Teil geprägt waren, ist ihnen mit X'ed Out der Schritt nach vorne gelungen, die Sounds dienen dem Song.

Tera Melos

Passenderweise eröffnete das Trio sein Set dann auch mit dem Doppelpack Weird Circles und New Chlorine von eben diesem Album und hatte mich damit sofort im Sack. Zwar wurde später auch ordentlich gefrickelt und der Gitarrist tänzelte dabei fast wie ein Michael Flatley über seine Pedale, aber da das Ganze eben in "normale" Stücke eingebettet war, wirkte es wie eine willkommene Abwechslung und machte den Abend kurzweilig und unterhaltsam, zumal auch noch geschickt Zitate, z. B. von Weezer, eingebaut wurden.


Diese Abwechslung wurde auch durch das Bühnenverhalten der Band vermittelt. Während der Gitarrist natürlich damit beschäftigt war, seine ganzen Werkzeuge zu seinen Füßen einzusetzen, wirbelte der Bassist hingegen wie ein Punkrocker rum, was zwar zum Teil nicht zur Musik passte, aber deutlich machte, dass auch so eine teils verkopfte Mucke physischen Spaß bereiten kann. Das Druckluft war mit knapp 50 Besuchern zwar nicht voll, aber angenehm gefüllt und auch die Anwesenden hatten offensichtlich ihren Spaß.
Nach einer knappen Stunde wurde bereits das letzte Lied angekündigt, allerdings mit dem Zusatz, dass danach noch ein "secret song" folgen würde, die Zugabe Trident Tail als Hidden Track.


Ich hatte bislang aus dem Genre Math Rock nur This Town Needs Guns gesehen und die hatten mir live zwar besser als auf Platte gefallen, doch richtig überzeugt hatten sie mich bei ihrem Auftritt nur mit einem Akustik-Song, während mir das Gefrickel sonst etwas zu technisch war. Tera Melos gefielen mir da um Längen besser, weil sie inzwischen einfach tolle, eingängige Songs haben, ohne dabei ihren Sound aufgegeben zu haben und dies live auch umsetzen konnten.

Montag, 3. März 2014

The Social Club

The Social Club

22.02.14 The Tube, Düsseldorf

Mag jemand heutzutage noch Weezer? Sie kamen nie wieder auch nur annähernd an ihre ersten beiden Alben ran. The Social Club aus England mögen offensichtlich die frühen Weezer, haben es aber selber vorsichtshalber noch nicht einmal zu einem Album gebracht, sondern bislang nur drei Konzept-EPs mit den netten Titeln For Drinking, For Dancing und For Conversation veröffentlicht.

The Social Club

Und als echte Briten stehen sie auch auf Fußball (zumindest Dreiviertel der Band, Fans von Bristol Rovers, QPR und Arsenal) und so hatten sie sich nachmittags vor dem Auftritt im Tube in der Düsseldorfer Altstadt noch in Mönchengladbach das Bundesliga-Spiel meiner Borussia und der TSG Hoffenheim angeschaut. Kurz vor halb zehn standen die vier dann auf der Bühne des Tube und spielten vor ansehnlicher Kulisse, die zahlenmäßig fast an den überschaubaren Auswärtsmob des Retortenvereins heranreichte.


Neben den typischer Weezer-Melodien konnte man auch reichlich Mod-Einflüsse heraushören, vor allem eine fette Orgel mit einem Tanzbären, der ihre Tasten bediente und als Poser eine Augenweide war. Überhaupt überzeugten The Social Club als Partyband und hatten keine Mühe, das Publikum zum Mitklatschen oder Mitsingen zu überreden. Eine Verlängerung in Form einer Zugabe gab es auch und so dauerte die dritte Halbzeit am Ende eine gute Stunde.


Hatte es am Nachmittag nur zu einem enttäuschenden Unentschieden gereicht, konnten The Social Club einen überzeugenden Auswärtssieg in Düsseldorf feiern und setzen ihre Siegesserie hoffentlich in einer kommenden Saison weiter fort.