Montag, 31. Dezember 2012

Best Of 2012


Kurz vor Toresschluss die Favoriten des Jahres...

Beste Konzerte 


Halde Haniel

  • Boredoms (Bottrop - Halde Haniel)
Es gibt Abende, die sind einfach perfekt.
  • Conmoto / Leitkegel (Solingen - Waldmeister)
Das Rockkonzert des Jahres.
  • We Are Augustines (Köln - Luxor)
Emo im besten Sinne des Wortes, mitreißend und ergreifend.
  • Scott Matthew (Dortmund - Schauspielhaus)
Die Small Beast-Reihe im Schauspielhaus ist immer einen Besuch wert.
  • Olympic Swimmers (Glasgow - King Tut's)
Wenn Susie Smillie singt, geht einem einfach das Herz auf..
  • Chvrches (Glasgow - Stereo)
Wie die Olympic Swimmers bislang noch nie in Deutschland live zu sehen, daher ging der Berg zum Propheten...
  • Sleepmakeswaves (Duisburg - Steinbruch)
Das Postrock-Konzert des Jahres.
  • Admiral Fallow (Dortmund - FZW)
Umwerfend, da wurden selbst die wenigen steifen Anwesenden lebendig.
  • Nada Surf (Dortmund - FZW)
Kleiner Rahmen, dazu ein akustischer Auftritt, einfach großartig.
  • The Unwinding Hours (Berlin - Magnet)
Viele gute Auftritte auf der Tour, aber das Berliner Publikum gab den Ausschlag.


Es gibt leichtere Aufgaben, als zehn Konzerte von 74 besuchten auszuwählen. Ebenfalls verdient gehabt hätten es:
Dear Reader (Dortmund - Schauspielhaus)
Keine Zähne Im Maul Aber La Paloma Pfeifen (Münster - Gleis 22)
The Maccabees / We Are Augustines (Köln - Gebäude 9)
Tu Fawning (Dortmund - FZW)
Turbostaat (Düsseldorf - The Tube)
The Unwinding Hours (Münster - Gleis 22)


Beste Alben 

  • eaststrikewest - We're Important And We Keep The City Running. We're Important. We're Important. We're Important.
Tolle Mischung aus Postrock und epischem Britpop, die Band löste sich leider kurz vor Veröffentlichung des Albums auf.
  • Japandroids - Celebration Rock
Hier wird im wahrsten Sinne des Wortes Rock zelebriert.
  • Forgetters - Forgetters
Es gibt ein Leben nach Jawbreaker, um Längen besser als die erste EP.
  • Olympic Swimmers - No Flags Will Fly
Die Herz erwärmende Seite Glasgows.
  • Swearin' - Swearin'
.Da Iron Chic und RVIVR dieses Jahr eine Pause machten, gehört Swearin' der Punkrock-Thron.
  • Swans - The Seer
Das Adjektiv kompromisslos wird häufig in Zusammenhang mit den Swans verwendet, zu Recht.
  • The Unwinding Hours - Afterlives
Sie sind leiser geworden, aber nicht schlechter.
  • Keine Zähne Im Maul Aber La Paloma Pfeifen - Postsexuell
Bandname des Jahres, deutschsprachiges Album des Jahres
  • Cheap Girls - Giant Orange
Wie bei Swearin' folgt hier Hit auf Hit zum Mitsingen.
  • Dry The River - Shallow Bed
Das reguläre Album ist schon toll, orchestraler Indie-Pop/-Folk, aber die akustische Bonus-CD ist der eigentliche Hammer.


Und natürlich gab es noch viele weitere tolle Alben, die es nur knapp nicht in meine Top Ten geschafft haben:
Admiral Fallow - Tree Bursts In Snow
Antlered Man - Giftes 1&2
Botanica - What Do You Believe In
David Byrne & St. Vincent - Love This Giant
Captain Planet - Treibeis
Cloud Nothings - Attack On Memory
Divorce - Dicorce
I Build Collapsible Mountains - Songs From That Never Scene
La Sera - Sees The Light
Leitkegel - Raketenwissenschaft
Mono - For My Parents
Bob Mould - Silver Age
Mount Eerie - Ocean Roar
Nada Surf - The Stars Are Indifferent To Astronomy
Oberhofer - Time Capsules II
Sisterkingkong - She Sees Wolves
Tu Fawning - A Monument


Beste Songs

Chvrches - I Would Die For V

  • Chvrches - I Would Die For V
Iain Cook von The Unwinding Hours und Martin Doherty, Ex-Keyboarder von The Twilight Sad, rocken die Disco. Die erste EP und der Live-Auftritt machen Lust auf ein Album, das es vermutlich 2013 in die Top Ten schaffen wird, und dieses Prince-Cover aus einer Radio-Session setzt noch einen oben drauf.
  • Conmoto - Wir haben einen Auftrag
...und der ist ganz schlecht bezahlt, wird aber bravourös erfüllt.
  • Keine Zähne Im Maul Aber La Paloma Pfeifen - Leb so, dass es alle wissen wollen
Das moderne Paul ist tot - sag ja zum Leben.
  • Eat Lights Become Lights - Bound For Magic Mountain
So würden NEU! heute wohl klingen, bzw. Eat Lights Become Lights klingen wie NEU! damals.
  • Scott Walker - Epizootics!
 Auf Albumlänge ist er fast nicht zu ertragen, aber diese zehn Minuten sind großartig.
  • Forgetters - Turn Away
 Neben dem Human League-Cover Seconds das herausragende Stück des Albums.
  • Japandroids - Continuous Thunder
Episches Ende eines herausragenden Albums.
  • Scofferlane - Home
Russendisko mal anders.
  • Phillip Boa & The Voodooclub - When The Wall Of Voodoo Breaks
Er hat immer noch ein Händchen für diese unpeinlichen Schunkel-Hymnen.
  • La Sera - How Far We've Come Now
Der bessere Shoegaze als die Kritiker-Lieblinge Beach House.


Ausblick auf 2013:
Mudhoney werden im Mai mit neuem Album das erste Mal seit Jahren wieder auf richtige Deutschland-Tournee gehen, aber bereits in der Woche nach Ostern feiern Rocket From The Crypt ihre Wiederauferstehung mit fünf Konzerten in Europa und das erste findet in Berlin statt - ich bin dabei.

Sonntag, 30. Dezember 2012

Frau Potz

Frau Potz / KMPFSPRT / Supermutant

27.12.12 Druckluft, Oberhausen

An Tagen wie diesen bahnen wir uns den altbekannten Weg bis hin zu der Musik, wo alles laut ist, wo alle drauf sind um duchzudrehen, wo die anderen warten, um mit uns zu starten und abzugehen.
Diese Worte aus dem wohl schlimmsten Lied des Jahres könnten als Motto für das letzte Konzert in 2012 dienen. Raus aus der Stadt, in der an diesem Abend Die Toten Hosen mit ihrem Schlagerpunk gastierten  und rein ins Druckluft, um sich stattdessen drei hoffnungsvolle Nachwuchsbands anzuschauen.

Supermutant

Drei Jahre haben Supermutant aus Mönchengladbach gebraucht, um nach der ersten EP endlich ihr erstes Album FRVR zu veröffentlichen und es ist eine etwas zwiespältige Angelegenheit geworden. Musikalisch in seichterem Fahrwasser als z. B. die Label-Kollegen von Captain Planet, gefallen mir die perlenden Gitarren sehr gut, aber der Gesang und die Texte sind leider manchmal etwas arg tomtig. Diesen Eindruck konnten sie auch live nicht wegwischen. Dennoch ein sehr gefälliger Auftritt mit durchaus mehr Biss als auf Platte, unter anderem durch das Matula-Cover Over The Top und einem Stück von der EP.


Nach sehr kurzer Umbaupause ging es dann weiter mit KMPFSPRT aus Köln, die hatten mich schon beim Pfingst-Open-Air in Essen überzeugt. Und wieder rockten sie gut ab, hatten auch neue Songs von ihrem irgendwann mal erscheinenden ersten Longplayer dabei, die allerdings noch nicht so recht zündeten. Ein Stück wurde als Tribut an Bands wie No Use For A Name angekündigt und klang auch so, allerdings deutlich schlechter. Covert doch einfach eure Vorbilder, anstatt sie mäßig zu kopieren.

KMPFSPRT

Ansonsten gab es aber nichts zu meckern und das immer voller werdende Druckluft zeigte auch Bewegungsfreude, vor allem beim abschließenden Affengeld.
Frau Potz ernteten dieses Jahr für ihr erstes Album Lehnt dankend ab durch die Bank überschwängliches Kritikerlob, konnten mich aber auf Grund des Gesangs nicht komplett überzeugen. Oma Hans scheint eine gute Bekannte von Frau Potz zu sein, ist sie mir doch direkt ins Ohr gesprungen. Wahrscheinlich haben die Damen regelmäßig Rezepte getauscht.

Frau Potz

Das Markenzeichen der Band ist sicherlich der keifende Gesang von Gitarrist Felix, der auch bei einigen Songs wie der Fuß in die Eier passt, aber auf kompletter Albumlänge dann doch nervt, zumindest mich. Beim Opener Brockenheim, der wunderbaren Abrechnung mit der Szene-Polizei, war diese Angepisstheit jedoch genau richtig. Und das aufgescheuchte Vieh flatterte auch von Anfang an heftig in der Legebatterie Druckluft umher, manchmal sogar so ungestüm, dass Felix zweimal seinen Mikro-Ständer zu fressen bekam. Ansonsten wurde mitgesungen und vor allem Schlagzeuger Kerli Kawumski abgefeiert, der zum Jahresende die Band verlässt.
Aber als Fels in der Brandung hatte ich noch ein Knöllchen zu verteilen, denn leider ist Oma Hans nicht der einzige Einfluss bei Frau Potz. Sie scheinen auch öfter mal Campino genascht zu haben, denn bei Stücken wie Klockenschooster tropfte das Altbier aus der toten Hose, allerdings noch aus der Sturm-und-Drang-Phase, also durchaus erträglich.
Nach einer Stunde war Schluss, bzw. Zeit für die Zugabe und als Finale wurde endlich Ach, Heiner gespielt, der Saal gröhlte "Scheißegal, obs gut ist, solang es gut erscheint", während Felix und Bassist die Bühne veräießen und Drummer Kerli die letzten Akkorde zum Abschied überließen.


Auch wenn ich bei jeder der drei Bands an diesem Abend ein Haar in der Suppe gefunden habe, waren sie dennoch jede bestimmt besser als die bierseelige Fanmeilen-Beschallung in der Westfalenhalle.

Sonntag, 23. Dezember 2012

Fehlfarben

Fehlfarben / Peter Hein

20.12.12 Werkstadt, Witten

Keine Atempause, Konzerte werden besucht... Nachdem schon mehrmals dieses Jahr der Vergleich zu Fehlfarben gezogen wurde, nämlich bei den Auftritten von Messer und Keine Zähne Im Maul Aber La Paloma Pfeifen, bot sich tatsächlich noch die Gelegenheit, die Altmeister auf ihre heutige Relevanz zu prüfen.
Im September hatten sie ihr neuestes Album Xenophonie veröffentlicht, auf der Tour dazu hatte ich sie verpasst, aber zum Glück spielten sie noch einmal in der Region, zwar mit Witten in einem konzerttechnisch eher provinziellen Teil, aber immerhin.

Peter Hein

Die kleine Werkstadt bot zunächst ein etwas seltsames Bild, auf der Bühne stand ein Rednerpult und davor lagen verstreut mehrere große Kissen im Raum, die zum Rumlümmeln einluden. Die Erleuchtung setzte ein, als Peter Hein, der Kopf der Fehlfarben, mit Büchern und Zetteln unter dem Arm ans Pult trat und den Abend solo und uninstrumentiert eröffnete. Scheinbar hatte man gedacht, dass man einer Lesung bequemer im Sitzen lauschen konnte, die wenigen Anwesenden ignorierten das Angebot aber geflissentlich. Hein las Passagen aus seinen Büchern und auch bislang unveröffentlichte Passagen vom Blatt. Alles drehte sich dabei um die Musik und das Leben damit, z. B. die Fahrten in die Bochumer Zeche Anfang der 80er  in der dies einer der besten Konzertläden war, den man auch mal aus dem mondänen Düsseldorf besuchte und auch einer der ersten Fehlfarben-Auftritte dort im Vorprogramm der Flaming Groovies. Während der Lesung wirkte Hein etwas unsortiert, entschuldigte dies damit, das er mehr oder weniger direkt aus Istanbul nach Witten gekommen sei und zudem seine Lesebrille nicht dabei hatte. Dennoch schaffte er es auch zeitweise, jene Energie zu versprühen, die er bei Fehlfarben am Mikro zeigt, vor allem in einer Passage über Magdeburg, das er als kleine faschistoide Provinzhölle charakterisierte und sich dabei richtig in Rage redete.

Fehlfarben

Nach einer kurzen Pause, in der endlich die deplatzierten Sitzkissen aus dem Weg geräumt wurden, ging es dann musikalisch um kurz vor halb zehn weiter. Als Sextett kamen Fehlfarben auf die Bühne,.ein umgezogener Hein, neue Hose und neues Hemd, zum Schluss. Es folgte eine wilde Reise kreuz und quer durch die Bandgeschichte, von Monarchie und Alltag bis Xenophonie. Die gut vierzig anwesenden, fast durchweg älteren Semester waren aber zum Glück nicht nur auf Nostalgie-Befriedigung aus, so dass ein Stimmungsgefälle zwischen alten und neuen Songs kaum auszumachen war. Musikalisch sind die "neuen" Fehlfarben durchaus zwiespältig, klingt es doch manchmal etwas stumpf rockend, was aber durch Heins kräftige, immer noch manchmal fast dramatisch überdrehte Stimme rausgehauen wird. Auf Platte wird das oftmals von starken Synthie-Passagen ausgeglichen, doch live durfte Pyrolator Kurt Dahlke dies für meinen Geschmack zu selten zeigen.


Live hatte ich sie zuletzt 2003 gesehen, als sie mit ihrem Comeback-Album Knietief im Dispo auf Tour waren. Damals verzichteten wohltuend sie auf das wohl bekannteste Fehlfarben-Stück Ein Jahr, doch diesmal wurde es gespielt und wirkte deplatziert. Nach einer Stunde wurde Paul zu Grabe getragen und allein mit diesem Song rissen sie alles raus, denn auch nach über 30 Jahren ist seine Magie ungebrochen und zog auch an diesem Abend sofort jeden in den Bann.


Auch in der Zugabe gab es ein weiteres Highlight mit Platz da!, der ersten Single vom neuen Album, einer Abrechnung mit der Kultur-und Medienindustrie, die Peter Hein in Höchstform zeigte, wohl weil es sich um eines seiner Lieblingsthemen handelt. Sogar zu einer zweiten Zugabe ließ sich die Band auf die Bühne bitten und nach dann gut 80 Minuten war dann aber mit Wir warten (ihr habt die Uhr, wir die Zeit) vom letzten Album Glücksmaschinen Schluss und Hein fasste den Abend mit "Klein, aber fein" zusammen.

Fehlfarben

Es war angenehm, wie unprätentiös Fehlfarben den Wechsel zwischen alten und neuen Songs hinkriegten und gerade in puncto Bühnenpräsenz können Jungspunde wie der Sänger von Messer noch viel lernen. Musikalischer gefallen sie mir wie auch Keine Zähne Im Maul Aber La Paloma Pfeifen heute sicher besser als die aktuellen Fehlfarben, aber skurriles Bühnemverhalten (Keine Zähne im Maul...) oder gespielt wirkende Wut (Messer) können es noch nicht mit dem Alterszorn eines Peter Hein aufnehmen.

Mittwoch, 19. Dezember 2012

Turbostaat

Turbostaat / Krawehl

15.12.12 Cafè Nova, Essen

Kurz nachdem ich mir die Karte für das Düsseldorfer Konzert gesichert hatte, kündigten Turbostaat noch einen Nachschlag in Form einer Show in Essen an, fast genau ein Jahr nach dem Auftritt in der Zeche Carl. Und da man auf einem Bein bekanntlich schlecht stehen kann, nahm ich diesen Termin auch noch mit. Im Gegensatz zum Saunabesuch in der Tube war das Café Nova nicht im Vorfeld ausverkauft und versprach so auch auf Grund des geräumigeren und höheren Konzertsaals ein deutlich entspannteres Hörvergnügen.

Krawehl
Doch zunächst waren wieder Gitarren aus dem Zonenrandgebiet NRWs angesagt, diesmal aus Bielefeld unter dem Namen Krawehl. Vor gut zwei Jahren hatte ich sie bereits einmal im Vorprogramm von RVIVR gesehen und beschrieb sie damals als die "ostwestfälischen Captain Planet". Ich weiß nicht, ob sie ihren Stil seitdem merklich geändert haben, jedenfalls klangen sie dieses Mal mehr nach Hot Kettcar Music. Das gefiel erneut und eine gewünschte Zugabe verweigerte nur der Mischer, denn auf die zaghafte Frage des Bassisten, ob sie noch Zeit für ein Liedchen hätten, gab er eine negative Antwort.

Turbostaat

Wieder gegen viertel vor zehn begannen Turbostaat wie zwei Tage zuvor in Düsseldorf. Man merkte sofort den Unterschied, den die geräumigere Lokalität machte.Während in der Presswurstbaracke The Tube durch die Enge jede Bewegung per Domino-Effekt auch eine des Nebenmanns erzeugte und so sofort das ganze Publikum in Bewegung war, dauerte es in Essen etwas, bis die Masse der Massenträgheit trotzte und dann aber auch entsprechend abging. Die Band schien auch ob der größeren Bühne deutlich entspannter zu sein, was jedoch der Qualität des Auftritts nicht abträglich war. Und spätestens bei Insel und dem rausgebrüllten "Husum, verdammt!" war auch klar, dass alle brav ihren Text gelernt hatten.

Turbostaat

Auch der neue Sohnemann Heinz wurde wieder ins kalte Wasser geworfen samt Elternsprechtag rund ums Schlagzeug. Erneut war nach einer knappen Stunde Schluss, doch diesmal erfolgte keine öffentliche Beratung über die Zugabe, man schien sich bereits im Vorfeld auf das gleiche Set wie am Donnerstag geeinigt zu haben. Kurz vor elf war dann endgültig Das Island Manöver abgehakt, denn Ende April nächsten Jahres steht schließlich der Feldzug mit noch namenlosem neuen Album an, die Vorfreude darauf wurde jedenfalls mit diesen beiden kanckigen Konzerten geweckt.


Turbostaat

Turbostaat / Freiburg

13.12.12 The Tube, Düsseldorf

Kurzfristig hatten Turbostaat zum Abschluss des Jahres noch einmal Shows im kleinen Rahmen angekündigt und der winzige Altstadt-Schlauch namens The Tube war auch Ruck Zuck ausverkauft.

Freiburg

Kurz vor neun bekam man noch ein gutes Plätzchen vor der Bühne und harrte der Dinge, die da kommen sollten. Zunächst kamen Freiburg aus Gütersloh, klingt komisch, ist aber so. Freiburg haben sich nach dem Tocotronic-Song benannt, haben aber musikalisch nicht wirklich viel mit ihnen gemeinsam. Sie rockten auf deutsch, erinnerten dabei öfter an Oma Hans und gefielen nicht nur mir, sondern auch dem anderen Anwesenden. Eine Zugabe spielten sie daher auch, eben jenen Tocotronic-Song, der dabei eher nach Turbotronic klang.

Turbostaat

Der folgende Umbau gestaltete sich schwierig, denn inzwischen war es proppenvoll und die fleißigen Hände hatten sichtlich Mühe, das Equipment von der und auf die Bühne zu schaffen. Aber es ging irgendwie und viertel vor zehn dann auch los. Vom ersten Ton an ging vor der Bühne die Post ab und die Temperatur stieg sekündlich. Die Band spielte ein Best Of aus den Alben Vormann Leiss und Das Island Manöver und konnte sich auf die Textsicherheit des Publikums verlassen.


Aber auch einen Vorgeschmack auf das nächste, im Frühjahr erscheinende Album gab es in Form eines neuen Stücks namens Sohnemann Heinz, das auch gleich mächtig Eindruck machte. Dreieinhalb Minuten rockte es wie ein typischer Turbostaat, doch dann wechselte es zu einem Marschier-Rhythmus und die die Band versammelte sich ums Schlagzeug und ließ es ausklingen.


Ansonsten kümmerte sich Sänger Jan immer besorgt um die ersten Reihen, das es auch allen gut ging und verteilte auch mal Wasser. Nach einer knappen Stunde war Schluss, doch von der Bühne gehen ging nicht, also hockte man sich erschöpft in eine Ecke und verschnaufte kurz. Nach einer kurzen Beratung beschloss der Drummer dann die drei Zugaben, beginnend mit dem Fünfwürstchengriff. Zehn Minuten später war Schluss, zwar etwas kurz für Turbostaat-Verhältnisse, aber dank der Intensität vollkommen ausreichend.

Turbostaat
Es war das heißeste Konzert des Jahres nach den Simple Minds im E-Werk, aber ungleich besser, auch wenn ich hier Äpfel mit Birnen vergleiche.