Dienstag, 9. April 2013

Hidden Orchestra / Poppy Ackroyd

Hidden Orchestra / Poppy Ackroyd

07.04.13 Christuskirche, Bochum

Insgesamt 28 Konzerte fanden nun bereits in der Christuskirche unter der Idee urban urtyp statt, doch aus irgendeinem Grund war mir diese Veranstaltungsreihe bislang nicht bekannt, ehe ich im Februar Bohren & Der Club Of Gore in diesem Rahmen erlebt hatte.

Bochum - Christuskirche

Diesmal gab sich das Hidden Orchestra aus Edinburgh die Ehre und Poppy Ackroyd, Mitglied des Quintetts, bestritt zudem das Vorprogramm.
Um halb acht kam Frau Ackroyd mit ihrem musikalischen Partner John Lemke auf die Bühne, um Stücke aus ihrem Album Escapement, letztes Jahr bei Denovali erschienen zum Besten zu geben. Sie spielte dabei hauptsächlich Klavier und Geige, während ihr Partner für die elektronischen Effekte und Beats sorgte. Dabei gefielen mir die rhythmischen Stücke wie Seven oder Mechanism ausgesprochen gut, während die ruhigeren Momente dann etwas mehr in die Gefilde eines George Winston abzudriften drohten.

Poppy Ackroyd

Das Bemerkenswerteste an ihrer Musik ist aber, dass sie zu 100% aus "organischen" Klängen besteht, d.h. alle Geräusche stammen vom Klavier oder der Geige und wenn auch nur kleine Schläge auf das Instrument zu Beat-Loops gesampelt wurden. Aber es fiel auch auf, wie oft die beiden Musiker auf der Bühne den Blickkontakt suchten, um den nächsten Tastendruck genau aufeinander abzustimmen.
Nach einer Dreiviertelstunde folgte dann die obligatorische Umbaupause, die Tasteninstrumente wurden vom Bühnenrand in den Hintergrund gerückt, so dass die rechts und links auf der Bühne postierten Schlagzeuge sich quasi duellierten.

Hidden Orchestra

Denn das herausragende Element der Musik von Hidden Orchestra sind sicherlich die zwei Drummer, die mit ihrer Hyperaktivität die meist von trägen Basslinien getragenen Songs zum Leben erwecken, während auf diesem Teppich dann das Saxophon oder die Geige weitere Akzente setzen. Das klingt jazzig und auch die Schublade Trio Hop liegt da natürlich nahe, mir fiel beim ersten Hören sofort die britische Band Red Snapper ein, die bereits Mitte der 90er eine ähnliche Art von Musik machten.


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Beim Hidden Orchestra erging es mir dann ähnlich wie bei Poppy Ackroyds Set, je rhythmischer, desto besser. Das Zusammenspiel der Drums war hervorragend, sie duellierten sich weniger, als dass sie sich ergänzten und eben durch dieses Wechselspiel jenen Eindruck von Hyperaktivität erzeugten und somit die sonst zu sehr in Jazz-Gefilde abdriftenden Saxophon-Melodien einfingen.


Neben dem reinen Compilation-Track The Burning Circle wurden ansonsten Songs aus den beiden bislang erschienenen Alben gespielt, wobei man ständig den Musikern den Spaß an ihrer arbeit anmerkte. Immer wieder grinsten sie sich während der Stücke an und genossen offensichtlich den Abend. Nach fast 80 Minuten. beendeten sie dann mit Antiphon ihr reguläres Set. Doch das begeisterte Publikum in der sehr gut gefüllten Kirche, das übrigens auch bei der Vorstellung der einzelnen Bandmitgliedern den Schlagzeugern am meisten Applaus geschenkt hatte, wollte noch eine Zugabe, die es auch in Form der B-Seite The Revival bekam.


Hatte ich bei Bohren noch den etwas fehlenden sakralen Charakter des Konzerts bemängelt, so passte diesmal die sehr lockere Atmosphäre sehr schön zu der Musik, die ja durch ihre Rhythmik sogar zum Tanzen einlädt, was allerdings angesichts der recht unbeweglichen Kirchenbänke gelassen wurde.
Die Reihe urban urtyp macht nun Sommerpause, wird aber fortgesetzt werden und kann daher nur jedem empfohlen werden. Ich werde bestimmt nicht das letzte Mal dabei gewesen sein.


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